Hörfunk
Der Bestand Hörfunk gliedert sich in den Wort- und Musikbereich und umfasst
die Überlieferung der Rundfunk- und Fernsehmusikproduktionen aus dem Zeitraum
1945 bis 1991 auf 300.000 Musik- und 150.000 Worttonträgern.
Diese für Programmgestaltung und wissenschaftliche Forschung gleichermaßen
wertvollen Dokumente beinhalten sowohl komplette Sendungen und gestaltete
Eigenproduktionen, Konzert- und Veranstaltungsmitschnitte als auch Film- und
Hörspielmusiken. Besonders hervorzuheben ist das Geräuscharchiv, das auf 36.000
Einzeltakes mehrheitlich original aufgenommene Tondokumente enthält, die die
verschiedensten Lebensbereiche in der DDR anschaulich abbilden.
Vor allem der Bestand E-Musik ist von einmaligem Wert, dokumentiert sind
hier nahezu alle wichtigen Musikveranstaltungen, die in den viereinhalb Jahrzehnten
in der DDR bis 1991 aufgezeichnet wurden. Ereignisse mit Live-Charakter
wie Uraufführungen,
Wettbewerbe, Festivals, Eröffnungen und Veranstaltungsreihen spiegeln
das Musikleben der DDR wider. Zudem existieren eine Reihe von Sendungen mit
gemischten
Anteilen an Wort und Musik, etwa Analysen zeitgenössischer Werke,
Interpreten-Porträts
und Musikreportagen.
Wichtige kulturelle und gesellschaftspolitische Entwicklungen der DDR finden
sich in der Vielzahl von historischen Tondokumenten im Wort-Bereich, etwa
zum 17. Juni 1953 oder zum Mauerbau 1961, zu Eröffnung, Einweihung oder Restaurierung
kulturhistorischer Stätten u.ä. Die Reflexion der politischen Wende in der
DDR dokumentiert sich in Mitschnitten von Parteigründungen, vom "Runden Tisch" 1989/90 oder in den Aufzeichnungen von Volkskammer-Sitzungen.
Hervorzuheben ist auch der Bestand an Hörspielen mit insgesamt 23.000 Aufnahmen,
darunter auch die ältesten Produktionen von 1946/47 wie Brechts "Der kaukasische
Kreidekreis" oder Hauptmanns "Der Biberpelz".
Das erste Hörspiel der Nachkriegszeit wurde aus Berlin gesendet. Einer
der großen Hörspielerfolge dieser Zeit war Professor
Mamlock von Friedrich Wolf, das am 8. November 1945 unter der Regie von
Hannes Küpper und mit Paul Wegener in der Hauptrolle ausgestrahlt wurde.
Es konfrontierte die Zuhörer mit dem tragischen Schicksal eines jüdischen
Arztes, der in den Jahren 1932/33 glaubt, seine Klinik von politischen Auseinandersetzungen
frei halten zu können.