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65 Jahre Deutsches Rundfunkarchiv

1952 – Gründungsjahr vieler politisch
und kulturell relevanter Einrichtungen in der Bundesrepublik

Foto: Informationsbroschüre des Lautarchivs des Deutschen Rundfunks, 1957
Informationsbroschüre des Lautarchivs des Deutschen Rundfunks, 1957
Foto: DRA
 

In institutionsgeschichtlicher Hinsicht war in der jungen Bundesrepublik Deutschland das Jahr 1952 ein ereignisreiches Jahr: Eine Gründung folgte der anderen. Adenauer sorgte sich darüber, dass sich die Bevölkerung "in steigendem Maße der Demokratie und der Politik der Bundesregierung entfremde" und initiierte die Gründung der Bundeszentrale für Heimatdienst – sie wurde 1963 in Bundeszentrale für Politische Bildung umbenannt. Ihre Aufgabe bestand laut Gründungserlass darin, "den demokratischen und den europäischen Gedanken im deutschen Volke zu festigen und zu verbreiten". Ebenfalls zur Förderung des Demokratieverständnisses riefen Wissenschaftler und Ministerialbeamte in Bonn die Kommission für Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien ins Leben. Untersuchungen und Publikationen auf diesem Gebiet sollten dazu dienen, der "gesamten politischen Öffentlichkeit" die "demokratische Tradition" der Bundesrepublik zu verdeutlichen. Das 1951 gegründete Goethe-Institut bezog bereits 1952 seinen ersten Auslandsstandort in Athen. Komplementär dazu entstand der Verein Inter Nationes: nicht nur, um für Deutsch als Fremdsprache zu werben, sondern auch um das Land im Allgemeinen bekannt zu machen. Bis zu dessen Fusion mit dem Goethe-Institut 2000 verteilte er Informationen und Literatur über die Bundesrepublik Deutschland in der ganzen Welt. In Koblenz nahm das Bundesarchiv seine Arbeit auf. Es hatte das Archivgut des Bundes und seiner Vorgängerinstitutionen auf Dauer zu sichern, nutzbar zu machen und wissenschaftlich zu verwerten.


 

1952 – Beginn des regelmäßigen Fernsehprogramms
und Gründung des Lautarchivs des Deutschen Rundfunks am 2. Dezember

1952 war auch für die ARD ein wichtiges Jahr: zwei Jahre nach ihrer Gründung 1950 begann die Ausstrahlung eines regelmäßigen Fernsehprogramms. Vom 25. Dezember an sendete der Nordwestdeutsche Rundfunk in Hamburg täglich ein etwa zweistündiges Abend- und ein halbstündiges Nachmittagsprogramm. Bereits drei Wochen zuvor hatte die ARD in diesem Jahr ihre erste und damit heute älteste Gemeinschaftseinrichtung aus der Taufe gehoben: Am 2. Dezember 1952 unterzeichneten die Intendanten die Stiftungsurkunde und beschlossen die Satzung für das Lautarchiv des Deutschen Rundfunks. Kurt Magnus, einer der Initiatoren der Gründung und auch ihr erster Verwaltungsratsvorsitzender, war der Überzeugung, dass man sich den Persönlichkeiten oder besonderen Gegebenheiten der Vergangenheit am besten über den Ton – und nicht nur über die Schrift – nähern könne (Hörzitat).

Dementsprechend wurde als Hauptaufgabe des Lautarchivs "die Erfassung von Tonträgern aller Art" definiert, "deren geschichtlicher, künstlerischer oder wissenschaftlicher Wert ihre Aufbewahrung und Nutzbarmachung für Zwecke der Kunst, Wissenschaft, Forschung, Erziehung oder des Unterrichts rechtfertigt". Das sollte für die Tondokumente gelten, die gerade entstanden oder zukünftig entstehen würden. Diese sollte das Lautarchiv in einem ARD-übergreifenden Nachweissystem verzeichnen – die Tonträger selbst sollten allerdings in den Schallarchiven der Rundfunkanstalten bleiben. Von Bedeutung waren aber auch die Tonaufnahmen des Deutschen Rundfunks, die vor 1945 entstanden waren. Diese Bestände sollten in Frankfurt am Main möglichst vollständig zusammengeführt werden. Nachdem sein Kerngebiet um die Dokumentation von Fernsehproduktionen erweitert worden war, wurde das Lautarchiv des Deutschen Rundfunks 1963 in Deutsches Rundfunkarchiv umbenannt.
 

Foto: Kurt Magnus in den 1950er Jahren
Kurt Magnus in den 1950er Jahren
Foto: Kurt Bethke / hr-Archiv

Hörzitat (1'08): Ausschnitt aus einem vom SDR Heidelberg initiierten Gespräch über den geschichtlichen Wert von Rundfunkaufzeichnungen, 22.12.1954
aus: DRA (Frankfurt) KONF.1048119


 

Vorgeschichte – Auslagerung von Archivgut in den Kriegswirren

Bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs unterhielten alle Funkhäuser – sowohl in Berlin als auch an den Sitzen der regionalen Sendegesellschaften – Schallplattenarchive, wobei dasjenige im Berliner Haus des Rundfunks bei weitem das größte darstellte. Lange Zeit hielten die deutschen Archivverwaltungen besondere kriegsbedingte Schutzmaßnahmen zugunsten von Archivalien nicht für erforderlich. Erst im Mai 1942, als die Gefahr, die der Bombenkrieg für Menschen und Güter bedeutete, nicht mehr zu leugnen war, wurde die Auslagerung der Bestände in der Reihenfolge ihrer Bedeutung verfügt. So auch im Rundfunkbereich: Bis Anfang Dezember 1942 wurden mehrere tausend Schellackplatten in nicht bombengefährdete Gebiete wie beispielsweise nach Prag gebracht. Andere, besonders wertvolle Bestände, wurden in das Salzbergwerk Grasleben bei Helmstedt ausgelagert. Was weniger wichtig war oder für den Sendebetrieb benötigt wurde, blieb entweder in den Funkhäusern oder in unmittelbarer Nähe. Die Tonaufnahmen aus dem Salzbergwerk Grasleben wurden nach 1945 von den Briten geborgen und als Kriegsbeute nach London gebracht. Die, die sich in Prag befanden, verblieben dort und wurden in das Archiv des Tschechoslowakischen Rundfunks eingegliedert. Diejenigen schließlich, die bis zum Kriegsende im Berliner "Haus des Rundfunks" aufbewahrt worden waren, gingen in das Eigentum des sowjetisch kontrollierten Berliner Rundfunks über und wurden mitgenommen, als sich dieser 1952 in den Ostteil der Stadt zurückzog.
 

Foto: Schellackplatte mit nachträglich aufgeklebtem Label der Berliner Rundfunk GmbH
Musikaufnahme vom 31.12.1940 mit nachträglich aufgeklebtem Label der Berliner Rundfunk GmbH
Foto: DRA

Hörzitat (2'08): Josef Strauß: Eingesendet, op. 240 (Polka schnell für Orchester)
Wiener Philharmoniker
Leitung: Clemens Krauss
AD: 31.12.1940
DRA (Frankfurt) KONF.1090423


 

Rückführung von Beständen nach dem Krieg

Seiner zweiten Aufgabe, nämlich der Rekonstruktion der Bestände des früheren Rundfunks, konnte das Lautarchiv des Deutschen Rundfunks bzw. das Deutsche Rundfunkarchiv zunächst nur in Maßen gerecht werden. Waren sie nicht Kämpfen, Vernichtungs- oder Selbstvernichtungsaktionen zum Opfer gefallen, so befanden sich Mitte der 1950er Jahre viele Tonaufnahmen hinter dem "Eisernen Vorhang". Dem DRA gelang es relativ schnell, die umfangreiche Londoner Überlieferung zurückzuführen. Weitere Funde aus privatem und institutionellem Besitz kamen hinzu. Erst die historische Wende von 1989 bot Gelegenheit, die DRA-Sammlung bedeutend zu ergänzen: Es wurde nicht nur für die Menschen eine Grenze durchlässig; plötzlich wurden der DDR- und der tschechoslowakische Teilbestand wieder zugänglich.

 

Wiedervereinigung und ein gemeinsames Archiv

Mit der Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 hatte die DDR als Staat aufgehört zu existieren. Artikel 36 des Einigungsvertrages sah die Beendigung des eigenständigen Rundfunks und Fernsehens der DDR vor. Beide wurden jedoch noch bis zum 31. Dezember 1991 in einer staatsunabhängigen rechtsfähigen Einrichtung weitergeführt. Dieser "Einrichtung" (die tatsächlich keine andere Bezeichnung hatte) stand der Rundfunkbeauftragte für die neuen Bundesländer Rudolf Mühlfenzl vor. Sie hatte neben dem vorläufigen Weitersenden der Hörfunk- und Fernsehprogramme den Auftrag, den Ist-Bestand des Vermögens, wie Liegenschaften und Technik, festzustellen und Vorbereitungen für die Liquidation zu treffen. Nachfolge und Verwertung der Einrichtung sollten ab 1. Januar 1992 die Neue Länder Grundstücksverwertung und Verwaltungsgesellschaft (NLG) sowie die Nachfolgeeinrichtung Fünf Neue Länder (NFL) antreten. Für das Programmvermögen aus Hörfunk und Fernsehen der DDR gab es dagegen bis Oktober 1991 noch kein schlüssiges Konzept. In einer Belegschaftsversammlung des Funkhauses Berlin am 2. Oktober 1991 äußerte sich Rudolf Mühlfenzl zur Bedeutung und Zukunft der Archive. Ein Auseinanderreißen sei unbedingt zu vermeiden und es gebe Bemühungen, diese in die Hände des Deutschen Rundfunkarchivs zu geben (Hörzitat).
 

Foto: Block A Funkhaus Berlin in der Nalepastraße
Block A Funkhaus Berlin in der Nalepastraße
Foto: Funkhaus Berlin / DRA

Hörzitat: (O-Ton) Rudolf Mühlfenzl auf der Belegschaftsversammlung des Funkhauses Berlin am 02.10.1991: zur Zukunft der Archive, eventuell Übernahme durch das Deutsche Rundfunkarchiv
aus: DRA (Babelsberg) KONF.1981773


 

Bereits im September 1990 hatte die ARD ihr Interesse signalisiert, das Archivgut aus Rundfunk und Fernsehen der DDR geschlossen in das Deutsche Rundfunkarchiv zu überführen. Am 15. November 1991 verabschiedete der DRA-Verwaltungsrat in einer Sondersitzung ein Konzept für die Jahre 1992 und 1993, das die treuhänderische Übernahme der Archivbestände, deren Sichtung und Bewertung sowie die Vorbereitung einer Entscheidung über die zukünftige Trägerschaft und Struktur vorsah. Für die Umsetzung dieses Konzepts wurde am 28. November 1991 die Servicegesellschaft Archive und Medien gGmbH (S.A.M.) gegründet. Sie übte ab Januar 1992 die Funktion einer Beschäftigungsgesellschaft für die Mitarbeiter der "Rundfunkarchive Ost" aus, nachdem das gesamte Personal der "Einrichtung" zum 31. Dezember 1991 entlassen worden war.

Screenshot: Letzte Sequenz im DFF vor der Abschaltung am 31.12.1991 um Mitternacht
Letzte Sequenz im DFF vor der Abschaltung am 31.12.1991 um Mitternacht mit dem Fernsehballett des DFF als Uhr
Foto: Screenshot aus "Auf ein Neues!", FESAD IDNR 042322

Am 31. Dezember 1991 um Mitternacht wurden die Rundfunk- und Fernsehprogramme der ehemaligen DDR abgeschaltet. Das entsprechende Programmvermögen wurde in dieser Sekunde zum audiovisuellen Medien- und Kulturerbe und wurde ab dem 1. Januar 1992 als "Rundfunkarchive Ost" im Auftrag der fünf neuen Länder bzw. deren Landesrundfunkanstalten MDR, NDR, ORB und SFB vom Deutschen Rundfunkarchiv treuhänderisch verwaltet.

Mit der Abschaltung waren die Redaktions- und Technikräume in der Nalepastraße und in Adlershof verlassen worden. Der damalige Vorstand des DRA Joachim-Felix Leonhard beschreibt in seinem Beitrag "Der Rundfunk der DDR wird Geschichte und Kulturerbe" (aus: Rundfunkpolitik in Deutschland, hrsg. von Dietrich Schwarzkopf, München 1999) eine "gespenstische, von Verlassenheit gekennzeichnete Situation. [...] Wo noch vor ein, zwei Tagen einige Tausend Menschen tätig waren [...] herrschte nun gähnende Leere: Räume und Studios waren verwaist. In den Redaktionsräumen, auf den Tischen und in den Schränken fanden sich schriftliche Aufzeichnungen für Sendungen, Tonbänder und Filme sowie MAZ-Bänder...". Nach dem Motto "Das war's", was sogar an Wänden geschrieben stand, war alles so liegengelassen worden, wie zuletzt benutzt.

 

Zusammenführung der DDR-Bestände

Das überlieferte Programmvermögen war nicht zentral in einem Archiv gelagert, obgleich es selbstverständlich größere Archive an den Hauptproduktionsstandorten für den Rundfunk und das Fernsehen der DDR in der Nalepastraße und in Adlershof gab, sondern über verschiedene Standorte, Gebäude, Räume usw. verteilt. Bereits zu DDR-Zeiten wurde Archivgut teilweise an nicht dafür geschaffenen Orten aufbewahrt.

Foto: Ein verlassener Redaktionsraum im Funkhaus Berlin Ende 1991
Ein verlassener Redaktionsraum im Funkhaus Berlin Ende 1991
Foto: Funkhaus Berlin / DRA

Viele Redakteure hatten sich in ihren Räumen "Fensterbankarchive" angelegt, um bestimmte Ton- bzw. MAZ-Bänder ständig griffbereit zu haben. Schellackplatten und Tonbänder aus der Reichs-Rundfunk-Gesellschaft, Urbänder mit Musikproduktionen und aus politischen Gründen verbotene Aufnahmen lagerten in einem Zivilschutzbunker nahe dem Funkhaus in der Nalepastraße. Auf dem Dachboden des Köpenicker Stadtgefängnisses wurden ca. 30.000 Filmdosen des DDR-Fernsehens gelagert. Teile der Sammlungen waren besonders in der Schlussphase der "Einrichtung" (neben dem Verlust durch mutwillige Zerstörung und Diebstahl) weggegeben worden und mussten zurückgefordert werden.

 

Der Weg zum gemeinsamen Rundfunkarchiv

Im Januar 1992 begannen Mitarbeiter des DRA und der S.A.M. mit der Sichtung, Sicherung und Bewertung des überlieferten Programmvermögens. Eine Nutzung der greifbaren Bestände musste übrigens bereits zu Zeiten der "Einrichtung" gewährleistet werden, denn die Nachfrage nach audiovisuellen Überlieferungen war sowohl im Programmaustausch als auch für wissenschaftliche Zwecke hoch. Dies erforderte schon zu diesem Zeitpunkt einen Auf- und Ausbau der Kompetenzen besonders in den Bereichen Technik und Rechteklärung.

Foto: Sogenanntes Schüttgut aus den Redaktionsräumen im Funkhaus Berlin
Sogenanntes Schüttgut aus den Redaktionsräumen im Funkhaus Berlin Ende 1991
Foto: Funkhaus Berlin / DRA

Im Herbst 1992 wurde die Zusammentragung, Sichtung und Bewertung der Bestände abgeschlossen und in einem Ergebnispapier dokumentiert. Auf dieser Grundlage beschloss der DRA-Verwaltungsrat am 1. Februar 1993, die "Rundfunkarchive Ost" ab dem 1. Januar 1994 als Standort Berlin in Trägerschaft, Organisation und Haushalt des DRA zu übernehmen.

Im Sommer 1994 wurden die Hörfunk- und Fernsehüberlieferungen in Berlin-Adlershof zusammengeführt. Aufgrund der maroden Bausubstanz der Gebäude musste über deren Sanierung bzw. über einen Neubau an einem anderen Standort nachgedacht werden. Auch medienpolitische Gesichtspunkte spielten dabei eine Rolle. Am 29. Juni 1998 entschied der DRA-Verwaltungsrat sodann, den "Standort Ost" des DRA in einem vom Ostdeutschen Rundfunk Brandenburg zu errichtenden Neubau auf dessen Gelände in Potsdam-Babelsberg unterzubringen. Das neue moderne Gebäude wurde nach Bezug am 6. Dezember 2000 in Anwesenheit von Bundestagspräsident Wolfgang Thierse eingeweiht.

 

Das DRA heute

Heute stellt das DRA eine Einrichtung mit standortübergreifender Organisationsstruktur dar. Nach wie vor getrennt lagern jedoch noch die Bestände: Während der Frankfurter Standort die Sammlung und Aufbewahrung der Tonaufnahmen des Deutschen Rundfunks bis 1945 beherbergt, werden in Potsdam-Babelsberg die Überlieferungen aus Hörfunk und Fernsehen der DDR archiviert. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter benutzen jedoch dieselben Verfahren und Datenbanken, um die Materialien zu erschließen, zu digitalisieren und zur Verfügung zu stellen. Unterschieden wird allein zwischen den Informationsträgern: So besteht die Abteilung "Information, Dokumentation und Bestände" (IBD) aus den Sachgebieten "Dokumentation Fernsehen", "Dokumentation Hörfunk" und "Dokumentation Schriftgut/Bild", zu denen das Sachgebiet "Information und Logistik" hinzukommt. Es findet ein mehrdimensionaler Austausch statt, physisch durch gemeinsame Besprechungen an einem Standort, virtuell durch Videokonferenzen.

Screenshot: Letzte Sequenz im DFF vor der Abschaltung am 31.12.1991 um Mitternacht
Die Belegschaft des DRA, Februar 2016
Foto: Sabrina Bernhöft (DRA)

Ebenfalls als Kerngeschäft neben der Sammlung und Archivierung historischer Tonaufnahmen betreibt das DRA den Aufbau ARD-übergreifender Nachweissysteme für archivierte Tondokumente sowie die Vereinheitlichung der Katalogisierungsverfahren. Diesem Aufgabenbereich widmet sich vor allem die Abteilung "Datendienste, IT und Technik" (DIT). Im Rahmen von ARD-Kooperationen wurden unter DRA-Federführung die Normdatenbank (NDB) sowie die Ereignis- und Termindatenbank zeitlupe entwickelt. In der NDB werden normierte Daten zu Urhebern, Künstlern, Institutionen und Vokabularen gesammelt und gepflegt, die über Schnittstellen auch programmrelevanten Produktionssystemen als Metadaten zur Verfügung stehen. Die zeitlupe ist mit ihrem stetig wachsenden Bestand an Jahrestagen und Jubiläumsdaten ein wesentlicher Informationsdienst insbesondere auch für die Programm- und Eventplanung in der ARD. Das DRA beteiligt sich ferner an der Weiterentwicklung einzelner Archiv-Verbundsysteme, darunter die Fernseh- und Hörfunkdatendanken FESAD und HFDB. Es betreibt die ARD-Hörspieldatenbank, die das zentrale Nachweisinstrument der Hörspielproduktionen von ARD und Deutschlandradio sowie des Rundfunks der DDR und der Weimarer Republik darstellt. Die ARD-Chronik zur Geschichte der ARD sowie das Nachschlagewerk ABC der ARD ergänzen das digitale Angebot.

Wie in seiner Verfassung festgelegt, bedient das DRA neben den Rundfunksendern als Partner im Programmaustausch auch die Öffentlichkeit sowie – u. a. im Rahmen von Kooperationen – zahlreiche institutionelle Nutzer aus dem kulturellen, wissenschaftlichen und gesellschaftspolitischen Bereich. In allen Fällen beruht seine Tätigkeit maßgeblich auf der Verknüpfung von zeitgeschichtlichen Inhalten mit zeitgemäßer, innovativer Informationstechnologie. Aus diesem Grund versteht sich die Stiftung Deutsches Rundfunkarchiv vielleicht mehr als andere historische Archive als Mittlerin und Wahrerin gesellschaftlicher Gedächtnis-Kultur im Übergang zwischen dem analogen Gestern und dem digitalen Morgen.

 
(Muriel Favre / Claudia Hunold)

 

Stand: 30. November 2017

 

 

LETZTE ÄNDERUNG: 05.12.2017
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