Dokument des Monats Februar 1998
Szenenfoto des Theaterstücks "Die Gewehre der Frau Carrar" von
Bertolt Brecht
in der Inszenierung von Egon Monk mit den Darstellern Erwin
Geschonneck, Eckehard Schall und Helene Weigel vom Berliner Ensemble (von
links)
Bild: "Die Gewehre der Frau Carrar"
Foto: Rainer Hill
Dieses am
11. September 1953 im DDR-Fernsehen gesendete Stück war das
erste Studio-
Gastspiel eines Theaters im Versuchsprogramm
des damaligen Fernsehzentrums Berlin, das am 21. Dezember 1952
seinen Sendebetrieb aufgenommen hatte.
Das von Brecht 1937 geschriebene Stück über den spanischen Bürgerkrieg
hatte seine Uraufführung am 16. Oktober 1937 in der Salle Adyar in
Paris erlebt und war am 11. November 1952 im Berliner Ensemble in Deutschland
uraufgeführt worden. Die schnelle Übernahme des Stücks
für den Hörfunk (Erstsendung am 23. Januar 1953) und das Fernsehen
ist auf Brechts Medieninteresse und seine Bestrebungen, die Inszenierungen
des Berliner Ensembles zu dokumentieren, zurückzuführen.
Die Fernsehinszenierung wurde Anfang Februar 1953 im ältesten Berliner
Filmatelier im Stadtteil Johannisthal in vom Fernsehen zur Verfügung
gestellten Dekorationen gedreht. Regisseur Egon Monk erinnert sich an
die improvisierten Dreharbeiten des jungen Fernsehfunks:
"Die Schauspieler arbeiteten konzentriert und offensichtlich auch
gern in der für sie ungewohnten Umgebung, in der ständig die Dielen knarrten.
Über eigene Schneideräume verfügte das brandneue DDR-Fernsehen noch nicht,
deshalb erfolgte der Schnitt auf dem DEFA-Gelände in Potsdam-Babelsberg."
Auch mit der Tonqualität gab es offensichtlich noch Probleme, wie das
Sendeprotokoll vermerkte. Bei der Ausstrahlung im September 1953 gab es
in der DDR nur annähernd 600 Fernsehempfänger. Auch wenn in
Kulturhäusern und anderen gesellschaftlichen Einrichtungen eine Reihe
von Fernsehstuben für den Gemeinschaftsempfang existierten, dürfte
diese erste Theater-Inszenierung im DDR-Fernsehen nur wenige Zuschauer
gehabt haben. Bis in die achtziger Jahre wurde diese Aufzeichnung acht
mal im Programm des DDR-Fernsehens wiederholt.
Stand: Februar 1998