Dokument des Monats Oktober 1998
Hans Modrow auf der 13. Sitzung des Zentralen Runden Tisches
in Berlin am 19. Februar 1990

Bild: Hans Modrow, Ministerpräsident
der DDR, berichtet auf einer Sitzung des Zentralen Runden Tisches
in Berlin am 19. Februar 1990 |
Hörzitat (1'41''): Erklärung Hans
Modrows auf der 13. Sitzung des Zentralen Runden Tisches in Berlin zu seinem
vorangegangenen Besuch in der Bundesrepublik
Am 19.02.1990 konnten Fernsehzuschauer im 2. Programm des Fernsehens der DDR
die 13. Sitzung des Zentralen Runden Tisches aus dem Konferenzgebäude des
Schlosses Niederschönhausen Berlin verfolgen. Diese Gesprächsrunden übertrug
die Fernsehanstalt seit dem 06. Januar jenes Jahres bis zum letzten Zusammentreten
des Runden Tisches am 12. März 1990.
Als regelmäßiges Forum zwischen Vertretern verschiedener neugegründeter
und umstrukturierter Parteien sowie Bürgerrechtsbewegungen tagte der Runde
Tisch in Berlin von Dezember 1989 bis März 1990 unter Moderation der Kirchenvertreter
Karl-Heinz Ducke, Martin Lange und Martin Ziegler. Dabei standen Fragen
der Reformierung und Kontrolle der Regierung Modrow, der Bestimmung eines
Termins für die ersten freien Wahlen, der Vorlage eines neuen Verfassungstextes
und der Liquidierung der Staatssicherheit im Vordergrund. Das Gremium entwickelte
sich im Laufe der Verhandlungen vom außerparlamentarischen Sprachrohr der
Kritik mehr und mehr zur bedeutsamen Größe, ja sogar zu einem "Partner" der
Regierung. Am 05.02.1990 traten acht Teilnehmer oppositioneller Gruppen und
Parteien als Minister ohne Geschäftsbereich in das Kabinett ein. Als Regierungsmitglieder
in einer "Regierung der Nationalen Verantwortung" nahmen sie an den Gesprächen
mit der Regierung der Bundesrepublik teil. So auch am Zusammentreffen in Bonn
am 13. Februar.
Im hier dargestellten Tondokument gibt Ministerpräsident Hans Modrow eine
Erklärung zu dem Bonner Treffen ab. Er dankt den Delegationsteilnehmern und
hebt besonders wichtige Verhandlungspositionen hervor, so u.a. das notwendige
Bemühen um eine rasche Veränderung der Lebensbedingungen der DDR-Bürger, für
eine Währungsunion erforderliche Expertengespräche und die vertragliche Regelung
der Zusammenführung beider deutscher Staaten. Zu geäußerten Forderungen von
DDR-Seite nach finanzieller Unterstützung durch die Bundesrepublik - vor der
Bonner Reise erwarteten Teilnehmer des Runden Tisches eine 15-Milliarden-Soforthilfe
aus der BRD - und der Reaktion bzw. bisherigen Zurückhaltung der westdeutschen
Politik stellt Modrow fest: "Ich werde nicht auf Knien um einen solidarischen
Beitrag bitten..."
Das Fernseharchiv des Deutschen Rundfunkarchivs, Standort Berlin, verfügt
über elf bzw. dreizehn Mitschnitte dieser Direktübertragungen (Zwei Aufzeichnungen
vom 22.12.1989 und 27.12.1989 wurden nicht gesendet.), welche zwei bis sieben
Stunden Sendezeit und damit Zeitgeschichte abbilden.
Stand: Oktober 1998