Dokument des Monats Oktober 1998
Peter Huchel und die Zeitschrift "Sinn und Form"

Bild: Peter Huchel beim Berliner Rundfunk ca. 1947 |
Hörzitat (1'38''):
Einspiel aus der Sendereihe "Stunde der Akademie" vom 20. Februar 1955
Der Dichter Peter Huchel (1903-1981) war von 1949 bis 1962 Chefredakteur der
von der ostdeutschen Akademie der Künste herausgegebenen Literaturzeitschrift
"Sinn und Form", die demnächst auf ihr fünfzigjähriges Bestehen zurückblicken
kann. Huchel hat ihr in diesen Jahren, der Hoch-Zeit des Kalten Krieges, abseits
von den sozialistischen Literaturkampagnen der DDR ein internationales Renommee
verschafft.
Mit einem weitgespannten Themenkreis und bedeutenden Autoren aus Ost und West
stellte "Sinn und Form" den Anschluß an die literarische Moderne der Nachkriegszeit
her, was bei den stalinistischen Kulturpolitikern der DDR nicht unangefochten
blieb. 1962 wurde Peter Huchel zum Rücktritt gezwungen und siedelte 1971,
nach einem Jahrzehnt staatlich verordneter Isolation und Leben als öffentliche
Unperson, in die Bundesrepublik über.
Der Lyriker Peter Huchel ist als "Dichter der Mark Brandenburg" in die Literaturgeschichte
dieses Jahrhunderts eingegangen. In früheren Jahren wirkte er auch als Hörspielautor
und war von 1945 bis 1948 Dramaturg, Sendeleiter und Künstlerischer Direktor
des Berliner Rundfunks. Aus seiner Zeit als Chefredakteur von "Sinn und Form"
existieren nur noch wenige Originaltondokumente. Das hier vorgestellte Einspiel
aus der Sendereihe "Stunde der Akademie" vom 20. Februar 1955 ist das einzige,
in dem der Dichter sich über das von politischer Instrumentalisierung freie
Credo seiner Zeitschrift "Sinn und Form" äußert.
Stand: Oktober 1998