Dokument des Monats September 1998
Einzige Rundfunkreportage aus einem Konzentrationslager (Oranienburg 1933)
Bild: Eingangstor in das Konzentrationslager Oranienburg
Foto: Deutsches Historisches Museum, Berlin
Am 21. März 1933 wird vor den Toren Berlins, in der Kleinstadt Oranienburg,
eines der ersten Konzentrationslager im Deutschen Reich errichtet. Das Wachpersonal
bilden SA-Männer, die Häftlinge sind hauptsächlich KPD- und SPD-Mitglieder
und -Funktionäre. Sehr schnell steht das KZ im Licht der Öffentlichkeit: Führungen
werden für Journalisten organisiert, denen es als vorbildliche "Erziehungsanstalt"
für Opfer der "Verführung" durch Marxismus und Kommunismus vorgestellt wird.
Ziel dieser nationalsozialistischen "Öffentlichkeitsarbeit" ist es, der vom
Ausland betriebenen "Greuelpropaganda" entgegenzuwirken.
Am 30. September 1933 berichtet der gleichgeschaltete Rundfunk ausführlich
über das Oranienburger Lager in einer Tonaufnahme, die vermutlich allerdings
nur über Kurzwelle für das Ausland und die Auslandsdeutschen gesendet wird.
Es handelt sich um die einzige erhaltene NS-Rundfunkaufnahme über
ein Konzentrationslager. Sie wird neben zahlreichen anderen historischen
Tondokumenten im Schallarchiv des Deutschen Rundfunkarchivs am Standort Frankfurt
am Main aufbewahrt.
Hörzitat 1 (0'45''):
Ausschnitt aus der Ansage der Reportage
Hörzitat 2 (0'41''): Ein Häftling wird von dem Reporter
über die Qualität des Lageressens befragt
Hörzitat 3 (1'06''): Gespräch zwischen dem Reporter
und dem Lagerkommandanten über Lagerplanung und Tagesablauf der Häftlinge
Das vollständige und von Muriel Favre kommentierte Transkript der gesamten
Rundfunkaufnahme ist im aktuellen Heft (Nr 2/3, April/Juli 1998, S.164) der
Zeitschrift "Rundfunk
und Geschichte" abgedruckt.
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Im Lagerhof beim Appell.
In der ersten Reihe: leitende Mitarbeiter des von den Nationalsozialisten
gehaßten Weimarer Rundfunks (von links: Ernst Heilmann, Friedrich Ebert
(SPD), Alfred Braun, Heinrich Giesecke, Hans Flesch, Kurt Magnus)
Foto: Deutsches Historisches Museum, Berlin
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Im Juli 1934 wurde das Konzentrationslager aufgelöst. Zwei Jahre später
wurde ein paar Kilometer weiter von der SS das KZ Sachsenhausen
eingerichtet.
Stand: September 1998