Dokument des Monats Mai 2002
Wenn die Geschichtswissenschaft keine mehr ist
Walter Franks antisemitischer Rundfunkvortrag "Höre, Israel!" (1939)
Walter
Frank war der Hauptvertreter der offiziellen NS-Geschichtswissenschaft, die
sich zur Aufgabe gesetzt hatte, an der "Erneuerung" des Deutschen
Reiches mitzuwirken. Einen besonderen Untersuchungsgegenstand bildete dabei
das "internationale Judentum", dessen angeblich unheilvolle Rolle
es zu entlarven galt.
Unter vielen anderen Schriften veröffentlichte Frank im Jahre 1939 das
Buch "Höre, Israel! Harden, Rathenau und die moderne Judenfrage",
dessen Vorwort er am 5. September des gleichen Jahres für den Rundfunk
vortrug. Darin erläuterte er den von Hitler propagierten Kausalzusammenhang
zwischen dem Judentum und dem eben ausgebrochenen Weltkrieg.
Hörzitat
(1'02''): "Höre, Israel!" Rundfunkvortrag vom 5. September
Die Aufnahme, von der nicht feststeht, ob sie wegen der vielen Programmänderungen
der ersten Kriegswochen tatsächlich gesendet wurde, wird als einziges
bekanntes Tondokument von Walter Frank seit kurzem im Schallarchiv des Deutschen
Rundfunkarchivs am Standort Frankfurt am Main aufbewahrt.
Sie liefert ein Beispiel für den fanatischen Antisemitismus, der im
Dritten Reich auch die Wissenschaft angesteckt hatte.
Bild: Walter Frank (1905-1945) leitete von 1935
bis 1941 die führende Geschichtsforschungsinstitution des Dritten Reiches,
das Berliner "Reichsinstitut für Geschichte des neuen Deutschlands"
Foto: Aus Franks Buch "Kämpfende Wissenschaft" (Hamburg 1934)
Stand: Mai 2002