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Dokument des Monats Dezember 2003

Glockenzeichen

Zeichnung: Kirchenglocke"Glocken der DDR" - unter diesem Titel erschien, zusammengestellt von Ernst Goltzsch, 1984 beim VEB Deutsche Schallplatten Berlin eine Langspielplatte mit einer Auswahl von 42 Geläuten berühmter Dome und weniger bekannter Dorfkirchen, versehen mit einem Begleittext über die Geschichte der Glocken, ihre Schicksale sowie ihre Pflege in der DDR. Eingeleitet wird diese Glockenschau mit den Klängen der "Friedensglocke" in Frankfurt/Oder. Ihr folgen Geläute von Domen und Kathedralen, von Wallfahrtsstätten, Stadt- und Dorfkirchen. Die "Glocke von Buchenwald", mit der die Platte ausklingt, lässt das Zeugnis von Glocken bewusst werden, Mahner und Rufer zu sein. Diese Schallplatte enthält eine Auswahl aus dem ca. 300 Beispiele von Glockenaufnahmen umfassenden Archiv des ehemaligen staatlichen Rundfunks der DDR. Diese Aufnahmen sind nunmehr Bestandteil des Geräuscharchivs im DRA Potsdam wo neben Stundenschlägen von Glocken und anderen Geläuten auch Glockenspiele zu finden sind.

Eine Auswahl (Nachweise weiter unten):
Hörzitat 1 (2'13''): 1. Glockenspiel der Frauenkirche Meißen - "Die Himmel rühmen"
Hörzitat 2 (1'00''): 2. Glockenspiel des alten Rathauses in Leipzig
(RealAudio-Datei: 1´00´´)
Hörzitat 3 (0'31''): 3. Glockenspiel der Potsdamer Garnisonskirche - "Üb immer Treu und Redlichkeit"

Glocken gehören zum frühesten Kulturgut fast aller Völker. China ist vermutlich das Herkunftsland, die Glocke ist dort schon vor 4000 Jahren nachweisbar. Älteste Glocken wurden als Grabbeilagen in Assyrien, in Ägypten und bei den Etruskern entdeckt. In Europa ist die Glocke vor allem mit dem Christentum verbunden. Ihr Siegeszug begann im 5. Jahrhundert. Glocken sind indes kein Privileg der Kirchen. Gerade im Mittelalter war die Glocke allgegenwärtig, man denke nur an die Bet-, Friedens-, Sturm-, Pest-, Richt-, Feuer- und Sterbeglocken. Man denke etwa auch an das Läuteverbot als mittelalterliche Strafmaßnahme der kirchlichen und weltlichen Obrigkeit. Wo keine Glocke mehr über das Land rief, war der Lebensrhythmus gestört. Die Glocke verschwieg die Essenszeit, die Zeit für die Fütterung des Viehs. Es fehlten die vertrauten Zeichen. Die Glocke prägte das Leben der einfachen Leute wie die vier Jahreszeiten. Ihre Bedeutung für die Menschen damals ist uns heute noch in geläufigen Redewendungen präsent: man hat "was läuten" gehört; man weiß, "was die Stunde geschlagen hat", und man soll nicht alles gleich "an die große Glocke hängen". Diese Sprichwörter weisen zudem daraufhin, dass Glocken Jahrhunderte lang das schnellste und wichtigste Informationsmedium waren. In Sage und Literatur hingegen erscheint die Glocke als beseeltes und handelndes Wesen, in Goethes Ballade "Die wandelnde Glocke" (1813), in Gerhard Hauptmanns Drama " Die versunkene Glocke" (1907), in Carl Spittelers "Glockenlieder" und natürlich in Schillers "Lied von der Glocke" (1797).

Im 21. Jahrhundert mag der Glocke nicht mehr die Bedeutung zukommen, die sie im Leben unserer Vorfahren hatte. Ganz allmählich verschwindet sie aus unserem alltäglichen Leben. Früher oder später wird sie als Signalinstrument endgültig verbannt sein. Ganz aus dem Bewusstsein sind Glocken indes noch nicht gekommen. Immer wieder ist es zu erleben, welche emotionale Wirkung Glocken auf einzelne Zeitgenossen haben, sei´s zur Freude des alltagsgestressten Bürgers als akustische Zierde, sei´s als Ausdruck öffentlicher Rücksichtslosigkeit und ruhestörendem Lärm. Gerade in diesem Monat aber hören viele Menschen gern auf ihren Klang, der die Weihnachtszeit so feierlich und fröhlich macht.

Übrigens: Nach einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts aus dem Jahr 1983 sind Geräuschimmissionen durch liturgische Glocken-Geläute im herkömmlichen Rahmen keine erhebliche Belästigung im Sinne immissionsrechtlicher Bestimmungen, sondern zumutbare, sozialadäquate Einwirkung.

Hörfunktitel in Auswahl:


Sendereihentitel: ./.
Sendetitel: Deutsche Glocken läuten zur Friedensweihnacht 1952
Inhalt: Sendung zum Weihnachtsfest des Jahres 1952.
Wort und Musik im Wechsel mit dem Läuten von Kirchenglocken
in Deutschland zur Friedensweihnacht
Sendedauer: 1:51'00''
Erstsendedatum: 24.12.1952
Signatur: ANR 3000160X00

Sendereihentitel: Unterhaltsames aus der Wissenschaft
Sendetitel: Glockenspiele
Inhalt: Ein Besuch in der Glockengießerwerkstatt Schilling in Apolda
Sendedauer: 58'39''
Erstsendedatum: 11.11.1988
Signatur: ANR 2023738X00

Sendereihentitel: Klassisch aufstehen
Sendetitel: Das Glockenmuseum in Apolda - Gespräch mit Direktorin
Ilse Schlichting
Inhalt: Ilse Schlichting über Exponate und ihre Geschichte
Sendedauer: 3'45''
Erstsendedatum: 23.10.1991
Signatur: ANR 2016643000

Stand: Dezember 2003

 

 

LETZTE ÄNDERUNG: 16.11.2006  | IMPRESSUM | nach oben