Dokument des Monats Juli 2003
Die Otto-von-Bismarck-Feier am Bismarckturm in Berlin am 1.4.1933
Eine weitere Inszenierung der Versöhnung zwischen dem NS-Regime und dem
alten Preußen
Berliner Studentenverbindungen um ihren Ehrengast. Joseph Goebbels hielt
die sogenannte "Feuerrede" Foto: Deutsches Rundfunkarchiv
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Hörzitat
(1'11''): Ausschnitt aus der "Feuerrede" von Joseph
Goebbels vom 1.4.1933 (Wochenschau-Filmton)
Bild: Verstärkeranlage des deutschen
Rundfunks im Bismarckturm
Foto: Deutsches Rundfunkarchiv
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Am Abend des 1. April 1933 trafen sich Studentenverbindungen am Bismarckturm
in Berlin-Köpenick anlässlich des Geburtstages von Otto von Bismarck.
Der Turm war in Folge des Aufrufes zum Bau von Bismarcksäulen, den die
Deutsche Studentenschaft 1898 verfasst hatte, 1903/1904 errichtet worden und
fungierte seitdem als Pilgerort für Verbände, die zu bestimmten
Jubiläen den "Vater der Reichseinheit" zu ehren wünschten. Der neue
Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, Joseph Goebbels,
nahm an dem Treffen teil. Eingeladen worden war er von der Deutschen Studentenschaft,
die zwar keine offizielle Parteiorganisation war, aber seit 1931 von einem
NSDAP-Mitglied geleitet wurde. Wie der "Tag von Potsdam" einige Tage zuvor,
zielte die Veranstaltung wahrscheinlich darauf, die Versöhnung zwischen
der "revolutionären" NS-Bewegung und den Traditionen des alten Preußen
zu inszenieren.
Obwohl keine Rundfunkaufnahme erhalten geblieben ist, belegt das Bild der
im Turm installierten Verstärkeranlage, dass das Treffen vom Rundfunk
mitgeschnitten wurde. Wie viele andere Bilder aus dem Bestand des Deutschen
Rundfunkarchivs am Standort Frankfurt am Main gibt es einen Einblick hinter
die Kulissen. Die gewollt imposante Kundgebung erscheint dadurch in einem
etwas nüchterneren Licht. Mit dieser Otto-von-Bismarck-Feier war die
Zusammenarbeit zwischen dem neuen Regime und der Deutschen Studentenschaft
noch nicht zu Ende: Die Studentenorganisation führte in den darauf folgenden
Wochen einen "Aufklärungsfeldzug wider den deutschen Ungeist", der seinen
Höhepunkt in der Bücherverbrennung vom 10. Mai 1933 fand.
Stand: Juli 2003