Dokument des Monats Februar 2004
Vor 55 Jahren wurde auf der 1. Parteikonferenz der SED (25.-28. Januar 1949)
die Entwicklung der SED zur "Partei neuen Typus" beschlossen.

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Bild: Wilhelm Pieck (1876-1960)
Hörzitat
(3'37''): Auszug aus Schlusswort von Wilhelm Pieck
auf der 1. Parteikonferenz der SED (25.-28. Januar 1949)
[Dok 1360] |
"Partei neuen Typus" Die Vorstellung der "Partei neuen Typus"
geht auf Lenin zurück und ist gleichbedeutend mit einer marxistisch-leninistischen
Kaderpartei. Die "Partei neuen Typus" sieht sich als "bewusster und organisierter
Vortrupp" oder als "Avantgarde der Arbeiterklasse". Der Arbeiterklasse - damit
der Partei - kommt aus Sicht der Marxisten- Leninisten die "historische Mission"
zu, die Gesellschaft zum Kommunismus zu führen, woraus sich der Anspruch
auf die "führende Rolle" in Staat und Gesellschaft ableitet. Die "Partei
neuen Typus" ist als revolutionäre Kampfpartei mit zentral gelenkter
Struktur zu verstehen, deren Mitglieder dazu verpflichtet sind, nach dem Prinzip
des "demokratischen Zentralismus" aktiv an der Parteiarbeit mitzuwirken und
Parteibeschlüsse diszipliniert umzusetzen. Die Hauptaufgabe der Partei
ist die Eroberung der Staatsmacht.
Im Januar 1949 verfasste die Erste Parteikonferenz eine Entschließung,
um die SED zur "Partei neuen Typus" zu entwickeln. Die Entschließung
ist im Kontext der Zuspitzung des Kalten Krieges zusehen. Die UdSSR reagierte
nach der Truman-Doktrin, dem Marshall-Plan und der Westintegration der Bizone
mit der festen Einbindung der mittel- und osteuropäischen Staaten. Das
beinhaltete auch die vollständige Integration und Umwandlung der Sowjetischen
Besatzungszone (SBZ) in einen eigenständigen sozialistischen Staat. Um
diesen Staat unter Kontrolle behalten zu können, war es notwendig, die
parteipolitische Strukturen so umzuwandeln, dass die SED als Statthalter Moskaus
ihren Führungsanspruch geltend machen und umsetzen konnte. Dazu diente
die Umformung zur "Partei neuen Typus".
Erste Forderung nach Umwandlungen der SED wurden bereits 1947 erhoben, um
gegen "ideologisch unzuverlässige" Mitglieder vorzugehen. Durch
die Zuspitzung der internationalen Lage wurde dieser Prozess ab Mitte 1948
forciert. Die 1. Parteikonferenz vom Januar 1949 verfasste auf diesem Weg
den ersten offiziellen Beschluss der Partei. Folgerichtig wurde diese Entschließung
mit einer deutschlandpolitischen Einschätzung eingeleitet, bevor unter
Punkt IV. "Die Entwicklung der SED zu einer Partei neuen Typus"
zur Sprache kam. Wilhelm Pieck, der zusammen mit Otto Grotewohl Vorsitzender
der SED war und später erster Staatspräsident der DDR wurde, hielt
auf der Konferenz das Schlusswort. [Dok 1360]
Mit dem Beschluss der Parteikonferenz wurde eine der wichtigsten Weichenstellungen
für die weitere Entwicklung der SBZ, der Gründung der späteren
DDR und der Spaltung Deutschlands gestellt. Die Umgestaltung zur "Partei
neuen Typus" war Teil der Stalinisierung der SED, es folgten umfangreiche
Parteisäuberungen und eine autoritäre Einparteienherrschaft.
Literaturhinweise aus dem Bestand des DRA Babelsberg
- Herbst, Andreas; Stephan, Gerd-Rüdiger; Winkler, Jürgen (Hrsg.):
Die SED. Geschichte - Organisation - Politik. Ein Handbuch. Berlin 1997
[DRA 7118]
- Hoffmann, Dierk; Wentker, Hermann (Hrsg.): Das letzte Jahr der SBZ. Politische
Weichenstellungen und Kontinuitäten im Prozeß der Gründung
der DDR. München 2000 [DRA 9084]
- Hurwitz, Harold: Die Stalinisierung der SED. Zum Verlust von Freiräumen
und sozialdemokratischer Identität in den Vorständen 1946-1949.
Opladen 1997 [DRA 7023]
- Klein, Thomas: "Für die Einheit und Reinheit der Partei".
Die innerparteilichen Kontrollorgane der SED in der Ära Ulbricht. Wien
u.a. 2002 [DRA 8980]
- Neues Deutschland [Jg. 1947-1949]
- Protokoll der Ersten Parteikonferenz der Sozialistischen Einheitspartei.
25 bis 28. Januar 1949 im Hause der Deutschen Wirtschaftskommission zu Berlin.
Berlin 1949 [DRA 7833]
Stand: Februar 2004