Dokument des Monats Mai 2004
Rundfunkwerbung der dreißiger Jahre von Elly Heuss-Knapp
Elly Heuss-Knapp, Frau des früheren dt. Bundespräsidenten und
Sozialpolitikerin
-
geboren am
25.01.1881 Straßburg
-
gestorben am
19.07.1952 Bonn
Elly Knapp,
ca. 1905
Familienarchiv Heuss, Basel
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurden der spätere Bundespräsident
Theodor Heuss und dessen Frau, Elly Heuss-Knapp, mit einem Berufsverbot für
alle politischen und publizistischen Tätigkeiten belegt. Während Theodor Heuss
sich ins Privatleben zurückzog und eine Reihe von Biographien verfasste, entdeckte
Elly Heuss-Knapp ihr ungewöhnliches Talent für Rundfunkwerbung. Ihr Aufstieg
in der Werbebranche begann mit der sehr erfolgreichen Werbung für Wybert-Halstabletten.
Die Wybert-Gaba Werke in Basel wurden von Hermann Geiger, einem Cousin Elly
Heuss-Knapp, geleitet, der die Neueinsteigerin förderte. Es gelang ihr, Werbespots
für namhafte Unternehmen und Marken wie Nivea, Kaffee Haag, Erdal u.a. zu
entwerfen. Sie entwickelte dabei "akustische Firmenzeichen", eine Art Erkennungsmelodien,
die zum Markenzeichen Ihrer sehr erfolgreichen Arbeit wurden.
Hörzitat 1
(0'58''): Wybert-Halstabletten ca. 1933
Hörzitat 2
(3'06''): Erdalmarsch ca. 1933
Hörzitat 3 (1'11''): Kaloderma ca. 1933
Mit dieser für die damalige Zeit völlig neuen Form der Ansprache
der Hörer, prägte sie die gesamte Werbebranche. Bevor Elly Heuss-Knapp
die Sprache und Intonation der Werbebotschaft mit Musik in Beziehung setzte,
war es im Hörfunk üblich, Inseratstexte von Sprechern verlesen
zu lassen.
Einige dieser Werbespots wurden vor kurzem dem Deutschen Rundfunkarchiv Wiesbaden
aus dem Nachlass Elly Heuss-Knapp zur Verfügung gestellt.
Nach Kriegsende zog sich Elly Heuss-Knapp nach und nach aus der Werbebranche
zurück, wurde Abgeordnete des württembergisch-badischen Landtages
und engagierte sich wieder verstärkt politisch und sozial.
Literatur:
Maatje, Christian:
Verkaufte Luft
Die Kommerzialisierung des Rundfunks, Hörfunkwerbung (1923 -1936)
Veröffentlichungen des Deutschen Rundfunkarchivs Bd. 32
Verlag für Berlin Brandenburg, Potsdam 2000
Stand: Mai 2004