Dokument des Monats September 2004
Die Abstimmungen über Grundgesetz und Verfassung der DDR
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Der Präsident des Parlamentarischen Rates, Konrad Adenauer,
beim Unterzeichnen des Grundgesetzes in Bonn am 23. Mai 1949
Hörzitat 1
(0'48''): Abstimmung über das Grundgesetz in
Bonn am 8. Mai 1949 |
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Konstituierende Sitzung der Provisorischen Volkskammer der DDR in
Ost-Berlin am 7. Oktober 1949
Hörzitat 2
(1'18''): Abstimmung über die Verfassung der
DDR in Ost-Berlin am 7. Oktober 1949 |
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Während der Potsdamer Konferenz, die am 17. Juli 1945 im Schloss Cecilienhof
eröffnet wurde, einigten sich die USA, Großbritannien und die Sowjetunion
darauf, dass in Deutschland der Nationalsozialismus und der Militarismus "ausgerottet"
und das politische Leben auf demokratischer Grundlage durchgreifend erneuert
werden sollten. Bald erwies sich aber, dass der Begriff "Demokratie" in Ost
und West eine völlig verschiedene Bedeutung besaß. Für Stalin,
die Sowjetische Militäradministration in Deutschland und die SED-Führung
galt nämlich Demokratie als kommunistisch geführte "Volksdemokratie".
Diese unterschiedliche Auffassung tritt bei den Abstimmungen
über das Grundgesetz und die Verfassung der DDR, die vor 55 Jahren am
8. Mai bzw. am 7. Oktober 1949 stattfanden und als Tondokumente überliefert
sind, besonders ans Licht. In der Aufnahme der Bonner Veranstaltung ist
zu hören, wie die Mitglieder des Parlamentarischen Rats vom SPD-Schriftführer
Jean Stock einzeln aufgerufen wurden und mit "Ja" oder "Nein" antworteten.
Das Grundgesetz, wie Konrad Adenauer am Ende feierlich mitteilte, wurde
mit 53:12 Stimmen angenommen. In der Aufnahme der Ost-Berliner Abstimmung
vernimmt man zuerst Stühlerücken und dann Stille: Vom Präsidenten der
Provisorischen Volkskammer, Johannes Dieckmann, gefragt, wer dem Gesetz
seine Zustimmung gebe, hatten sich alle Anwesenden gleichzeitig von ihren
Plätzen erhoben. Gegen das Gesetz war anschließend niemand.
Die Aufnahmen werden am Standort Wiesbaden bzw. am Standort Potsdam-Babelsberg
des Deutschen Rundfunkarchivs aufbewahrt. So wie sie ermöglichen viele
Tondokumente aus dem Gesamtbestand des DRA einen direkten Vergleich
zwischen bundesdeutscher und DDR-Geschichte.
Stand: September 2004