Dokument des Monats April 2005
Der "Schwur von Buchenwald"

Bild: Das Eingangstor des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald
Foto: DRA |
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Hörzitat
1 (1'07''): Buchenwald-Fanfare
Diese Fanfare wurde von dem ehemaligen Häftling Vlastimil Louda komponiert
und erstmalig am 20.4.1945 auf dem Appellplatz in Buchenwald gespielt
aus Anlass der Feier zur Ehrung der ermordeten Häftlinge.
Hörzitat 2 (2'01''): Schwur von
Buchenwald
Der Rundfunksprecher Horst Preusker spricht den Schwur von Buchenwald,
der erstmals am 19. April 1945 geleistet wurde.
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Am 19. April 1945, während der internationalen Trauerfeier für die Toten des
Konzentrationslagers Buchenwald und acht Tage nach der Befreiung des Lagers,
gaben sich die Überlebenden des Lagers ein Versprechen, das als "Schwur von
Buchenwald" in die Geschichte einging. Ehemalige Häftlinge der unterschiedlichsten
Nationalitäten waren sich in dem Ziel einig, Faschismus und Nationalsozialismus
zu bekämpfen und sich für die Verfolgung und Bestrafung der Täter sowie für
eine freie und friedliche Welt einzusetzen.
Im Konzentrationslager Buchenwald auf dem Ettersberg bei
Weimar waren zwischen Juli 1937 und April 1945 ca. 250 000 Menschen aus allen
europäischen Ländern inhaftiert, Schätzungen gehen von ca. 56 000 Toten aus.
Unter den Häftlingen befanden sich u.a. der in Buchenwald ermordete Funktionär
der KPD, Ernst Thälmann, die Schriftsteller Imre Kertész, Jorge Semprún oder
Bruno Apitz und der französische Politiker Léon Blum.
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Hörzitat
3 (1'37''): Befreiung
Der ehemalige Häftling und spätere stellvertretende Leiter
der Gedenkstätte Buchenwald Ottomar Rothmann schildert wie er die
Selbstbefreiung des Konzentrationslagers erlebte.
Bild: Wachturm und Zaun des ehemaligen
Konzentrationslagers Buchenwald
Foto: DRA / Wulf
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Der "Schwur" steht im engen Zusammenhang mit dem lagerinternen Widerstand
gegen die SS. Dieser wurde in erster Linie von Kommunisten und inhaftierten
Funktionären der KPD organisiert, die sich das von der SS verfolgte Prinzip
der Lagerselbstverwaltung zu Nutze machten. Die SS deligierte für das Leben
im Lager wichtige Aufgaben an sogenannte Funktionshäftlinge, die für die Einhaltung
der Lagerordnung und für die Organisation bestimmter Arbeiten verantwortlich
waren. In der zweiten Kriegshälfte waren nahezu alle wichtigen Posten in der
Lagerselbstverwaltung mit Kommunisten besetzt, was die Organisation des illegalen
Widerstands im Lager möglich machte. Unter diesen Voraussetzungen wurde 1942
ein illegales internationales Lagerkomitee gegründet, dessen Aufgabe neben
dem Schutz der kommunistischen Kader in der Vorbereitung des bewaffneten Aufstands
gegen die SS bestand. Dazu kam es jedoch aufgrund der Übermacht der SS erst
im Zusammenhang mit der Befreiung des Lagers durch die US-Armee am 11. April
1945. Der Aufstand wurde zu einem Zeitpunkt möglich, an dem die US-Armee schon
fast in Buchenwald eingetroffen und ein Großteil der SS-Führer aus dem Lager
geflüchtet war. Nach dem erfolgreichen Aufstand gegen die verbliebene SS übernahm
das Internationale Lagerkomitee die Ordnung und Verwaltung des Lagers.
Der "Schwur von Buchenwald" war für die Überlebenden des
Lagers und die kommunistischen Widerstandskämpfer ein Symbol für den Kampf
gegen den Faschismus. Auch heute wird er an Jahrestagen der Befreiung des
Konzentrationslagers Buchenwald verlesen und auf aktuelle politische Entwicklungen
bezogen. Der Widerstand im Lager und insbesondere die Rolle der kommunistischen
Funktionshäftlinge sind jedoch umstritten und werden kontrovers diskutiert.
In der DDR wurde der Widerstand in den Dienst der antifaschistischen staatlichen
Rhetorik gestellt und die Heldentaten der kommunistischen Widerstandskämpfer
wurden einseitig glorifiziert. Die sozialistische Geschichtsinterpretation
konzentrierte sich auf den antifaschistischen Kampf der Kommunisten in Buchenwald
und vernachlässigte z. B. das Schicksal der jüdischen Opfer, was auch seinen
Ausdruck bei der Errichtung der Gedenkstätte Buchenwald fand. In der Bundesrepublik
wurde der Anteil der KPD an der Befreiung des Lagers dagegen kaum thematisiert.
In der Debatte der letzten Jahre steht besonders die Frage im Mittelpunkt,
wie stark die Funktionshäftlinge mit der SS kooperiert haben und wie stark
sie dadurch selbst ein Teil der Gewaltherrschaft im Lager wurden.
Stand: April 2005