Dokument des Monats August 2005
Erster Spatenstich für den Berliner Fernsehturm
Am 5. August 1965 begannen die Bauarbeiten für den Berliner Fernsehturm.
Am Alexanderplatz im Zentrum Berlins sollte nach dem Willen der DDR-Führung
mit dem Fernsehturm ein modernes und für den sozialistischen Staat repräsentatives
Bauwerk entstehen. Bereits in den 1950er Jahren war in Berlin der Bau eines
Fernsehturms geplant. Ursprünglich sollte der Turm auf den Müggelbergen errichtet
werden. Dieser Plan musste jedoch verworfen werden, da der Turm an diesem
Standort eine Gefährdung für den Flugverkehr des Flughafens Berlin-Schönefeld
dargestellt hätte. Alternativ wurde auch der Friedrichshain als Standort diskutiert.

Bild: Hermann Henselmann, 1965
Screenshot: DRA (002763) |
Die Architektur geht wahrscheinlich auf einen künstlerischen Entwurf der
Architekten Hermann Henselmann (1905-1995) und Jörg Streitparth zurück. Henselmann
gehörte zu den einflussreichsten Architekten der DDR. Seit 1947 war er Mitglied
des Instituts für Bauwesen und seit 1951 gehörte er der Bauakademie an. Ab
1953 hatte er die Funktion des Chefarchitekten von Ost-Berlin inne. In den
darauffolgenden Jahren war er am Bau der Stalinallee beteiligt und entwarf
das Haus des Lehrers am Alexanderplatz sowie die Ostberliner Kongresshalle.
Im Rahmen der Bauentwürfe für den im Jahr 1961 beschlossenen Wiederaufbau
des Berliner Zentrums entstand die Idee Henselmanns für einen Fernsehturm.
Er äußerte sich im Rundfunk der DDR zu diesem Entwurf in einem Gespräch mit
Astrid Kuhlmey. Nach seinen Aussagen hatte er den Turm ursprünglich als Marx-Engels-Denkmal
geplant. Der Entwurf entstand bewusst mit einem Schwerpunkt auf rein künstlerischen
Kriterien und hatte keine Aussichten auf eine Realisierung. Allerdings war
die Kugel auf der Spitze des Turms bereits vorgesehen.
Die eigentliche Bauplanung fand im VEB Industrieprojektierung (Ipro) statt.
Die drei maßgeblichen Architekten waren Fritz Dieter, Günter Franke und Werner
Ahrend. In knapp vierjähriger Bauzeit wurde der Fernsehturm fertiggestellt
und am 3. Oktober 1969 in Betrieb genommen.
Es ist nicht zweifelsfrei festzustellen, auf wen die Idee zum Fernsehturm
wirklich zurückgeht. Lange galt Henselmann unumstritten als Architekt des
Berliner Fernsehturms. Nach der Wende entbrannte jedoch ein Streit um die
wahre Urheberschaft des Bauwerks. Neben den Äußerungen Henselmanns, in denen
er die Idee für den Turm für sich beansprucht, gibt es die Behauptung der
drei Architekten Dieter, Franke und Ahrend, die eigentlichen Urheber des Fernsehturms
zu sein. In der "Zeit" Nr. 42/1999 äußerte sich Dieter zu Henselmanns Ansprüchen
auf den ursprünglichen Entwurf: "Herr Franke und ich haben den Fernsehturm
allein geplant. Was auch immer diese SED-Genossen behaupten, entspricht nicht
der Wahrheit. Es zeugt von geradezu infantilen Vorstellungen über Entwurfsprozesse,
zu glauben, man hätte einfach mal so eine Idee wie diesen Fernsehturm. Wichtig
für unsere Planung waren technische Vorgaben des Postministeriums."
Weitere Architekten, die sich im Zusammenhang mit diesem Streit zu Wort gemeldet
und auf ihre Beteiligung an der Architektur des Fernsehturms (Bau des Sockelsegments)
aufmerksam gemacht haben, sind Heinz Aust, Rolf Heider und Walter Herzog.
Die Quellenlage erlaubt kein endgültiges Urteil, ob die künstlerische Idee
Henselmanns oder die bautechnischen Planungen von Dieter, Ahrend und Franke
als Ursprung des Fernsehturms gelten können. Wahrscheinlich ist aber, dass
bei der Entstehungsgeschichte klar zwischen dem bis auf die Kugel nicht realisierten
Entwurf Henselmanns und der eigentlichen Planung und Verwirklichung des Baus
durch Dieter, Ahrend und Franke im VEB Industrieprojektierung unterschieden
werden muss.
Hörzitat(1'32''): Hermann
Henselmann im Gespräch mit Astrid Kuhlmey über seine ursprüngliche Idee für
den Entwurf des Berliner Fernsehturms, am 6.6.1984

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Fernsehturm im Bau, 1967
Screenshot: DRA (095151) |
Fernsehturm, Bau der Kugel, 1967
Screenshot: DRA (095151) |
Stand: August 2005