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Dokument des Monats Juni 2005

Spur der Steine

Im Juni 1966, während den 8. Arbeiterfestspielen im Bezirk Potsdam, hatte der Film "Spur der Steine" in der DDR Premiere. Unter der Regie von Frank Beyer spielen in dem DEFA-Film u. a. Manfred Krug, Krystyna Stypulkowska und Eberhard Esche. Beyer hat den gleichnamigen Roman von Erik Neutsch verfilmt, der in der DDR ein Bestseller war und der auch Heiner Müller als Vorlage zu seinem Stück "Der Bau" diente.

Foto: Portrait von Frank Beyer
Bild: Frank Beyer
Foto: DRA / Winkler

Im Mittelpunkt der Handlung steht der von Manfred Krug gespielte Zimmermann Hannes Balla, der mit seiner Brigade auf einer Großbaustelle gerade deshalb erfolgreich arbeitet, weil er sich nicht strikt an die planwirtschaftlichen Vorgaben hält und Fehler der Bauleitung durch eigene Initiative auszugleichen versteht. Als der neue Parteisekretär Werner Horrath (Eberhard Esche) und die Ingenieurin Kati Klee (Krystyna Stypulkowska) auf der Baustelle auftauchen, entwickelt sich eine problematische Konstellation zwischen Balla, Horrath und der von beiden Männern geliebten Kati Klee. Für den verheirateten Parteisekretär Horrath spitzt sich die Situation zu, als Kati ein Kind von ihm erwartet und er aus Rücksicht auf die Partei nicht zu ihr und seiner Vaterschaft steht. Neben diesem Konflikt, der sich im Spannungsfeld zwischen privatem Glück und den Erwartungen der Partei an einen vorbildlichen Parteisekretär bewegt, thematisiert der Film aber auch Probleme der Planwirtschaft wie z. B. das Missmanagement der Bauleitung und zeigt die mit diesen Problemen überforderten Parteifunktionäre.

"Spur der Steine" wurde bei der Premiere vom Publikum begeistert aufgenommen. Die Darstellung des respektlosen und eigenwilligen Verhaltens des Brigadeführers Balla, des aus der Sicht der SED moralischen Fehlverhaltens des Parteisekretärs Horrath und der den Problemen nicht gewachsenen Parteifunktionäre führten zu Protesten der Partei gegen den Film. Zentral ist eine Szene, in der ein Volkspolizist von Ballas nackt badender Brigade in einen Teich geworfen wird. Das im Film vermeintlich verzerrt gezeichnete Bild der Partei und der Arbeiterklasse führte während der Premiere zu von der SED inszenierten Störaktionen. Nach der Premiere lief der Film nur für wenige Tage in den Kinos, bevor er verboten wurde. Für Frank Beyer bedeutete die Verbannung des Films aus den Kinos ein vorläufiges Ende seiner Filmarbeit. Er arbeitete für das Theater, bis er 1974 mit der für den Oscar nominierten Verfilmung des Romans "Jakob der Lügner" von Jurek Becker wieder mit einem Kinofilm erfolgreich war. "Spur der Steine" konnte in der DDR erst ab 1989 wieder aufgeführt werden und wurde mit großem Erfolg bei der Berlinale 1990 gezeigt.

Frank Beyer zum Verbot seines Spielfilms "Spur der Steine
Hörzitat (2'57''): Kahlschlag
Ausschnitt aus einer Diskussion in der Akademie der Künste (1991): "Kahlschlag – das 11. Plenum des ZK der SED 1965" (DRA)

Stand: Juni 2005

 

 

LETZTE ÄNDERUNG: 16.11.2006  | IMPRESSUM | nach oben