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Dokument des Monats November 2005

Wunschkinder - Die Pille in der DDR

 

Foto: Ein Streifen von Ovosiston, die Pille der DDR sowie Erläuterungsheft
Ovosiston - Die Pille der DDR (Foto: Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR, Eisenhüttenstadt)

Nachdem in der Bundesrepublik Deutschland 1961 ein Hormonpräparat zur Empfängnisverhütung eingeführt worden war, wurde im November 1965 mit der Bezeichnung "Ovosiston" die Pille in der DDR zugelassen, vom VEB Jenapharm produziert und auf der Leipziger Herbstmesse erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Während das Präparat in Westdeutschland als "Anti-Baby-Pille" bezeichnet wurde, entschied man sich im Sprachgebrauch der DDR für den Begriff "Wunschkindpille". Die unterschiedliche Begriffsbestimmung in den beiden deutschen Staaten resultierte aus gegensätzlichen Auffassungen zur Rolle der Frau in der Gesellschaft. Die Einführung der Anti-Baby-Pille löste in Westdeutschland heftige Diskussionen aus. Große Teile der Politik sahen die Frau nach wie vor in der Rolle als Hausfrau und Mutter.

In der DDR wurde die Wunschkindpille hingegen als eine Möglichkeit zur selbständigen Familienplanung betrachtet, um berufliche Verpflichtungen und Familienleben in Einklang zu bringen. Während die Geburtenrate nach Einführung der Anti-Baby-Pille in Westdeutschland stark zurückging, blieb der sog. Pillenknick in Ostdeutschland bis zur Wende aus. Der Staat stellte umfangreiche Betreuungsangebote zur Verfügung, um Mutterschaft und Berufsleben für Frauen vereinbar zu machen. Auf der Leipziger Messe 1965 wurde die Pille mit einer Goldmedaille ausgezeichnet und ab 1972 kostenlos abgegeben.

Foto: Prof. Dr. Karl-Heinz Mehlan
Prof. Dr. Karl-Heinz Mehlan (entnommen aus der Sendung des Deutschen Fernsehfunks: Frau im Sozialismus vom 23.12. 1971, IDNR 2742)

Maßgeblich verantwortlich für die Einführung der Wunschkindpille war der Wissenschaftler Prof. Dr. Karl-Heinz Mehlan. Mehlan wurde am 18.07.1916 im Spreewald geboren und wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Entgegen dem Wunsch seiner Familie studierte er Medizin an der Universität Breslau. Nach einer Zwischenstation als Kreisarzt habilitierte er 1951 an der Berliner Humboldt Universität und betrieb erstmals Forschungen zu den Bereichen Empfängnisverhütung und Legalisierung der Abtreibung. Nach seinem Wechsel an die Universität Rostock baute Mehlan dort ab 1955 das Institut für Sozialhygiene auf. 1960 plädierte er auf einer internationalen Konferenz in Rostock erstmals für die legale Abtreibung in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten, ein Vorstoß, der in vielen Ländern (1972 auch in der DDR) gesetzlich geregelt wurde.

Mehlan war außerdem am Aufbau von Beratungsstellen und dem Bau der ersten Kondomfabrik der DDR in Gotha beteiligt. Er verfasste zahlreiche wissenschaftliche Werke, sein Ratgeber "Wunschkinder" erlangte großen Erfolg. Trotz großer internationaler wissenschaftlicher Anerkennung konnte er sich mit seiner Idee, an den Schulen der DDR Kondomautomaten zu installieren, nicht gegen die Bildungsministerin Margot Honecker durchsetzen. Anlässlich seines 70. Geburtstages wurde ihm 1986 die Ehrendoktorwürde der Wilhelm-Pieck-Universität Rostock verliehen.

Mehlan verstarb am 09.10.2003 im Alter von 87 Jahren.

Hörzitat: (2'02''): Prof. Dr. Mehlan in "Der Nächste bitte"
Deutscher Fernsehfunk, 28.05.1968, IDNR 57329

Stand: November 2005

 

 

LETZTE ÄNDERUNG: 16.11.2006
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