Dokument des Monats Januar 2006
Der junge Mozart
Historische Rundfunk-Aufnahmen aus dem Berliner Musikinstrumenten-Museum
Dieser Eintrag findet sich im Taufregister der Dompfarre zu
Salzburg, das heute im
Erzbischöflichen
Konsistorialarchiv Salzburg aufbewahrt wird. Der lateinische Text besagt,
daß Johann Chrysostomus Wolfgang
Theophil, ehelicher Sohn des Hofmusikus Leopold Mozart und seiner Gattin Maria
Anna Pertlin, am 27. Januar 1756 um acht Uhr abends
geboren und tags darauf getauft worden ist. Berühmt geworden ist der Täufling
unter seinem dritten
und vierten Namen, wobei der letzte Name von seinem Träger latinisiert
worden ist: Wolfgang Amadeus
(griechisch: Theophilos, deutsch: Gottlieb).

Bild: Wolfgang Amadeus Mozart |
Wolfgang Amadeus Mozart gilt als Inbegriff des musikalischen Genies und steht für die "klassische Musik"
schlechthin. Wunderkind, verkanntes Genie, verarmter Künstler, ein früher und unerklärlicher Tod,
all diese Faktoren tragen in einem nicht unerheblichen Maße zum Mythos Mozart bei.
Im Januar 2006 jährt sich der Geburtstag des wohl bekanntesten und
beliebtesten Komponisten der Wiener Klassik zum 250. Mal. Das Deutsche Rundfunkarchiv
nimmt dieses Jubiläum
zum Anlaß, um historische Aufnahmen von zwei Kompositionen vorzustellen,
die auf einem Tafelklavier eingespielt worden sind, das lange Zeit als Mozarts
Reiseklavier betrachtet wurde.
Mozart unternahm in seinem kurzen Leben zahllose Reisen, die ihn quer durch
Europa zu den wichtigsten musikalischen Zentren seiner Zeit führten.
Vor allem während seiner Kindheit und Jugend war er rastlos unterwegs,
um sein Talent an den europäischen Fürstenhöfen unter Beweis
zu stellen, aber auch um die aktuellen musikalischen Strömungen vor
Ort kennenzulernen - später um eine Festanstellung als Hofmusiker zu
finden. Seine erste große Europareise unternahm Mozart 1763 bis 1767.
Sie führte ihn unter anderem nach München, Augsburg, Frankfurt, Köln,
Lüttich, Brüssel, Paris, London, Den Haag, Lyon, Zürich, Genf
und Lausanne. Zusammengerechnet war Mozart mehr als ein Viertel seines Lebens auf Reisen.
Um unterwegs nicht ohne Klavier auskommen zu müssen, hatte Mozart ein leicht zu transportierendes
Tasteninstrument im Gepäck. Erst vor kurzem erregte in Paris ein kleines Pianoforte Aufmerksamkeit,
das Mozart als Reiseklavier gedient haben soll. Das Instrument ist um 1786 von dem Augsburger Klavierbauer
Wirth gebaut worden. Daß es tatsächlich Mozart gehört hat, ist bisher noch nicht
erwiesen. Erwiesen ist hingegen, daß Mozarts Vater Leopold im Sommer 1763 auf besagter Europareise
während eines Zwischenstops in Augsburg bei dem angesehenen Klavierbauer Johann Andreas Stein ein
Reiseklavier erwarb, damit seine Kinder Wolfgang und Nannerl üben konnten.
Ein weiteres Tasteninstrument, das Mozart der Überlieferung des 19. Jahrhunderts
zufolge als Reiseklavier genutzt haben soll, befindet sich in der Sammlung des
Berliner Musikinstrumenten-Museums. Es handelt sich um ein Tafelklavier,
das um 1770 von Johann Matthäus Schmahl in Ulm gebaut wurde. Das in Form einer liegenden Harfe gefertigte Instrument
hat einen Tonumfang von viereinhalb Oktaven und drei Register, mit deren Hilfe der Klang modifiziert
werden kann. Es gilt inzwischen als sicher, daß Mozart nicht der Besitzer dieses Tafelklaviers
gewesen ist, dennoch kann das Instrument einen Eindruck davon geben, wie Mozarts Reiseklavier geklungen
haben mag.
Tafelklavier von Johann Matthäus Schmahl, Ulm, um 1770 (unsigniert)
Musikinstrumenten-Museum
des Staatlichen Instituts für Musikforschung, Preußischer Kulturbesitz, Berlin,
Kat.-Nr. 8 |
|
 |
Im August des Jahres 1936 war der Deutschlandsender der Reichs-Rundfunk-Gesellschaft
zu Gast im Institut für Deutsche Musikforschung, das damals in der
Klosterstraße in Berlin beheimatet war. Joachim Altemark spielte für
den Deutschlandsender auf historischen Klavieren der Berliner Instrumenten-Sammlung
ein kleines Programm ein, das mit
Der junge Mozart betitelt
wurde. Dieses Programm ist auf insgesamt vier einseitig bespielten Schellackplatten
überliefert. Auf dem Tafelklavier von Johann Matthäus Schmahl
spielte Altemark Kompositionen aus Mozarts sogenanntem Londoner Skizzenbuch,
das 1909 unter dem Titel
Mozart als achtjähriger Komponist
bei dem Verlag Breitkopf & Härtel in Leipzig erschienen war.
|
Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791)
Hörzitat 1 (0'55''):
Contredanse A-Dur mit Minore, KV 15l
Hörzitat 2 (1'52''):
Minuetto A-Dur, KV 15i, mit Minore, KV 15k
Joachim Altemark, Tafelklavier
Aufnahme: Deutschlandsender, 27. August 1936
Etikett der ersten von vier Schellackplatten mit dem Programm "Der junge Mozart"
|
|
|
Diese Kompositionen entstanden 1764 während Mozarts erster Europareise in
London. Mozart könnte sie auf dem Reiseklavier gespielt haben, das sein Vater ein Jahr zuvor
in Augsburg gekauft hatte. Wie diese kleinen Klavierwerke damals geklungen haben, davon können
die Aufnahmen des Deutschlandsenders nur einen ungefähren Eindruck geben. Die Fehler, die man
in den Aufnahmen allzu deutlich hören kann, sind weniger Joachim Altemark anzulasten. Sie
resultieren eher aus dem technischen Zustand des Instruments. Zum Zeitpunkt der Aufnahme war das
Tafelklavier von Johann Matthäus Schmahl bereits über 160 Jahre alt. Das Alter ist vor
allem an der Mechanik des Instruments nicht spurlos vorübergegangen. Man kann es durchaus als
ein kleines Wunder betrachten, daß es überhaupt noch spielbar war. Seinen filigranen,
fast zerbrechlich wirkenden Klang hat Mozarts angebliches Reiseklavier aber über die
Jahrhunderte bewahrt.
Jörg Wyrschowy (DRA)
Bildnachweis:
Stand: Januar 2006