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Dokument des Monats März 2006

Le Flonzaley - Quartettkunst aus der Schweiz


Le Flonzaley - dieser Name ist manchem Autofahrer in der Schweiz ein Begriff, denn so heißt einer der zahlreichen Tunnel der Schweizer Autobahn A9, die von Ballaigues über Vevey, Sion, Brig bis nach Gondo führt. Für Kammermusikfreunde steht Le Flonzaley hingegen für die hohe Kunst des Quartettspiels.

Im Jahre 1902 initiierte Edouard de Coppet, ein New Yorker Bankier schweizerischer Abstammung, die Gründung eines professionellen Streichquartetts für seine Privatkonzerte. In seinem Auftrag machte sich der Geiger Alfred Pochon auf die Suche nach geeigneten Ensemblemitgliedern. Die Suche war langwierig und dauerte fast ein ganzes Jahr. Im Sommer des Jahres 1903 konstituierte sich schließlich das Ensemble in de Coppets schweizerischer Sommerresidenz, der Villa du Flonzaley am Genfer See. Daher rührt auch der Name Flonzaley-Quartett. Die Gründungsmitglieder waren: Adolfo Betti (1. Violine), Alfred Pochon (2. Violine), Ugo Ara (Viola) und Iwan D'Archambeau (Violoncello). Alle vier Musiker wurden in Belgien ausgebildet, waren sowohl in spieltechnischer als auch in stilistischer Hinsicht der gleichen musikalischen Schule verpflichtet und konnten einen gewissen Erfahrungsschatz aus anderen Streichquartettformationen mitbringen. Das waren exzellente Voraussetzungen für die Entwicklung eines homogenen Ensembleklangs und eines einheitlichen Interpretationsansatzes.

Gruppenfoto: Flonzaley-Quartett
Das Flonzaley-Quartett in der seit 1925 bestehenden Besetzung mit Adolfo Betti (1. Violine), Alfred Pochon (2. Violine), Nicolas Moldavan (Viola) und Iwan D'Archambeau (Violoncello)

 

Der Wirkungsbereich des Flonzaley-Quartetts blieb nicht auf die Privatkonzerte von Edouard de Coppet beschränkt. Schon 1904 begab sich das Ensemble auf Europa-Tournee. 1905 trat das Quartett erstmals in den USA auf. Innerhalb kurzer Zeit genoß das Flonzaley-Quartett in der Alten wie in der Neuen Welt höchstes Ansehen. Das Ensemble bestand über 25 Jahre. Wechsel gab es nur am Pult der Bratsche. 1917 wurde Ugo Ara von Louis Bailly abgelöst, ihm folgte im Jahre 1924 Félicien D'Archambeau, der Bruder des Cellisten Iwan D'Archambeau. Ab 1925 spielte Nicolas Moldavan die Viola. Im Jahre 1928 gab das Flonzaley-Quartett sein letztes Konzert in Europa, im folgenden Jahr löste sich das Ensemble endgültig auf.

Das Repertoire des Flonzaley-Quartetts war breit gefächert. Neben den klassisch-romantischen Standardwerken nahmen die Musiker Arrangements von Spirituals und Unterhaltender Musik mit in ihre Programme auf. Das Quartett setzte sich aber auch für die Neue Musik ein. Ernest Bloch, George Enescu und Igor Strawinsky dachten dem Ensemble Streichquartettkompositionen zu. Das große Renommee des Ensembles spiegeln auch die zahlreichen Plattenaufnahmen wider, die das Flonzaley-Quartett für die Label Victor und His Master's Voice gemacht hat. Sogar aus der Ära der sogenannten "akustischen Aufnahme" (Aufnahmeverfahren mit einem Schalltrichter), in der es nur schwer möglich war, Streicherklänge einigermaßen gut festzuhalten, liegen Aufnahmen des Flonzaley-Quartetts vor.

Für das Label His Master's Voice nahm das Flonzaley-Quartett im Jahre 1928 Schuberts großes G-Dur-Quartett D 887 auf. Die Aufnahme verteilt sich auf sieben Seiten eines vier Schellackplatten umfassenden Sets. Auf der Rückseite der vierten Platte, also auf der achten Seite, findet sich - gewissermaßen als Zugabe - die Canzonetta aus dem Streichquartett Es-Dur op. 12 von Felix Mendelssohn Bartholdy.


Hörzitate:

Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847)


Hörzitat (3'11): Canzonetta
aus: Quartett Es-Dur op. 12 für zwei Violinen, Viola und Violoncello

Flonzaley-Quartett:
Adolfo Betti (Violione)
Alfred Pochon (Violine)
Nicolas Moldavan (Viola)
Iwan D'Archambeau (Violoncello)

Aufnahmejahr: 1928
His Master's Voice D.B. 1376
Katalognummer: 2-08032
Matrizennummer: A 49402

  RRG-Etikett

 

Die Interpretation besticht durch absolute Homogenität der Artikulation, schlanke Tongebung und subtile musikalische Gestaltung dieses eleganten "Elfenscherzo". Die Canzonetta des Es-Dur-Quartetts aus dem Jahre 1829 steht einer Reihe früherer Kompositionen nahe, zu denen der junge Mendelssohn durch die Zauberwelt der Feen und Elfen in Shakespeares Sommernachtstraum und in Goethes Walpurgisnachtstraum inspiriert wurde.

Foto: Felix Mendelssohn Bartholdy
Bild: Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847)

 
Hier ist zunächst das berühmte Oktett Es-Dur op. 20 zu nennen, das Mendelssohn im Jahre 1825 für seinen Freund Eduard Rietz komponiert hat. Dem Scherzo des Oktetts liegen die Schlußzeilen des Walpurgisnachtstraums aus Goethes Faust als programmatische Idee zugrunde: "Wolkenzug und Nebelflor / Erhellen sich von oben. / Luft im Laub und Wind im Rohr, / Und alles ist zerstoben." Mendelssohns Schwester Fanny notierte hierzu in ihr Tagebuch: " [...] alles ist neu, fremd und doch so ansprechend, so befreundet, man fühlt sich so nahe der Geisterwelt, so leicht in die Lüfte gehoben, ja man möchte selbst einen Besenstiel zur Hand nehmen, der luftigen Schar besser zu folgen." Mit dem Walpurgisnachtstraum, den Goethe alternativ mit Oberons und Titanias Hochzeit betitelte, widmete sich Mendelssohn einer Thematik, die er ein Jahr später in der Ouvertüre zu Shakespeares Sommernachtstraum wieder aufgriff.

Daß auch die Canzonetta des Es-Dur-Quartetts einen ähnlichen außermusikalischen Bezug hat, ist nicht erwiesen. Der Charakter dieses Satzes ähnelt dem des Scherzos aus dem Oktett op. 20, und daher könnte man es vielleicht vermuten. Auf jeden Fall stellt das Flonzaley-Quartett die luftig-geheimnisvolle Stimmung der Canzonetta so überzeugend dar, daß man sich in der Tat "leicht in die Lüfte gehoben" fühlt.


Jörg Wyrschowy (DRA)



Bildnachweis:


Zitate:
Fanny Mendelssohns Tagebuch, zitiert nach Wulf Konold: Felix Mendelssohn Bartholdy und seine Zeit, Regensburg 1984, S. 20 "Walpurgisnachtstraum" aus "Faust" in: Johann Wolfgang von Goethe - Werke, herausgegeben von Herbert Reinoß und Wolfdietrich Rasch, Gütersloh 1982, Band 2, S. 673

Stand: März 2006

 

 

LETZTE ÄNDERUNG: 16.11.2006
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