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Dokument des Monats September 2006

Liebe, Tod und Eifersucht

Aufnahmen mit der 1910 ermordeten Sängerin Anna Sutter als "Carmen"

Stuttgart, am Morgen des 29. Juni 1910: ein distinguiert aussehender Herr mittleren Alters verläßt seine Wohnung in der Eugenstraße 7. Er ist bewaffnet mit zwei Mehrladepistolen des in Privatkreisen beliebten Typs "Browning". Sein Weg führt ihn zu seiner ungetreuen Geliebten in die Schubartstraße 8. Er verschafft sich gewaltsam Zutritt zur Wohnung, stürmt zunächst in den Salon, dann ins angrenzende Schlafzimmer. Es gibt einen kurzen, aber heftigen Wortwechsel. Dann fallen Schüsse – das bühnenreife Ende einer tragischen Beziehung: mit zwei Schüssen ermordet der enttäuschte Liebhaber seine Freundin, anschließend richtet er sich selbst.

Die Protagonisten des Eifersuchtsdramas sind in Stuttgart keine Unbekannten: der Hofkapellmeister Aloys Obrist und die Operndiva Anna Sutter, die vor allem durch ihre Verkörperung der "Carmen" in Bizets gleichnamiger Oper berühmt geworden ist.

Foto: Anna Sutter als Carmen, 1905
Autogrammkarte von Anna Sutter
(als Carmen 1905)

Zwischen dem Schicksal der Sängerin Anna Sutter und dem der Bühnenfigur Carmen gibt es frappierende Parallelen. Beide Frauen üben auf Männer eine große erotische Anziehungskraft aus, beide Frauen führen ein eigenbestimmtes Leben jenseits der bürgerlichen Moral, und beide Frauen besitzen einen ausgeprägten Freiheitswillen, der keinerlei Besitzansprüche zuläßt. Anna Sutter und Carmen lassen ihre Verehrer fallen, wenn sie zu anhänglich werden, und sie sterben durch die Hand ihrer verstoßenen Liebhaber, die es nicht verkraften können, daß ihre Liebe nicht kompromißlos erwidert wird.

Mit dem Namen Anna Sutter verbindet man heutzutage recht einseitig ihr skandalumwittertes Leben und ihren gewaltsamen Tod. Ihre außergewöhnlichen künstlerischen Fähigkeiten sind darüber ein wenig aus dem Blickfeld geraten. Zeitgenossen lobten nicht nur ihre großen sängerischen Qualitäten, sondern auch ihr darstellerisches Talent, ihre tänzerische Begabung und ihr beeindruckendes Charisma. Sie beherrschte ein weitgespanntes Repertoire, das sich über verschiedene Stimmfächer erstreckte. Sie war vor allem als Soubrette bekannt, so zum Beispiel in der Rolle der "Marie" in Lortzings "Waffenschmied", als "Ännchen" in Webers "Freischütz" und als "Marzeline" in Beethovens "Fidelio". Sie übernahm auch Operettenpartien wie die "Adele" in der "Fledermaus" von Johann Strauß und die "Hanna Glawari" in Lehárs "Lustiger Witwe". Ihre größten Erfolge feierte sie aber im dramatischen Fach: 1899 als "Carmen" – übrigens unter der musikalischen Leitung von Aloys Obrist – und 1906 als "Salome" in der gleichnamigen Oper von Richard Strauss. In dieser Rolle beeindruckte Anna Sutter das Publikum vor allem mit dem "Tanz der sieben Schleier", den sie selbst tanzte und sich nicht – wie sonst üblich – von einer professionellen Tänzerin doubeln ließ.

Geboren wurde Anna Sutter am 26. November 1871 im schweizerischen Wil im Kanton St. Gallen. Sie studierte zunächst Klavier in Bern und dann Gesang in München. Ihr erstes Engagement hatte sie 1891 am Münchner Volkstheater. Ein Jahr später ging sie an das Stadttheater Augsburg. Ein Gastspiel führte sie 1893 nach Stuttgart, wo sie vom Fleck weg an das Königliche Hoftheater engagiert wurde. Dort avancierte sie schnell zum vielumjubelten Opernstar. 1906 wurde ihr der Titel einer Kammersängerin verliehen. Die Stuttgarter blieben ihrem "Sutterle" trotz ihrer zahlreichen Liebesaffären und des zusätzlichen Makels zweier unehelicher Kinder von unterschiedlichen Vätern immer gewogen. Die besondere Treue ihres Publikums zeigte sich schließlich auch nach der Bluttat vom 29. Juni 1910, als Tausende der ermordeten Sängerin das letzte Geleit gaben. Begraben ist Anna Sutter auf dem Pragfriedhof zu Stuttgart.

Anna Sutter hat 1908/09 einige Schallplattenaufnahmen eingespielt, unter anderem die Tarantella aus der Operette "Gasparone" von Karl Millöcker und den Parla-Walzer von Luigi Arditi. Selbstverständlich war sie auch in ihrer Paraderolle als "Carmen" auf Platte zu hören.

Carmen von Georges Bizet (1838-1875):

Hörzitat 1: (2'43"): "Ja, die Liebe hat bunte Flügel" (Habanera der Carmen)
Anna Sutter, Sopran
Ein Blasorchester
Leitung: Bruno Seidler-Winkler
Aufnahmejahr: 1908
Schallplatte Grammophon 2-43186
Matrizennummer: 5175 r

Hörzitat 2: (2'24"): "Draußen am Wall von Sevilla" (Seguidilla der Carmen)
Anna Sutter, Sopran
Ein Blasorchester
Leitung: Bruno Seidler-Winkler
Aufnahmejahr:1908
Schallplatte Grammophon 2-43187
Matrizennummer: 5176 r

Die Einspielungen stammen aus der Ära der sogenannten akustischen Aufnahme, bei der ein Schalltrichter als Aufzeichnungsgerät diente. Akustische Aufnahmen weisen ein stark begrenztes Frequenzspektrum auf. Vor allem Streicherklänge lassen sich mit dem akustischen Aufnahmeverfahren kaum adäquat aufzeichnen. Darum ist in den vorliegenden Aufnahmen kein normales Opernorchester mit großer Streicherbesetzung zu hören, sondern ein reines Bläserensemble. Die beiden Einspielungen geben trotz der eingeschränkten Aufnahmequalität einen guten Eindruck von Anna Sutters Stimme. Sie hat einen hell timbrierten Sopran und besticht durch eine schlanke Tongebung ohne übertriebenes Vibrato.

Jörg Wyrschowy (DRA)


Bildnachweis:


"Carmen - letzter Akt. Die Künstlertragödie Sutter - Obrist von 1910 und die Stuttgarter Oper um 1900". Begleitband und Katalog zur Ausstellung des Staatsarchivs Ludwigsburg und des Stadtarchivs Stuttgart. Bearbeitet von Georg Günther mit einem Beitrag von Michael Seil. Ludwigsburg 2001.

Stand: 15.8.2006

 

 

LETZTE ÄNDERUNG: 16.11.2006
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