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Dokument des Monats März 2007

"Anleitung auff allerhand Arth einen Choral durchzuführen"

Choräle aus Bachs "Orgelbüchlein" in historischen Rundfunkaufnahmen
mit Gerard Bunk

 
Autographe Titelseite von Johann Sebastian Bachs Orgelbüchlein
Autographe Titelseite von Johann Sebastian Bachs "Orgelbüchlein" (zwischen 1717 und 1723 eingefügt)
 

Orgel-Büchlein. Worinne einem anfahenden Organisten Anleitung gegeben wird, auff allerhand Arth einen Choral durchzuführen, anbey auch sich im Pedalstudio zu habilitiren, indem in solchen darinne befindlichen Choralen das Pedal gantz obligat tractiret wird. Dem Höchsten Gott allein zu Ehren, Dem Nechsten, draus sich zu belehren, überschrieb Johann Sebastian Bach nachträglich seine erste geschlossene Sammlung von Orgelchorälen. Das Orgelbüchlein war sowohl für den liturgischen Gebrauch als auch für den Orgel- und Kompositionsunterricht bestimmt. Alle Choräle dieser Sammlung hat Bach einem einheitlichen kompositorischen Prinzip unterworfen, das sich durch folgende Merkmale beschreiben läßt: einstrophischer Choralvortrag in Diskantlage ohne Zwischenspiele, vierstimmiger Satz mit obligatem Pedal und eine streng motivgeprägte, kontrapunktische Organisation der Gegenstimmen.

Das Autograph des Orgelbüchleins zeigt, daß der Umfang der einzelnen Kompositionen schon im Vorfeld genau festgelegt war. Bach hat das Konvolut gegen Ende des Jahres 1713 für die Aufnahme von 164 Choralbearbeitungen eingerichtet, d.h. er hat das Papier mit Systemen rastriert und alle geplanten Titel in der Reihenfolge des Kirchengesangbuchs eingetragen, wobei er je nach Länge der Choralmelodie ein bis zwei Seiten pro Choral vorsah.

Ölgemälde: Johann Sebastian Bach mit Rätselkanon
Johann Sebastian Bach mit Rätselkanon
Ölgemälde von Elias Gottlob Haußmann, 1746
 

Um das Jahr 1717 hat Bach sein Kompositionsprojekt abgebrochen. Zu diesem Zeitpunkt waren nur 43 Titel ausgearbeitet – über 100 der geplanten Choralsätze blieben unrealisiert, vielleicht weil die kompositorischen Möglichkeiten des sogenannten "kleinen Orgelchorals" mit den bestehenden Ausführungen ausgereizt waren. In seiner Zeit als Leipziger Thomaskantor – um 1740 – hat Bach noch 3 Choräle nachgetragen, so daß sich die Zahl der Orgelbüchlein-Choräle auf insgesamt 46 Sätze mit den BWV-Nummern 599-644 beläuft. Die Choräle des Orgelbüchleins erfreuen von jeher bei den Organisten großer Beliebtheit. Das manifestiert sich auch in zahlreichen Rundfunkproduktionen und Einspielungen der Schallplattenindustrie. Am 4. April 1931 war die Westdeutsche Rundfunk AG zu Gast in der Reinoldi-Kirche zu Dortmund, um Aufnahmen von der dortigen Walcker-Orgel zu machen. Der Reinoldi-Kantor und -Organist Gerard Bunk spielte zusammen mit dem Geiger Walter Beyer und dem Bariton Ewald Kaldeweiher eine Violinsonate von Georg Friedrich Händel und zwei geistliche Lieder von Ludwig van Beethoven ein. Für seine solistischen Beiträge zur Aufnahmesitzung wählte Bunk Choräle aus Bachs Orgelbüchlein aus.

Foto: Walcker-Orgel von 1908/09 in der Reinoldi-Kirche zu Dortmund
Walcker-Orgel von 1908/09 in der Reinoldi-Kirche zu Dortmund *

Die Klang- und Formenwelt der Bach'schen Sätze ließ sich auf der Reinoldi-Orgel besonders gut darstellen, da das Instrument weitgehend klassischen Orgelbauprinzipien folgte. Mit dem Bau der Reinoldi-Orgel vollzog man damals eine bewußte Abkehr von der spätromantischen, grundstimmigen "Fabrikorgel" des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Oscar Walcker errichtete das Instrument in den Jahren 1908/09 nach den Idealen der Elsässisch-Neudeutschen Orgelreform, deren prominenteste Vertreter Albert Schweitzer, Emile Rupp und Franz Xaver Matthias waren. Gerard Bunk stand mit Albert Schweitzer und Emile Rupp, der die Disposition der Reinoldi-Orgel mitentwarf, in persönlichem Kontakt.

Als Bunk 1925 Organist an der Reinoldi-Kirche wurde, verfügte er über eines der größten und bedeutendsten Instrumente der "elsässischen Reformbewegung". Leider ist die Reinoldi-Orgel den Bombenangriffen des Zweiten Weltkriegs zum Opfer gefallen. Die Aufnahmen der Orgelbüchlein-Choräle vom 4. April 1931 zählen zu den wenigen klanglichen Zeugnissen, die von der Reinoldi-Orgel überliefert sind. Im Jahre 2006 hat die Gerard-Bunk-Gesellschaft diese wertvollen Aufnahmen dem Deutschen Rundfunkarchiv dankenswerterweise zur Verfügung gestellt:
 

Hörzitate:

Johann Sebastian Bach (1685-1750):

Hörzitat 1 (1'30''): Liebster Jesu, wir sind hier, BWV 633

Hörzitat 2 (2'12''): Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ, BWV 639

aus: Orgelbüchlein, BWV 599-644
Gerard Bunk an der Walcker-Orgel der Reinoldi-Kirche zu Dortmund
Aufnahme: Westdeutsche Rundfunk AG
Aufnahmedatum: 4. April 1931
Matrize: Kln 445
 

Gerard Bunk an der Walcker-Orgel der Reinoldi-Kirche zu Dortmund

Gerard Bunk an der Walcker-Orgel der
Reinoldi-Kirche zu Dortmund während der Aufnahmesitzung am 4. April 1931 *

 

Gerard Bunk zählt zu den bedeutendsten Organisten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Er wurde am 4. März 1888 als Sohn des Musiklehrers Gerardus Cornelis Bunk in Rotterdam geboren. Gerard Bunk studierte Klavier in den Niederlanden, England und Deutschland. Das Orgelspiel erlernte er weitgehend autodidaktisch. Im Jahre 1904 erhielt er seine erste Organistenstelle. Bald darauf wurden zwei berühmte Organisten auf Bunk aufmerksam: Karl Straube und Max Reger. Auf Regers Vermittlung hin wurde Bunk 1910 Dozent am Dortmunder Konservatorium. Im Jahre 1925 erfolgte seine Berufung an die Reinoldi-Kirche. Auch als Pianist, Cembalist, Dirigent und Komponist machte sich Bunk einen Namen. Er starb am 13. September 1958 in Kamen.

 

(Jörg Wyrschowy)

 

* Bilder mit freundlicher Genehmigung von Dr. Jan Boecker (Gerard-Bunk-Gesellschaft e.V.)

Stand: 26.02.2007

 

 

LETZTE ÄNDERUNG: 28.02.2007
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