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Das besondere Dokument - 2008/3

Ein wichtiger Schritt zum Hörer

Das Plakat zum "Tag des Rundfunks" 1951 in Berlin


Die Verbundenheit mit den Hörern war für den Rundfunk in der SBZ/DDR neben der Parteilichkeit ein Postulat. Da unzufriedene Hörer einen Fehlschlag für das Prinzip Massenverbundenheit bedeuteten, mussten sich die Rundfunkverantwortlichen mit den Vorstellungen und Wünschen der Hörer auseinandersetzen. Um die Akzeptanz der Hörfunkprogramme beim Publikum zu erhöhen, bemühten sich die Rundfunkmitarbeiter daher, mit unterschiedlichen Formen und Methoden den direkten Kontakt zu den Hörern zu intensivieren und eine nach außen für alle sichtbare Massenverbundenheit zu demonstrieren. Eine Form dafür waren die "Tage des Rundfunks" (später des Rundfunks und des Fernsehens), "Tage der offenen Tür", an denen die Besucher "ihren" Rundfunk von "innen" kennen lernen und die Redaktionen besuchen konnten. Solche "Events" waren groß aufgezogene Massenveranstaltungen mit Volksfestcharakter und Hörfunksonderprogramm.

Plakat Tag des demokratischen Rundfunk
Gebrauchsgrafik/Werbeplakat, 1951:
Tag des Demokratischen Rundfunks
Entwurf: Toni Mau (?)
Werkstatt: VEB Graphische Werkstätten Leipzig
Format: DIN A0
Quelle: DRA

Das vorgestellte Plakat ist mit dem Namen "Mau" abgezeichnet. Dadurch lässt sich der Entwurf mit großer Wahrscheinlichkeit der in den fünfziger Jahren bekannten Berliner Grafikerin Toni Florence Mau (1917-1981) zuschreiben, in deren Grafik bis etwa zur Mitte der fünfziger Jahre die menschliche Figur eine beherrschende Stellung einnimmt, mit großzügigen, kräftigen Formen und betonter Konturen- und Linienzeichnung. Das Plakat wurde von den Graphischen Werkstätten Leipzig hergestellt und ist im Deutschen Rundfunkarchiv lediglich als fotografische Reproduktion vorhanden. Von der Bildredaktion "Der Rundfunk" war es nach dem Posteingang (deutlich zu sehen sind die durch das Zusammenfalten entstandenen Knicke) für die Programmzeitschrift abfotografiert und in Heft 40/1951 der Berliner Ausgabe abgedruckt worden.

Im Mittelpunkt der Grafik steht ein kleiner Junge, der von seinem Vater zu einem Rundfunkmikrofon emporgehoben wird. Vater und Sohn stehen deutlich erhöht von der um sie gescharten Personengruppe. Die Fahnengruppe und die grob skizzierten Menschen im Hintergrund vermitteln den feierlichen Charakter des Festes und das geschäftige Treiben auf dem Veranstaltungsgelände. In der traditionellen Symbolik ist das Kind die Verkörperung des Potenziellen, es steht für die Möglichkeit der Zukunft, für Einfachheit und Unschuld. Das Kind bzw. der Sohn symbolisiert auch eine höhere Transformation des einfachen Individuums.1 Keine der Figuren ist frontal auf den Bildbetrachter gerichtet, und dennoch besteht kein Zweifel daran, dass der Junge der "Held" des Bildes ist.2 Der Bildsinn liegt in der Gestik des Kindes. Seine Position ist genau in der Mittelachse des Bildes, mit Blickrichtung nach links. Vom Betrachter kann dies intuitiv als Blick nach Westen interpretiert werden. Sein rechter Arm ist nach vorne ausgestreckt, mit seinem Zeigefinger weist der Junge nach links, bildtechnisch gesehen also nach Westen. In seiner erhobenen linken Hand hält er ein schwarz-rot-goldenes Fähnchen.3 Die Mimik des Jungen erlaubt die Annahme, dass er seine Botschaft nicht nur an die um ihn versammelten Zuhörer richten möchte, sondern via Medium Rundfunk auch an den Westen. Keine unberechtigte Vermutung dürfte es zudem sein, dass die Künstlerin mit der Gestik und Mimik des Kindes den Slogan "Für Frieden und Einheit" unterstreichen und einen Appell an den Westen richten wollte, unter allen Umständen den Frieden zu wahren und für die Einheit Deutschlands einzutreten. Der Figur des Vaters fällt in dem Bild lediglich eine Statistenrolle zu. Er tritt deutlich hinter dem Kind zurück, seine einzige Aufgabe ist es, den Jungen nahe an das Mikrofon heranzubringen, aber auch ihn sichtbar über die Menge emporzuheben. Die Mienen der zusammengekommenen Passanten sind nicht eigentlich ausgeprägt. Freundlich und aufmerksam blicken sie zu dem Kind empor, stärkere Gefühle verraten sie nicht.

Damals wie heute gehört das Plakat, neben Film, Funk und Fernsehen, zu den wichtigsten Werbemitteln. Es übt für sich eine starke optische Wirkung aus. "Das Schicksal des Plakates ist es, schnell verbraucht zu werden. Es ist für den Tag gemacht und erscheint für nur kurze Zeit in Tausenden von Exemplaren, spricht und schreit die Passanten von allen Säulen und von allen Wänden herab an, beherrscht vorübergehend das Feld, drängt sich jedem unabwendbar auf und verschwindet nach Erfüllung seiner Aufgaben und sobald seine Zeit abgelaufen ist, um anderen Plakaten mit neuen Losungen, neuen Anpreisungen Platz zu machen."4 Plakate sind Kunstwerke in arteigener stilistischer Durchbildung und formaler Gestaltung. Ihre wesentliche, typische Besonderheit ist die Verbindung von Wort und Bild. Diese künstlerisch zu integrieren und dabei die werbepsychologischen Grundsätze zu berücksichtigen, das ist ein nicht immer leicht zu lösendes Problem der Plakatkunst. "Was ein Plakat zu sagen hat, muß es unter den Bedingungen des modernen städtischen Lebens schnell und präzise sagen. Mit einem Blick muß sein in Wort und Bild zum Ausdruck gebrachter Inhalt erfaßbar sein, in Blitzeseile muß es dem Betrachter seine Losung oder seinen Slogan ins Gesicht schleudern, muß es ihm seine Aussage in konzentrierter Form wie im Telegrammstil vor Augen führen (...) Um dem Betrachter den Werteinhalt möglichst tief ins Gedächtnis zu graben, muß das Plakat es auch verstehen, ihn zum Nachdenken, vielleicht sogar zum Stehenbleiben und zu genauerem Hinsehen zu veranlassen, damit sich der Betrachter mit den eventuellen Einzelheiten des Angebotes (...) vertraut machen kann."5

Anmerkungen

1 Vgl. J.C. Cooper, Illustriertes Lexikon der traditionellen Symbole, Leipzig 1986, S. 92-93.
2 Zu den Gestaltungselementen von DDR-Plakaten vgl. die Ausführungen von Ulrich Dovermann, in: Plakate der SBZ/DDR, hg. v. Gesamtdeutschen Institut, o.O., o.J., S. 32-44.
3 Die Bundesrepublik Deutschland und die DDR führten nach 1949 wieder die Farben Schwarz-Rot-Gold; die DDR seit dem 1.10.1959 in der Mitte mit dem Emblem Hammer und Zirkel, umgeben von einem Ährenkranz.
4 Hellmut Rademacher, Das deutsche Plakat. Von den Anfängen bis zur Gegenwart, o.O., 1965, S. 8.
5 Ebenda, S. 7.

 

(Jörg-Uwe Fischer)

 

Stand: 31.10.2008

 

 

LETZTE ÄNDERUNG: 03.11.2008
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