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Das besondere Dokument - 2009/1

Erica Schirmer

Nationalsozialistische Rundfunkpropaganda in den USA

Im Nationalsozialismus wurde das Massenmedium Rundfunk nicht nur im Inland als Propagandainstrument missbraucht, auch das Ausland sollte über das Medium Rundfunk im nationalsozialistischen Sinn indoktriniert werden.

Radiogerät Mende MS 216 WDK, Baujahr 1939
Radiogerät Mende MS 216 WDK, Baujahr 1939 aus der Gerätesammlung des DRM im DRA
Foto: DRA/Weber


Hier sollte ein MP3-Player als Flash-Objekt erscheinen.
Hörzitat 1 (1'03''): Erica Schirmer: Gespräch Anton Reithinger über die "Neuordnung Europas"
Aufnahme aus dem Jahr 1941
DRA F B004631041

 

Mit Kriegsausbruch im Jahr 1939 wurden die Fremdsprachendienste des deutschen Rundfunks erheblich ausgebaut. Erica Schirmer war eine der Journalisten, die in den frühen 1940er Jahren für deutsche Auslandssendungen in die USA tätig war. Schirmer war keine berühmte Persönlichkeit des NS-Rundfunks. Im Gegenteil, sie war eine einfache Journalistin, die auf Honorarbasis für den Rundfunk gearbeitet hat. Über ihre Biographie ist wenig bekannt. Doch ihre Arbeiten zeigen uns heute auf geradezu exemplarische Weise, wie im Zweiten Weltkrieg der Rundfunk instrumentalisiert wurde, um auch die öffentliche Meinung des Auslandes quasi "zielgruppengerecht" zu manipulieren. Die Propagandasendungen ins englischsprachige Ausland umfassten Nachrichten, Kommentare und Berichte und reichten bis zu Musik und Kabarett.

Die rundfunkjournalistische Tätigkeit von Erica Schirmer bestand darin, Interviews mit Personen des politischen, wissenschaftlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Lebens im nationalsozialistischen Deutschland zu führen. Ziel war, den Hörer in Übersee nach Ausbruch des Krieges von der Stabilität der sozialen, politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse in Deutschland zu überzeugen. Dem Hörer sollte suggeriert werden, dass Deutschland unbesiegbar und der Nationalsozialismus "der einzige und richtige Weg für die Menschheit" sei. Dabei wurde das Geschehen in Europa systematisch verharmlost und verschwiegen.

In einem Interview von Erica Schirmer mit Hermann Althaus, Reichsamtsleiter der NSDAP, werden beispielsweise die Aktivitäten der nationalsozialistischen Volkswohlfahrt und damit die Fürsorge der NSDAP für die deutsche Bevölkerung hervorgehoben. In einem anderen Gespräch, das Schirmer mit Karl Lange, dem Bevollmächtigten für die deutsche Maschinenproduktion, führte, wird betont, dass im Nationalsozialismus eine private Wirtschaftsführung herrsche, die lediglich einer staatlichen Lenkung unterliege. Auf diese Weise sollte der Hörer in den USA mit dem Alltag und den Wertevorstellungen in Deutschland vertraut gemacht werden und sich mit diesen verbunden fühlen. Schirmer setzte dies in ihrer Gesprächsführung um, indem sie Wirtschaft, Wissenschaft und Politik positiv darstellte und die Ähnlichkeit zu den in den USA bestehenden Verhältnissen betonte.

Im Deutschen Rundfunkarchiv sind insgesamt zwölf Tondokumente von und mit Erica Schirmer überliefert. Darunter sind Gespräche zu den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Bereichen, z.B. Landwirtschaft, Wirtschaft, Wissenschaft oder zum Verkehr in Osteuropa. Die Interviews wurden zum Teil zunächst auf Deutsch geführt und anschließend ins Englische übertragen.

Die Zuständigkeit des Auswärtigen Amtes

Erica Schirmer hatte wie alle Journalisten, die im Dienst des Auslandsrundfunks standen, ihre Interviews im direkten Auftrag der kulturpolitischen Abteilung des Auswärtigen Amtes geführt. Dass die Zuständigkeit für die Auslandspropaganda beim Auswärtigen Amt lag, war jedoch nicht unangefochten – ganz im Gegenteil.
Zunächst war Joseph Goebbels als Minister für Volksbildung und Propaganda auch für das Ausland zuständig.
Der damalige Außenminister Joachim von Ribbentrop beanspruchte allerdings ebenfalls die Zuständigkeit für die Auslandspropaganda, was zu einem erheblichen Kompetenzstreit zwischen den beiden Ministerien führte. Am 8. September 1939, gleich nach Ausbruch des Krieges, erteilte Hitler schließlich die Weisung, das Auswärtige Amt habe die Richtlinien für den Auslandsrundfunk festzulegen und das Propagandaministerium habe diese dann auszuführen. Daraufhin wurde im Auswärtigen Amt das Rundfunkreferat (Kult R) aufgebaut, das in der Kulturpolitischen Abteilung angesiedelt war.
In kürzester Zeit expandierte dieses neu gegründete Referat, so dass es im Juni 1940 bereits in 14 eigene Referate gegliedert war und die Bezeichnung Rundfunkstelle, später Rundfunkabteilung erhielt.
Trotz der Weisung Hitlers hielten die Rivalitäten zwischen dem Propaganda-Ministerium und dem Auswärtigen Amt an.
Am 22. Oktober 1941 kam es schließlich zu einem Arbeitsabkommen zwischen den beiden Ministerien, in dem sie sich verpflichteten, den Hitlerbefehl vom 8. September 1939 umzusetzen und kooperativ zusammenzuarbeiten. Dieses Abkommen begünstigte die Zusammenarbeit der beiden Ministerien, konnte aber das gegenseitige Misstrauen nicht vollkommen beheben.
Da dem Auswärtigen Amt die Richtlinien-Kompetenz für den Auslandsrundfunk zugeschrieben wurde, sind die Sendeunterlagen der Auslandspropaganda heute im Politischen Archiv des Auswärtigen Amtes überliefert. Auch von Erica Schirmer sind dort Sendemanuskripte und Korrespondenzen erhalten. Aus diesen geht hervor, dass Schirmer insgesamt 32 Interviews im Dienst der nationalsozialistischen Rundfunkpropaganda in die USA geführt hat.

 

Literaturhinweise

Ansgar Diller, Rundfunkpolitik im Dritten Reich, München 1980, Band 2, S. 179-184, S. 316-443..
Klaus Kipphan, Deutsche Propaganda in den Vereinigten Staaten. 1933-1941, Heidelberg 1971.
Klaus Scheel, Krieg über Ätherwellen, Berlin 1970.
Peter Longerich, Nationalsozialistische Propaganda, In: Bracher, Karl Dietrich u.a. (Hg.), Deutschland 1933-1945. Neue Studien zur nationalsozialistischen Herrschaft, Bundeszentrale für politische Bildung, 2. Aufl., Bonn 1993, S. 291-314.
Politisches Archiv, Auswärtiges Amt. Rundfunkpolitische Abteilung. Akten betreffend Referat IX: USA. Rundfunkpropaganda nach den USA. Band 3: Interviews von Dr. Erika Schirmer. Juni 1940-1941. (Sign. R67582)
Werner Schwipps, Wortschlacht im Äther. Der Deutsche Auslandsrundfunk im Zweiten Weltkrieg, Berlin 1971.

 

(Julia Weber)

 

Stand: 04.02.2009

 

 

LETZTE ÄNDERUNG: 08.08.2011
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