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Das besondere Dokument - 2009/3

Vom Carlos zum Wallenstein – Abkehr von den Idealen der Jugend

Arnold Zweig am 26. November 1959 zu Schillers 200. Geburtstag

Foto: Arnold Zweig
Arnold Zweig 10.11.1887 – 26.11.1968
Foto: Deutsches Historisches Museum, Berlin

Am 10. November 2009 jährt sich zum 250sten Mal der Geburtstag von Friedrich Schiller. Die literarische Welt feiert ihn mit Veranstaltungen und Sonderausstellungen. Mehr als zwei Jahrhunderte Schiller bedeuten auch mehr als zwei Jahrhunderte Schiller-Rezeption. Immer wieder haben  sich nicht zuletzt auch nachgeborene Autoren auf den "Klassiker" bezogen: zur Selbstvergewisserung, aber auch, um ihre Gegenwart an seinen Gedanken zu messen.

Vor 50 Jahren, am 26. November 1959, war es der Schriftsteller Arnold Zweig, der aus Anlass von Schillers 200. Geburtstag vor dem PEN und der Deutschen Akademie der Künste in Berlin in einem allen Anschein nach freien Vortrag die Gedenkrede auf Schiller hielt. Anders als Thomas Mann, der in seiner berühmten Schiller-Rede vier Jahre zuvor in Weimar wünschte, "dass er", Schiller, "der Herr seiner Krankheit, unserer Zeit zum Seelenarzt werden könnte, wenn sie sich nur auf ihn besänne", wollte Arnold Zweig sich – wie er formulierte – auf "private Bemerkungen" beschränken, "als Schriftsteller zu Schriftstellern über den Schriftsteller Schiller" sprechen. Das verwundert um so mehr, als man  Arnold Zweig gerade wegen seiner Romane mit gesellschaftskritischen Sujets kannte.
Es waren vor allem die Romane Der Streit um den Sergeanten Grischa von 1927 und Erziehung vor Verdun von 1935, die ihn bekannt gemacht hatten. Beides Teile des sechs Titel umfassenden Romanzyklus' Der große Krieg der Weißen Männer, in dem Zweig die Jahrhundertkatastrophe des Ersten Weltkrieges, an dem er selbst teilgenommen hatte, verarbeitet hat. Neben den Kriegserlebnissen waren sein Judentum und die Psychoanalyse Freuds, den er geradezu verehrt hat, Zweigs andere große Themen, mit denen er sich zeitlebens auseinander gesetzt hat. Einem breiteren Publikum bekannt wurde er durch die DEFA-Verfilmung seines 1947 auf Deutsch erschienen Romans Das Beil von Wandsbek. Die darin gezeigte Schilderung der Verhältnisse unter der NS-Diktatur wurde von nicht Wenigen auch als Kritik am DDR-Regime gesehen.

In Glogau 1887 geboren, studierte Zweig unter anderem in Breslau und zuletzt in Tübingen. Nach dem Krieg ließ er sich als Schriftsteller in Süddeutschland nieder, lebte dann in Berlin, wo er als Redakteur für die Jüdische Rundschau tätig war.
Von den Nationalsozialisten, die seine Bücher 1933 verbrannten, ins Exil getrieben, kehrte er von Palästina 1948 nach Deutschland-Ost zurück.  
Als er 1959 seine Rede auf Friedrich Schiller hielt, war er in der DDR lange anerkannt und hoch geehrt: Mitglied des Weltfriedensrates, Mitglied der Volkskammer, Nationalpreisträger Erster Klasse, Präsident und Ehrenpräsident der Akademie der Künste, Präsident des PEN, Träger des Internationalen Lenin-Friedenspreises, Ehrendoktor der Universität Leipzig und Professor an der Humboldt Universität. Nach Brechts Tod war Zweig neben Anna Seghers der herausragende Autor der DDR. Wie Brecht, Seghers und andere fand auch Zweig sein Grab auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin.

Arnold Zweig war aus dem Exil in den Osten Deutschlands zurückgekehrt, von Isoliertheit und Mittellosigkeit im Exil bedrängt zuerst vorläufig und wohl auch mangels alternativer Angebote. Aber am Ende ist er doch bis zu seinem Tod geblieben. Er war kein kritikloser Parteigänger der DDR und ihrer Kulturpolitik.  Letztlich jedoch noch jedes Mal konform, und sei es durch Schweigen. "Der Jude Arnold Zweig", schreibt nachsichtig sein Biograph Wilhelm von Sternburg, "blieb ein Heimatloser, der sein Leben lang von einem Vaterland träumte, das er nirgendwo fand."

Diese "schwebende" Haltung zeigt auch seine Schiller-Rede von 1959. Sie macht seine Sicht der Menschen und Dinge, den Humanismus, dem Zweig sich verpflichtet wusste, durchaus deutlich. Der Tenor seiner Ausführungen kann aber auch als Indiz für die Anpassungsbereitschaft des Redners, als Legitimierung der herrschenden politischen Zustände und seiner Stellung in ihnen wahrgenommen werden: Zweig beschreibt die Wandlung Schillers vom idealistischen Autor, dem Ehrenbürger der Französischen Revolution, der seine Stücke - "in tyrannos" steht als Motto über den Räubern - gegen die Tyrannen auf die Bühne stellt, zum Vertreter eines aufgeklärten Absolutismus', der in der Obrigkeit den Garanten der guten Ordnung erkennt. Er zeigt, wie Schiller im Zuge der Arbeit an seinem Don Carlos nach und nach seine Wertschätzung von seinen Figuren Carlos und Posa abzieht und dem König zuwendet. Wie er im Wallenstein schließlich an der Seite des Octavio Piccolomini steht, während seinem idealistisch gesonnen Sohn Max vom Autor her nur zugestanden wird, wirkungslos in den Tod zu gehen.
Im Abstand der Jahre drängt sich dem Hörer auf, dass hier einer, indem er über einen anderen spricht, sich selbst offenbart und zu rechtfertigen sucht - vor anderen und sich selbst.
So zeigt sich in der Rückschau das Bild eines Schriftstellers von tiefer Humanität und zugleich eines Apologeten der DDR-Diktatur. Und vielleicht lässt sich auf ihn selbst anwenden, was er gegen Ende seines Romans Erziehung vor Verdun über das Leben einer seiner Romanfiguren formuliert hat: "Die Wahrheit lag zwischen diesen beiden Polen, aber, wie ein Weiser verzeichnete, nicht in der Mitte."

Gemäldeporträt: Friedrich Schiller, 10.11.1759 – 9.5.1805
Friedrich Schiller, 10.11.1759 – 9.5.1805
Porträt: Ludovike Simanowiz

Arnold Zweigs Rede ist ein bemerkenswertes Dokument zu Person und Werk Friedrich Schillers. Zahlreiche weitere sind in den Beständen des Deutschen Rundfunkarchivs überliefert: Hörspiele und Fernsehinszenierungen, Essays, Features und Reportagen. Dazu Lesungen von Gedichten, Dramen und Briefen sowie eine Vielzahl von Schiller-Vertonungen. Es stehen Raritäten aus der Frühzeit der Schallaufzeichnung und des Rundfunks neben zum Beispiel literatur- und kulturgeschichtlich interessanten Zeugnissen aus der  Rundfunküberlieferung der DDR. Bekanntlich galt Schillers Werk dort lange als hervorragendes Beispiel deutscher Hochkultur, das als klassisches Erbe zum Allgemeingut einer sozialistischen Gesellschaft werden sollte, ehe auch hier überraschend aktuelle Sichten auf das Werk des vermeintlichen Klassikers sich auftaten.

Aus dem Widerhall in diesen Materialien wird deutlich, was Rüdiger Safranski in seinem biographischen Essay über diesen Autor geschrieben hat: "Schillers Werk gleicht einer furiosen Erdumrundung. Es war offenbar der Ehrgeiz des Dichters, zu einem globalen Autor, jedenfalls zu einem Autor der Globalität zu werden."

 

Hörzitat 1 (2'04''): Arnold Zweig, Auszug aus seiner Rede zu Schillers 200. Geburtstag, 26.11.1959
 

Hörzitat 2 (4'22''): Emil Stöhr liest im Rahmen der Rede Arnold Zweigs aus einer früheren Fassung von "Don Carlos", 2. Akt, 2. Auftritt
 

Hörzitat 3 (1'12''): Arnold Zweig, Auszug aus seiner Rede zu Schillers 200. Geburtstag, 26.11.1959
 

Die Hörzitate stammen aus:
Schiller und das deutsche Theater
Vortrag von Arnold Zweig anlässlich der Gedenkfeier des PEN-Zentrums und der Deutschen Akademie der Künste zum 200. Geburtstag Friedrich Schillers, dazwischen Lesungen aus Schillers "Widmung an den Fürsten Karl August Herzog zu Sachsen, Mannheim am 14. des Lenzmonats 1785", Lesung aus "Don Carlos", 13. Auftritt, Szene im Zimmer der Königin, Lesung aus "Don Carlos", zweiter Auftritt, Szene zwischen König Philipp, dem Herzog von Alba und Don Carlos, Lesung aus dem Briefwechsel zwischen Goethe und Schiller während der Arbeit am "Wallenstein".
Sprecher der Schiller-Texte: Emil Stöhr
Aufnahmedatum: 26.11.1959
Bestand Wort, DOK 1024/1/1


Weitere Hinweise auf Tondokumente

 

 

Literatur:

Safranski, Rüdiger: Friedrich Schiller oder Die Erfindung des Deutschen Idealismus, München und Wien 2004
Sternburg, Wilhelm von: "Um Deutschland geht es uns". Arnold Zweig. Die Biographie, Berlin 2004
Ders. (Hrg.): Arnold Zweig. Materialien zu Leben und Werk, Frankfurt/M. 1987

 

(Hans Peter Jäger)

 

Stand: 24.08.2009

 

 

LETZTE ÄNDERUNG: 23.05.2017
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