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Das besondere Dokument - 2010/2

Oskar Sala zum 100. Geburtstag

Im Musikleben des 20. Jahrhunderts stellt Oskar Sala, der am 18. Juli 1910 in Greiz / Thüringen geboren wurde, eine Ausnahmepersönlichkeit dar. Schon früh zeigte sich seine musikalische Begabung: Bereits in seinen Schülerjahren erlernte er das Klavier- und Orgelspiel bis zur Konzertreife.

Nach dem Abitur, 1929,  studierte Sala Komposition bei Paul Hindemith in Berlin. Bei einem Besuch der "Rundfunkversuchsstelle bei der Staatlichen akademischen Hochschule für Musik" lernte der angehende Komponist den Dozenten für Akustik Dr. Friedrich Trautwein kennen, eine Begegnung, die sein Berufsleben entscheidend beeinflussen sollte. Trautwein stellte den Studenten das von ihm entwickelte und später nach ihm benannte Trautonium vor, ein elektronisches Musikinstrument, mit dem man nicht nur herkömmliche Instrumente imitieren, sondern etwa auch Tierlaute, Vokale oder ganz synthetische Klänge produzieren konnte. Sala wurde Assistent Trautweins und beteiligte sich an der Weiterentwicklung des Trautoniums, zudem studierte er in den Jahren von 1932 bis 1936 Physik an der Berliner Universität.

Foto: Oskar Sala spielt auf dem Trautonium

Oskar Sala spielt auf dem Trautonium,
August 1938
Foto: DRA / Valentin Kubina

Als die Rundfunkversuchsstelle 1933 geschlossen wurde, fand Sala auf Vermittlung Trautweins Arbeit bei der Reichs-Rundfunkgesellschaft. Er erhielt zunächst den Auftrag, für den Rundfunk ein großes zweimanualiges Trautonium zu entwickeln, und auf diesem Instrument interpretierte er später eine Vielzahl von Werken, beispielsweise für die Sendung "Musik auf dem Trautonium". Es handelte sich dabei um eine Vielzahl von Bearbeitungen, etwa von Stücken Paganinis oder Busonis, das Oeuvre umfasste aber auch Originalkompositionen von Harald Genzmer. Genzmer war es auch, der ein Konzert für Trautonium und Orchester schrieb, welches 1939 von Oskar Sala auf einem neuentwickelten Instrument, dem transportablen Konzert-Trautonium, im Deutschlandsender uraufgeführt wurde. Bemerkenswert ist auch, dass dieses Konzert ein Jahr später auch von Sala und den Berliner Philharmonikern unter Carl Schuricht einem Konzertpublikum vorgestellt wurde.

Nach Krieg und Gefangenschaft setzte Sala zum einen die Arbeit an der Weiterentwicklung des Trautoniums fort und entwickelte das sogenannte Mixturtrautonium. Zum anderen verlagerte sich nach dem Kriege das Tätigkeitsfeld des Komponisten Sala, er begann zunehmend für den Film zu arbeiten. Sala richtete sich ein Tonstudio in Berlin-Charlottenburg ein, schrieb und spielte die Musik für über 300 Dokumentar- und Industriefilme, beschränkte sich aber nicht nur auf dieses Genre, sondern schuf Musik auch für  Spielfilme. Die bekanntesten Beispiele sind wohl Alfred Hichcocks "The Birds" (USA 1961), Bernhard Wickis "Die Brücke" (BRD 1959), oder auch die Filme "Der Fluch der gelben Schlange" (BRD 1962) und "Der Würger von Schloss Blackmoor" (BRD 1963) aus der deutschen Edgar Wallace-Reihe. Die Erschaffung eigener, absoluter Musik trat hinter seine Filmarbeit zurück. Aber es entstanden bemerkenswerte Werke, selbstverständlich für das Trautonium,  wie die "Elektronischen Impressionen 1-9" (1979), "Rede des toten Christus vom Weltgebäude herab, dass kein Gott sei" (1986) oder die "Fantasie-Suite in drei Sätzen für Mixturtrautonium solo" (1989). Da der Komponist auch der einzige Trautonium-Virtuose war, spielte er die Stücke auch ein.

Für seine Verdienste um die Filmmusik erhielt Oskar Sala zahlreiche Auszeichungen, darunter das Filmband in Gold 1987. Er verstarb am 27. Februar 2002 in Berlin im Alter von 91 Jahren.
 

Das Trautonium

Die Entstehung des Trautoniums – wie die Entwicklung der sogenannten elektronischen Musik allgemein - ist eng verbunden mit der Geschichte des Rundfunks. Dr. Friedrich Trautwein, der Konstrukteur des Prototyps, forschte an der "Rundfunkversuchsstelle", deren Aufgabe darin bestand, die Ausbildung von Studenten an die neu entstandenen technisch-medialen Möglichkeiten im Rundfunk anzupassen. Mit Blick auf die Produktion von Musik sollte ein "radiophones" Instrument geschaffen werden, das ein Mikrophon als "Zwischenmedium" nicht mehr benötigte.

Foto: Trautonium in Nahaufnahme

Trautonium in Nahaufnahme
Foto: DRA / Valentin Kubina

Technisch betrachtet, handelt es sich bei Trautweins Instrument um eine relativ schlichte Konstruktion: Die Schwingungserzeugung erfolgt durch einen einfachen Glimmlampen-Unterbrecher, gespielt wird es mit Hilfe eines Manuals, einer drahtumwickelten Saite, die horizontal über einer Metallplatte angebracht ist. Berührt die Saite die Platte, wird ein Stromkreis geschlossen. Dabei bestimmt die gewählte Drahtlänge durch ihren Widerstand die Frequenz, die Lautstärke wird über ein Pedal geregelt. Das Verfahren bot mehrere Vorteile: Einerseits konnten genau stimmende Klänge erzeugt werden, andererseits waren – etwa durch Gleiten eines Fingers auf der Saite - stufenlose Glissandi oder beliebige Teiltöne möglich, die obertonreiche Schwingungsform ermöglichte den Einsatz verschiedener Filter, mit denen man die Klangfarbe verändern konnte. Zudem konnte ein solches Instrument von einem geschickten Radiobastler ohne großen finanziellen Aufwand nachgebaut werden. Dieser frühe Typ des Instruments war einstimmig und hatte einen Tonumfang von zwei Oktaven.

In den darauffolgenden Jahren erfuhr das Instrument wesentliche Verbesserungen durch Oskar Sala. Um das Jahr 1935 entwickelte er in Zusammenarbeit mit Telefunken das sogenannte Rundfunktrautonium, das zwei Manuale und zwei Pedale besaß. Die Pedale dienten nicht nur zur Lautstärkeregulierung, mit einer Seitwärtsbewegung konnten die Manuale umgestimmt werden. Das Instrument war in der Lage, akkordartige Klänge zu erzeugen.

Weitere technische Verbesserungen, vor allem durch Flüssigkeitswiderstände, fanden sich in Salas Mixturtrautonium, das in den Jahren 1948-1952 entstand. Eine Besonderheit stellte aber vor allem die Klangerzeugung aus Tönen der Untertonreihe (Subharmonische) dar, die ganz neuartige Klangmixturen ermöglichten. Die Weiterentwicklung des Trautoniums wurde bis in die achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts vorangetrieben, als das Instrument mit Transistoren und mikroelektronischen Bauteilen versehen wurde.
 

Paul Hindemith und "des kleinen Elektromusikers Lieblinge" (1930)

Paul Hindemith begrüßte und förderte die Entwicklung des Trautoniums. Er hatte 1927 eine Kompostionsklasse an der Berliner Musikhochschule übernommen und pflegte mit seinen Studenten engen Kontakt zur Rundfunk-Versuchsstelle. Drei Eigenschaften des neuen, aber noch nicht ausgereiften Musikinstrumentes waren es, die dem Komponisten interessant erschienen. Es ermöglichte die Erzeugung von ganz neuen Klangfarben, erlaubte besondere Spieleffekte wie ein stufenloses Glissando und stellte in seiner frühen Version nicht allzu hohe Anforderungen an den Spieler. Wie schon erwähnt, konnte man auf diesem Instrument nur eine Stimme ausführen.

Hindemith komponierte die sieben Stücke für drei Trautonien, deren Originaltitel "Musik der Rundfunkversuchsstelle. Paul Hindemith 'des kleinen Elektromusikers Lieblinge'" lautet, für die Veranstaltungsreihe "Neue Musik Berlin 1930". Die Reihe war von der Rundfunkversuchsstelle organisiert worden. Die Uraufführung fand am 20. Juni 1930 im Konzertsaal der Hochschule für Musik statt. Ausführende waren Paul Hindemith, Oskar Sala und Rudolf Schmidt, Dozent für Klavier.

 
Hier sollte ein MP3-Player als Flash-Objekt erscheinen.

Hörzitat (3'27''): 2 Sätze aus "des kleinen Elektromusikers Lieblinge"
(Nachproduktion vom 30.11.1930); 4. Satz: Breit, 2. Satz: Langsam (Fernwerk)
Musik: Paul Hindemith
DRA F B003240854

 

Einen Kommentar über den inneren Zusammenhang der sieben kurzen Sätze zu schreiben, oder die musikalischen Motive und deren Entwicklung darzustellen, dürfte für ein Publikum aus der Wissenschaft vielleicht interessant sein, träfe aber nicht die Besonderheit dieser Komposition. Hindemith, der auf die Produktion von drei Trautonien insistiert hatte, schuf mit "des kleinen Elektromusikers Lieblinge" ein Werk, das genau auf die Möglichkeiten dieses Instruments ausgerichtet war. Jedes der Stücke besaß eine individuelle Klangfarbe, enthielt gleitende Klangfarbenwechsel, etwa "dunkel-hell" oder "scharf-weich". Der zweite Satz trägt die Überschrift "Fernwerk": man hatte bei der Uraufführung eine Lautsprechergruppe über dem Kronleuchter befestigt, so dass die Musik von oben erklang. Diese Welturaufführung markierte den Anfang einer Jahrzehnte währenden Erfolgsgeschichte: eines Instruments und seines Spielers.

 
(Andreas Rühl)

 

Stand: 20.07.2010

 

 

LETZTE ÄNDERUNG: 04.05.2011
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