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Das besondere Dokument - 2013/1

Die X. Weltfestspiele der Jugend und Studenten 1973 in Berlin im Rundfunk der DDR

"Die junge Welt ist in Berlin zu Gast" - Die Inszenierung der weltoffenen DDR im Spiegel des Rundfunks

Die Ausrichtung der Weltfestspiele 1973 durch die Deutsche Demokratische Republik bot eine einmalige Gelegenheit, eine eindrucksvolle Propagandaveranstaltung für den Sozialismus im eigenen Land medienwirksam zu inszenieren. Um eine größtmögliche Breitenwirkung zu erzielen, wurden Sendungen zum Festival prominent im Rundfunk und Fernsehen platziert. Viele Mitschnitte, Berichte und Reportagen aus den Festivaltagen im Juli und August 1973, die in diesem Zusammenhang entstanden, sind im Deutschen Rundfunkarchiv Babelsberg überliefert. Als "Besonderes Dokument" kann dabei insbesondere ein Hörfunkbestand mit der Archivnummer DOK188 hervorgehoben werden: Dieser setzt sich aus Tonbändern mit insgesamt 658 Veranstaltungsmitschnitten, Reportagen, Berichten und anderen Rundfunkdokumenten zusammen, die im Sommer 1973 während der Weltfestspiele entstanden. Darüber hinaus sind im DRA Babelsberg Weltfestspiel-Mitschnitte im Musikbestand des Bereichs Hörfunk überliefert: Neben Aufnahmen vom "Festival des politischen Liedes" während der Weltfestspiele finden sich in den Magazinen Mitschnitte von den National- und Kulturprogrammen der internationalen Delegationen der Weltfestspiele.

Foto: 10. Weltfestspiele der Jugend - Dieter Hunziger mit Kopfhörer und Mikrofon
Zehnte Weltfestspiele der Jugend. Dieter Hunziger (Reporter) (2.v.l.) mit Kopfhörer und Mikrofon. Berlin 1973
Foto: DRA/Hartmut Schorsch

Um möglichst viele Zuhörer in der DDR und im Ausland zu erreichen, wurde das Programm des DDR-Hörfunks stark auf die Festival-Berichterstattung konzentriert. So wurde vom 27. Juli bis zum 5. August im Berliner Rundfunk die "Festivalwelle rund um die Uhr" eingerichtet, die sich ausschließlich den Geschehnissen während der Weltfestspiele widmete: Neben einem 24-Stunden-Programm auf allen Frequenzen der Mittelwelle konnte ein Serviceprogramm in sechs Sprachen über UKW Berlin an den Rundfunkempfängern zu Hause empfangen werden. Als Hörfunksender, der auch für die deutschsprachigen Hörer außerhalb der DDR gedacht war, brachte "Stimme der DDR" ab dem 28. Juli die tägliche Sondersendung "X. Weltfestspiele" ins Programm. Doch nicht nur das eigene Programm musste bestritten werden: Der Rundfunk der DDR versorgte auch die Rundfunkanstalten der internationalen Gäste mit Programmen. Für 16 Länder wurden Überspiele zur Verfügung gestellt sowie Sendungen für ausländische Sender konzipiert, produziert und via Satellit übertragen. Technisch und logistisch bewerkstelligt wurde die Rundfunkberichterstattung unter anderem durch den Einsatz von insgesamt 34 Übertragungswagen, von denen zwei mit UKW-Sendern ausgestattet waren, ein eigenes Pressezentrum, welches sieben Studios beherbergte, sowie die Einrichtung von Sonderredaktionen und Sonderstudios wie dem mobilen Festivalstudio oder dem "Sonderstudio DT64", das während der Weltfestspieltage aus dem Festivalzentrum in Berlin-Mitte berichtete. Insgesamt waren täglich ca. 130 Festivalveranstaltungen Gegenstand der Hörfunkberichterstattung.

Die Dokumente unter der Archivnummer DOK188 sind in mehrfacher Hinsicht besonders: Zum einen sind die Beiträge und Reportagen von einer eindrucksvollen Unmittelbarkeit zum Festivalgeschehen gekennzeichnet, da sich die Berichterstatter mitten aus dem Weltfestspielpublikum heraus meldeten und dadurch in der Lage waren, viele Eindrücke, Geräusche, Stimmen und Atmosphären vom Treiben während des Festivals einzufangen. Zum anderen spiegeln die Inhalte der überlieferten Bestände die Vielfalt des Festivalprogramms wider. Neben Berichten vom Festivalleben – wie über die Unterbringung auswärtiger Festivalbesucher in Gastfamilien, oder über das Sammeln von Weltfestspielsouvenirs – standen die zahlreichen kulturellen Veranstaltungen der Weltfestspiele im Fokus der Berichterstattung. Diese Dokumente stellen in besonderer Weise die Inszenierung einer vermeintlichen Vielstimmigkeit und Weltoffenheit der DDR für das Rundfunkpublikum zur Schau. Herauszustellen sind zudem die zahlreichen politischen Veranstaltungen unter dieser Archivnummer. Die Mitschnitte und Berichte dokumentieren, wie sich die sozialistischen Machthaber der Akzeptanz der eigenen Politik durch die Jugend zu versichern und diese Zustimmung medienwirksam zu verbreiten versuchten. Ein besonderes Zeugnis sind dabei die Mitschnitte der täglich stattfindenden Solidaritätsmeetings, die unter Leitsprüchen wie "Solidarität mit den Völkern von Griechenland, Portugal und Spanien", "Solidarität mit dem palästinensischen Volk", aber auch "Solidarität mit der Jugend aus kapitalistischen Ländern" standen.

 
Diskussionen auf dem Alex
 

Politische Themen wurden nicht nur im Rahmen solcher offizieller Zusammenkünfte erörtert; öffentliche Plätze innerhalb Berlins dienten den an den Weltfestspielen teilnehmenden Jugendlichen als Orte des Zusammentreffens, des gemeinsamen Musizierens, aber eben auch als Plattform für politische Diskussionen. Vor allem der Alexanderplatz sollte sich im Verlauf des Festivals zu einem Ort angeregten Meinungsaustausches entwickeln.

Foto: FDJler und Weltfestspielgäste auf dem Alexanderplatz hören einem Sänger mit Gitarre zu
FDJler und Weltfestspielgäste auf dem Alexanderplatz hören einem Sänger mit Gitarre zu. Berlin 1973
Foto: DRA/Marianne Wittenbecher

Zahlreiche Reportagen und Berichte von diesem zentralen Treffpunkt und den dort stattfindenden Diskussionen sind in unserem "Besonderen Dokument" enthalten. Von der Staatsführung der DDR waren bereits frühzeitig Maßnahmen eingeleitet worden, um zumindest in einem gewissen Umfang Kontrolle über eine allzu freie Diskussionskultur und die zu erwartenden Auseinandersetzungen haben zu können. Demgemäß wurde im Ministerium für Staatssicherheit eine intensive Vorbereitung auf die anstehende Großveranstaltung angestrengt, während der daraufhin Mitarbeiter des MfS zum Teil getarnt als Angehörige der FDJ für eine umfangreiche Überwachung der Festivalaktivitäten Sorge trugen. Tatsächlich hatten Mitarbeiter des MfS bei Bedarf auch in Diskussionen einzugreifen, um Positionen der Staatsführung kenntnisreich darzulegen und eloquent zu verteidigen. Auch wenn für das folgende Tondokument nicht festgestellt werden kann, ob auch hier MfS-Mitarbeiter an der mitgeschnittenen Diskussionen beteiligt gewesen sind, wird an dieser Stelle dennoch deutlich: Die Diskussionsteilnehmer aus der DDR waren allesamt im Vorfeld umfangreich geschult worden, gerade vor dem Hintergrund des zu erwartenden Meinungsaustausches mit Mitgliedern von als problematisch geltenden Delegationen. Von einer solchen kann mit Sicherheit bezüglich der Gesandtschaft aus der BRD gesprochen werden. Häufig – so lässt der hohe Anteil dieser im Bestand DOK188 überlieferten Dokumente vermuten – kam es zu Diskussionen zwischen Bürgern der DDR sowie der BRD:

Hörzitat 1 (1'54"):
Ausschnitt aus einer Diskussion zwischen einem Jusomitglied aus der BRD und mehreren DDR-Bürgern auf dem Alexanderplatz am Rande der X. Weltfestspiele in Berlin

Die Rolle der Deutschen Kommunistischen Partei wird erörtert ebenso wie die negative Wirkung, die von anderen vermeintlich ebenfalls kommunistischen Gruppierungen in der BRD für diese Partei ausgeht
Aufnahmedatum: 02.08.1973, DRA Babelsberg K003224338

Charakteristisch für die Gruppe von Tondokumenten, die Diskussionen zwischen DDR- und BRD-Bürgern beinhalten, ist eine klare Rollenverteilung der Fronten: Die Gesprächspartner aus der DDR behalten argumentatorisch in aller Regel die Oberhand, während das Gegenüber aus der BRD unbeholfen und mäßig informiert erscheint. Letztendlich sollte im Rahmen solcher Diskussionen die DDR als derjenige der beiden deutschen Staaten mit dem "besseren" politischen System herausgestellt werden.

 
Die US-amerikanische Delegation bei den X. Weltfestspielen
 

Nicht nur die Teilnahme von Bürgern aus der BRD gab Anlass für eine Verteidigung des eigenen Systems in Abgrenzung zu einer vermeintlich defizitären Gesellschaftsordnung; ebenso versprach die Anwesenheit einer US-amerikanischen Gesandtschaft Möglichkeit, Kritik an Imperialismus und dem damit verbundenen vermeintlichen Hegemonialstreben besonders wirksam hervorbringen zu können. So stand der zweite Festivaltag unter dem Motto "Solidarität mit den Völkern, der Jugend und den Studenten von Vietnam, Laos und Kambodscha". Die Verantwortung der Vereinigten Staaten von Amerika für Missstände in solchen Ländern wird bei den Veranstaltungen stets in den Vordergrund gestellt. Besonders eindrücklich war die an den USA vorgebrachte Kritik vor allem dann, wenn sie von US-Bürgern selbst artikuliert wurde. Folglich standen auf den zahlreichen Solidaritätsmeetings auch immer wieder Mitglieder der US-amerikanischen Delegation mit auf den Rednerlisten.

Foto: Vu Quang, Valentina Tereschkowa, Margot Honecker, Angela Davis, Armeegeneral Heinz Hoffmann und Siegfried Lorenz auf der Ehrentribüne
Prominente Gäste der Weltfestspiele auf Ehrentribüne: Vu Quang, Valentina Tereschkowa, Margot Honecker, Angela Davis, Armeegeneral Heinz Hoffmann und Siegfried Lorenz (v.l.n.r.)
Foto: Bundesarchiv, Bild 183-M0804-717 / Fotograf: Dieter Demme

So eindrücklich diese Akteure ihre Missbilligung der Politik Washingtons auch hervorbringen mochten, die größte Wirkung sollte letzten Endes freilich die erst kürzlich aus der Haft entlassene Bürgerrechtlerin Angela Davis erzielen. Neben Jassir Arafat handelte es sich bei ihr um den wohl populärsten Gast bei den X. Weltfestspielen. Dennoch ist der enorme Eindruck, welchen sie hinterließ, mit Sicherheit nicht allein auf ihren Bekanntheitsgrad zurückzuführen, sondern war ebenso ihrem eindringlichen Vortragsstil geschuldet. Auch verpasste sie es nicht, stets die Leistungen der sozialistischen Ordnung der DDR anzupreisen und als Vorbild für eine wünschenswerte Entwicklung der US-amerikanischen Gesellschaft herauszustellen, wie beispielsweise in ihrer Ansprache auf dem Solidaritätsmeeting mit der Jugend der USA vom 2. August, die neben knapp 20 weiteren Dokumenten mit oder über Angela Davis komplett im Bestand überliefert ist. Nicht nur wusste sie ihre Gastgeber bezüglich deren politisch-gesellschaftlichen Leistungen zu würdigen: In der Rede, die sie am 3. August im Klub der DDR hielt, betonte sie am Beispiel des afro-amerikanischen Sängers Paul Robeson die Offenheit von DDR-Bürgern gegenüber Kulturgütern, die von Mitgliedern vermeintlicher Minderheiten geschaffen worden waren. Dass Davis ihr Lob zudem in deutscher Sprache hervorbrachte, dürfte nicht unwesentlich zu der Begeisterung, mit der ihre Worte Aufnahme fanden, beigetragen haben:

Hörzitat 2 (1'40"):
Ansprache von Angela Davis im Klub der DDR anlässlich der X. Weltfestspiele in Berlin

Angela Davis, Mitglied des Zentralkomitees der US-amerikanischen Kommunistischen Partei, wertet die verbreitete Kenntnis des ebenfalls aus den USA stammenden Sängers Paul Robeson als Zeichen des Kampfes gegen Rassismus und Antikommunismus, der in der DDR herrscht
Aufnahmedatum: 03.08.1973, DRA Babelsberg K003224710

 
"Kunst ist Waffe". Musik zu den X. Weltfestspielen
 

Für die Kulturprogramme und für politische Veranstaltungen wurden nationale und internationale Künstler zu den X. Weltfestspielen eingeladen. Die Vorbildfunktion von bekannten Künstlern, die sich als Musiker oder Redner kritisch zu Themen wie Kapitalismus oder Imperialismus äußern, wurde bewusst ausgenutzt. Musik als Propagandainstrument, vor allem in Form des politischen Liedes, kam gezielt als Gestaltungsmittel des Festivals zum Einsatz. Das wurde von Beginn an strategisch in der kulturpolitischen Konzeption der Weltfestspiele vom Organisationskomitee angestrebt. Die Festivalteilnehmer aus der DDR, die im Vorfeld der Weltfestspiele ideologisch geschult wurden, sind sich der beabsichtigten Funktion der Musikprogramme sehr bewusst. So antworten Kinder auf die Frage einer Rundfunkreporterin, was ein Lied bewirken kann: "Man kann mit Liedern erreichen, dass man Menschen überzeugen kann und dass man auch Kritik üben kann." "Ein Lied kann eine Waffe sein, und zwar in der Beziehung gegen die Imperialisten." "Es ist vielleicht auch durch ein Lied zu erreichen, dass viele Völker zusammengeschlossen werden und dann vereint gegen den Imperialismus kämpfen und gegen die Ausbeutung."

Foto: Jugendliche beim Konzert in der Werner-Seelenbinder-Halle

Politische Lieder zu den X.
Jugendliche beim Konzert in der Werner-Seelenbinder-Halle. Berlin-Prenzlauer Berg, 1973
Foto: DRA/Marianne Wittenbecher

Ganz ideologiekonform wird hier das Lied als Mittel zum Zweck beschrieben, das sowohl zur Mobilisierung der Festivalbesucher aus der ganzen Welt als auch zum Transport von politischem und gesellschaftlichem Gedankengut eingesetzt wird. So ist es konsequent, dass auch das jährlich stattfindende Festival des politischen Liedes im Jahr 1973 in das Weltfestspielprogramm integriert wird. Unter dem Namen "Politische Lieder zu den X." treten dort insgesamt 103 Gruppen und Solisten aus 45 Ländern auf. Aus der DDR sind u.a. die Gruppe Spartacus, Reinhold Andert, der Oktoberklub, Kurt Demmler und die Klaus-Renft-Combo zu hören, aus der BRD die Gruppe Floh de Cologne sowie Franz-Josef Degenhardt und Dieter Süverkrüp.

Der kapitalismuskritische Liedermacher Dieter Süverkrüp nimmt am 3. August als Redner an einer Weltfestspiel-Pressekonferenz im Berliner Café Moskau teil. Teilnehmer aus der Bundesrepublik, besonders Künstler, die sich BRD-kritisch und positiv dem sozialistischen Staat gegenüber äußerten, wurden gezielt zu solchen öffentlichen Stellungnahmen eingeladen. In unserem Hörzitat beantwortet Dieter Süverkrüp eine Frage zu seinen Auftritten während der Weltfestspiele:

Hörzitat 3 (1'59''):
Pressekonferenz im Café Moskau für die Rechte der Jugend und Studenten und für die Rechte der Frauen und Mädchen anlässlich der Weltfestspiele in Berlin

Dieter Süverkrüp, Liedermacher aus der BRD, über seine Auftritte während der Weltfestspiele
Aufnahmedatum: 03.08.1973, DRA Babelsberg K003224992

Am 29. Juli fand eine "Manifestation bekannter Künstler und Schriftsteller zu den X. Weltfestspielen" statt, die sich als zentrale Veranstaltung und Kundgebung der prominenten Gäste zu den Weltfestspielen verstand. Als Moderatorin und Interpretin trat die Schauspielerin und Sängerin Gisela May auf. Als Musikinterpreten waren Paul Dessau als Pianist und Siegfried Matthus als Dirigent neben Gruppen wie Floh de Cologne aus der BRD, die zusammen mit Dieter Süverkrüp auftraten, und Inti-Illimani aus Chile sowie beliebte Sängerinnen wie Uschi Brüning und Miriam Makeba zu hören. Mit Redebeiträgen waren Künstler wie Erwin Geschonneck, Konrad Wolf, Robert Rozhdestwenskij, Manfred Wekwerth, Luigi Nono, Manfred Weiss sowie Rolf Hochhuth aus der BRD vertreten. Ein Mitschnitt der Veranstaltung ist überliefert.

 
Das Kinderfestival in der Pionierrepublik "Ernst Thälmann"
 

Als zentraler Veranstaltungsort der Pionierorganisation "Ernst Thälmann" und als Pionierlager wurde am 27. Juli 1973 die Pionierrepublik "Ernst Thälmann" in der Berliner Wuhlheide für die X. Weltfestspiele eröffnet. 20.000 Thälmann-Pioniere versammelten sich dafür vor der Freilichtbühne der Pionierrepublik. 8.000 Pioniere wohnten während der Festspielzeit auf dem Gelände am östlichen Stadtrand von Berlin.

Zur Eröffnung wurde ein Programm mit 2.700 Mitwirkenden geboten. Ehrengäste aus dem Politbüro des ZK der SED wie Friedrich Ebert junior, Kurt Hager und Horst Sindermann sowie Margot Honecker, Günther Jahn und Egon Krenz waren anwesend. Zum überlieferten Programm gehört unter anderem ein Rechenschaftsbericht der 15 Pionier-Bezirksdelegationen der DDR. Sie erstatten Bericht über die "Erfüllung des Pionierauftrages 1972/73" und berichten dafür von ihren "Taten in Vorbereitung auf die X. Weltfestspiele", denn sie "haben gelobt, wie Ernst Thälmann zu sein – im Arbeiten, im Lernen, im Kämpfen". Reportagen und Berichte der Eröffnungsveranstaltung sind im Bestand des DRA Babelsberg nachgewiesen.

Foto: Pioniere in der 'Pionierrepublik Ernst Thälmann' in der Wuhlheide
Pioniere in der "Pionierrepublik Ernst Thälmann" in der Wuhlheide. Berlin-Oberschöneweide, 1973
Foto: DRA/Marianne Wittenbecher

Neben der Eröffnung des "Thälmann-Ehrenhains" in der Pionierrepublik, die in Anwesenheit von Irma Gabel-Thälmann, der Tochter Ernst Thälmanns, stattfand, ist auch die Abschlussveranstaltung in der Pionierrepublik "Ernst Thälmann" in Form einer Reportage überliefert. Dort wird unter anderem der neue Pionierauftrag "Lernt und handelt nach dem Vorbild Ernst Thälmanns – stärkt unsere Deutsche Demokratische Republik" verkündet.

Für die Sendung "Kinderradio aktuell", die täglich im Frühprogramm der Festivalwelle des Berliner Rundfunks ausgestrahlt wurde, verarbeitete man die Veranstaltungen und Ereignisse in der Pionierrepublik "Ernst Thälmann" kindgerecht für den Rundfunk und fasste sie im Reportageformat unter dem Titel "Mit Pionierreportern unterwegs" zusammen. So wird auch vom internationalen Kinderfest unter dem Motto "Immer lebe die Sonne" berichtet, das am 31. Juli in der Wuhlheide stattfand.

Einen Ausschnitt aus dem Programm dieses Kinderfestes hören Sie in unserem Hörzitat:

Hörzitat 4 (1'40"):
Teilmitschnitt der Eröffnung des internationalen Kinderfestes

Kinder zählen bis 10, Hochrufe, Redner bedankt sich bei den mitwirkenden Musikgruppen, Kinder sprechen gemeinsam das Motto "Wir wollen das Versprechen geben, immer soll die Sonne leben."
Aufnahmedatum: 01.08.1973, DRA Babelsberg K003205097

 

Literatur

Axel Blumentritt: Jugendpolitik und Rundfunk, in: [Autorenkollektiv:] 10 Jahre jung: DT64, in: Beiträge zur Geschichte des Rundfunks, Heft 1, 1974, S. 7-18.

Dieter Hunziger: DT-64-Höhepunkte, in: [Autorenkollektiv:] 10 Jahre jung: DT64, in: Beiträge zur Geschichte des Rundfunks, Heft 1, 1974, S. 20-23.

Sarah Jost: "Unser Lied ist unser Kampf". Das Festival "Politische Lieder zu den X.", in: Kulturation 2/2003 (www.kulturation.de).

Ina Rossow: "Rote Ohren, roter Mohn, sommerheiße Diskussion". Die X. Weltfestspiele der Jugend und Studenten, in: Fortschritt, Norm und Eigensinn. Erkundungen im Alltag der DDR, hrsg. vom Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR e.V., Berlin 1999, S. 256-275.

Andreas Ruhl: Stalin-Kult und Rotes Woodstock. Die Weltjugendfestspiele 1951 und 1973 in Ostberlin, Marburg 2009.

Denise Wesenberg: Unter "operativer Kontrolle". Die X. Weltfestspiele der Jugend und Studenten 1973 in Ost-Berlin, Erfurt 2007.

[Rundfunk der DDR]: Chronik des Jahres 1973, in: Beiträge zur Geschichte des Rundfunks, Heft 1, 1989.

FF – Funk und Fernsehen der DDR, Ausgaben: 30/1973, 31/1973.

 

(Annika Müllner und Karin Pfundstein)

 

Stand: 10.06.2013

 

 

LETZTE ÄNDERUNG: 10.06.2013
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