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Das besondere Dokument - 2014

"Am Anfang war das Experiment" –
Hans Fleschs "Zauberei auf dem Sender"



Aus: Funk. Die Wochenschrift des Funkwesens. 1. Jahrgang. Heft 35. 25.12.1924. S. 543 ff.
(Durch Anklicken der Seiten öffnen sich vergrößerte Ansichten in einem PopUp-Fenster.)

Hans Fleschs "Zauberei auf dem Sender" gilt als erstes gesichertes Originalhörspiel der deutschen Rundfunkgeschichte. Das Stück wurde am 24. Oktober 1924 von der Frankfurter Südwestdeutschen Rundfunk AG live ausgestrahlt. Es ist nicht als Tonaufnahme überliefert, da Aufzeichnungstechnik erst ab 1929 zur Verfügung stand. Alle notwendigen Informationen zum Hörspiel sind jedoch in der ARD-Hörspieldatenbank dokumentiert.

Es ist zudem das einzige Hörspiel aus der Frühzeit des Radios, dessen Manuskript seinerzeit veröffentlicht wurde und das daher bis heute erhalten ist. Die im Deutschen Rundfunkarchiv Frankfurt am Main archivierte Wochenschrift "Funk" publizierte den Text im Dezember 1924.

Form und Begrifflichkeit der neuen Kunstform "Hörspiel" wurden in den Anfangsjahren des Rundfunks noch experimentell gesucht und erprobt. Flesch nennt sein Stück "Versuch einer Sendespiel-Groteske". Der Begriff "Sendespiel" für funkdramatische Darbietungen allgemein wurde mit der Zeit enger gefasst und allein auf Theaterinszenierungen vor dem Mikrophon bezogen, die das Radio als reines Übertragungsmedium nutzten. Den Programmverantwortlichen schwebte aber etwas ganz anderes vor, nämlich die Entwicklung einer rundfunkeigenen akustischen Kunstform, für deren "Zustandekommen die Rundfunktechnik als formaler Faktor unentbehrlich ist".1

Foto: Hans Flesch 1925/1926
Hans Flesch (1924–1929 Künstlerischer Leiter der SÜWRAG) in einer Aufnahme von 1925/1926
© DRA/Nini & Carry Hess

Um nichts weniger als die Ergründung eben dieser Möglichkeiten eines Originalhörspiels geht es in dem Stück von Hans Flesch, der als künstlerischer Leiter beim Frankfurter Sender tätig war. Die Handlung, die Provokation einer Sendestörung auf "Welle 467" durch einen von der Mitarbeit im Funk ausgeschlossenen Zauberer und die dadurch ausgelöste heillose Verwirrung, ist Demonstration der im Stück verselbstständigten Programmelemente und akustischen Ausdrucksformen des Radios. Im Spiel selbst wird damit der Möglichkeitsraum originärer Funkkunst durch die aufgezeigten akustischen Effekte der Apparatur ausgelotet. Das "Durcheinander" auf der Handlungsebene wird – das legen die Regieanweisungen im Manuskript nahe – durch ein der Collage ähnelndes Formprinzip realisiert. Das Experimentieren mit den Möglichkeiten der Apparatur geschieht aus der Überzeugung, dass "aus der Maschine Künstlerisches entstehen kann", wie Flesch einen Monat vor der Ausstrahlung seines Hörspiels in einem Rundfunkvortrag darlegte.2

Radio wird zugleich als bewusstes Spiel der Illusion vorgeführt, als Täuschung und Simulation, als technisches Wunderwerk, das eine eigene Wirklichkeit schafft – personifiziert in der Gestalt des Zauberers – und eben kein Ersatz ist für eine vorgegebene Realität.

Fleschs Stück radiophoner Selbstreflexion wurde in der Forschung lange als belanglos abgetan. Erst in jüngerer Zeit wurde es in seiner zukunftsweisenden Modernität anerkannt3 und nicht zuletzt als Vorwegnahme der Möglichkeiten elektroakustischer Musik als Idee einer reinen Radiokunst gedeutet, einer Musik, die – wie es im Stück heißt – "tatsächlich nirgends gespielt wird".

Besprechung von "Zauberei auf dem Sender"
Besprechung von "Zauberei auf dem Sender"
N. N.: Der "entfesselte Sender". In: Funk. Die Wochenschrift des Funkwesens. 1. Jahrgang. Heft 27. 31.10.1924. S. 400.

Die zeitgenössischen Besprechungen, die zum Teil vor der Ursendung veröffentlicht wurden und offenbar auf dem Eindruck der Hörspielproben basieren, zeigen dabei, dass der innovative Charakter des Hörspiels durchaus verstanden wurde. Es wurde als "Versuch, ein rein auf akustische Dinge aufgebautes Stück zu geben, das nur für den Rundfunk möglich ist"4 charakterisiert. Auch die Veröffentlichung des Textes zwei Monate nach der Ursendung signalisiert einen nachhaltigen Eindruck des Hörspiels auf die Zeitgenossen, wobei der Untertitel von "Senderspiel-Groteske" in "Rundfunkgroteske" geändert wurde.

Karikatur von Hans Flesch als 'Hörspielmixer', 1931
Karikatur von Hans Flesch als "Hörspielmixer"
N. N. In: Der Deutsche Rundfunk. Heft 20. 15.05.1931. S.4.

Im Zuge der umfassenden Dokumentation zur Programmgeschichte des deutschen Hör- und Sendespiels der Weimarer Republik entdeckte das Team der ARD-Hörspieldatenbank im Deutschen Rundfunkarchiv in Frankfurt/M. die Ankündigung einer Sendung mit dem Titel "Ein Radiospuk auf Welle 410". Ob dieses Stück, das laut Zeitschrift "Der Deutsche Rundfunk" von der Westdeutschen Funkstunde AG am 15. Februar 1926 ausgestrahlt wurde, Hans Fleschs Intention nochmals in Form eines Hörspiels aufnahm oder – wenn überhaupt – sich nur oberflächlich am Handlungsstrang orientierte, darüber kann nur spekuliert werden. Der Einfluss von Fleschs Idee einer originären Rundfunkkunst aus den technischen Bedingungen des Radios selbst lässt sich in späteren Hörspielproduktionen deutlich erkennen, vor allem in Walter Ruttmanns "Weekend" aus dem Jahr 1930, einer mit weiter entwickelten rundfunktechnischen Möglichkeiten realisierten Collage von Höreindrücken.

Auf der Grundlage des überlieferten Manuskripts reinszenierte der Hessische Rundfunk 1974 "Zauberei auf dem Sender" in Kunstkopf-Technik. Hören Sie hier einen Ausschnitt aus der Wiederaufnahme:

Hörzitat (2'29"):
Ausschnitt aus "Zauberei auf dem Sender"

Neuinszenierung anläßlich der Wilhelmsbader Produktionen 1974
Aufnahmedatum: 28.06.1974
© Hessischer Rundfunk, www.hr.de

 

(Ulrike Schlieper-Müller)

 

Anmerkungen

1 Der Deutsche Rundfunk. Heft 38. 21.9.1924. S. 2154.  
2 Die Besprechung. Nr. 1. 30.09.1924. S. 4.  
3 Wolfgang Hagen: Der Neue Mensch und die Störung. Hans Fleschs vergessene Arbeit für den frühen Rundfunk. In: Erhard Schüttpelz, Albert Kümmel (Hrsg.): Signale der Störung. München 2003.  
4 Funk. Heft 27. 31.10.1924. S. 400.  

 

Stand: 08.10.2014

 

 

 

LETZTE ÄNDERUNG: 16.10.2014
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