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Das besondere Dokument - 2016/1

Das Funkkolleg:
Multimedialer Bestand für ein multimediales Produkt

Funkkolleg "Geschichte": Titelseite des Studienbegleitbriefs 1
Funkkolleg "Geschichte": Titelseite des Studienbegleitbriefs 1, 1979
DRA Frankfurt

Das Funkkolleg wurde vor fünfzig Jahren vom Hessischen Rundfunk und der Goethe-Universität Frankfurt am Main ins Leben gerufen. Am 5. Mai 1966, wie Jochen Greven in seinem Buch "Das Funkkolleg 1966-1998" daran erinnert, stellte der Frankfurter Erziehungswissenschaftler Hans Scheuerl den Hörerinnen und Hörern der Sendeanstalt eine neue Sendereihe vor. In einer Ringvorlesung würden in den nachfolgenden Wochen Vertreter der Politikwissenschaft, der Geschichtswissenschaft, der Volkswirtschaftslehre, der Jurisprudenz und der Soziologie einführende Vorträge über ihr Fach halten und versuchen aufzuzeigen, inwiefern dieses jeweils "zum Verständnis der modernen Gesellschaft" beiträgt. Die Hörerinnen und Hörer seien herzlich dazu eingeladen, sich diese Vorträge – so wie Studierende in einem Hörsaal – anzuhören. Für diejenigen, die mehr zu erfahren wünschten, biete der HR im Anschluss vertiefende Sendungen über jedes Fachgebiet an.

Die Väter des Funkkollegs waren Gerd Kadelbach, seit 1956 Leiter der Hauptabteilung "Bildung und Erziehung" des Hörfunks beim Hessischen Rundfunk, und Walter Rüegg, Professor der Soziologie und zu der Zeit Rektor der Goethe-Universität. Genauso wie der Intendant des HR Werner Hess war Gerd Kadelbach vom Bildungsauftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks überzeugt. Walter Rüegg legte seinerseits Wert auf die öffentliche Verantwortung der Wissenschaft. Es ging jedoch um mehr als nur Allgemeinbildung. Nach dem Beispiel einer Lehrveranstaltung an der Universität sollte das Funkkolleg mit der Ausgabe von Zertifikaten verbunden sein, welche für die betroffenen Personen auf ihrem Weg zu einer besseren Ausbildung von unmittelbarem Vorteil sein sollten: Besonders begabte Berufstätige ohne Abitur sollten zur Begabtenprüfung und damit gegebenenfalls zum Hochschulstudium zugelassen werden, Studierenden sollte die Teilnahme an Hauptseminaren ermöglicht werden, Lehrer und Lehrerinnen sollten das Recht erhalten, ein zusätzliches Fach unterrichten zu dürfen.

Interessierte wurden zur schriftlichen Anmeldung aufgefordert. Zur Unterstützung der wöchentlichen Hörfunksendungen bekamen sie schriftliche Materialien und Hausaufgaben per Post zugesandt, am Ende des Semesters kamen noch Prüfungsbögen. Wer es wollte, konnte auch an Volkshochschulen und diversen anderen Orten begleitende Arbeitskreise besuchen. Das Funkkolleg veränderte sich im Laufe der Jahre. Dem ursprünglichen "Funk-Kolleg zum Verständnis der modernen Gesellschaft" des HR (1966-1969) folgten das "Quadriga-Funkkolleg" (1969-1974), an dem vier Rundfunkanstalten (HR, SR, SDR und SWF) beteiligt waren, sowie ab 1975 ein Funkkolleg in verschiedenen Variationen. In seiner erfolgreichsten Zeit wurde das Funkkolleg von allen ARD-Anstalten bis auf BR und SFB ausgestrahlt. Auch die Erwartungen des Publikums veränderten sich: Das Funkkolleg wurde immer weniger als Fortbildungsangebot und immer mehr als eine Möglichkeit, die eigene wissenschaftliche Neugier zu stillen wahrgenommen. Doch das Konzept von Medienverbund (Rundfunk und Studienbriefe), Fernstudium und Interaktivität blieb vom Anfang bis zum Ende bestehen. Damit stellt das Funkkolleg ein einzigartiges Modell von E-Learning vor dem Internetzeitalter dar. Heute werden Vorlesungen gefilmt und auf Online-Plattformen gestellt, auf welchen man ebenfalls Übungen findet, die zu Hause zu erledigen sind und dann im Seminar mit der Dozentin oder dem Dozenten besprochen werden. Sieht man von den Übertragungswegen ab (Rundfunk und Schriftmedien statt Internet), war beim Funkkolleg schon alles da.

Das Deutsche Rundfunkarchiv Frankfurt am Main verfügt über zwei Bestände, die diesen Medienverbund widerspiegeln und sich deswegen für eine Untersuchung des Funkkollegs besonders gut anbieten. Vom 1967 gegründeten und 1998 aufgelösten Funkkolleg-Zentralbüro hat es Sendemitschnitte sowie gedruckte Sendemanuskripte und Kursbroschüren, von einer Privatperson Teilnehmerunterlagen, also annotierte Studienbriefe und Prüfungsbögen, übernommen. Beide Bestände ergänzen einander für die Jahrgänge 1979/80 (Funkkolleg "Geschichte") bis 1997/98 (Funkkolleg "Deutschland im Umbruch") weitgehend lückenlos. Zu den früheren Jahrgängen findet man Materialien im Unternehmensarchiv des Hessischen Rundfunks [E-Mail-Adresse: unternehmensarchiv@hr.de] und im Universitätsarchiv der Goethe-Universität [www.archiv.uni-frankfurt.de] sowie in den Archiven der ARD-Anstalten, die Sendungen federführend betreut und produziert haben.

Das im DRA vorhandene Material zum Funkkolleg erlaubt diverse Fragestellungen, sei es auf dem Gebiet der Medien-, der Bildungs- oder der Wissenschaftsgeschichte. So bietet beispielsweise das von Werner Conze geleitete und vom SDR produzierte Funkkolleg "Geschichte" (1979/80) einen hervorragenden Überblick über den Stand der westdeutschen Geschichtsforschung Ende der 1970er Jahre. Werner Conze, von 1957 bis zu seiner Emeritierung 1979 Ordinarius an der Universität Heidelberg, schilderte in einem kurzen Text für die Zeitschrift "Fernstudium aktuell" seine "Erwartungen an das Funkkolleg 'Geschichte'": Der Sinn des Funkkollegs sei es, "die unmittelbare Verbindung zwischen forschenden Historikern und einem geschichtszugewandten Publikum zwei Semester lang intensiv herzustellen". Dies sei mit einer Herausforderung und einer Chance verbunden: Man müsse aus seinem gewohnten Kreis heraustreten und immer wieder daran denken, dass man sich an Laien und nicht an seine Fachkollegen wende. Zugleich aber habe man die Möglichkeit, einem breiteren Kreis zu erläutern, "was die Geschichtswissenschaft heute leistet, wo ihre Hauptfragen sind und ihre neuen Forschungsergebnisse liegen".
 

Funkkolleg "Geschichte", 1. Einführungssendung: "Weshalb ein Funkkolleg Geschichte?": Ausschnitt aus dem Manuskript mit Werner Conzes erster Wortmeldung, 1979 DRA Frankfurt
(Anklicken öffnet vergrößerte Seiten in einem PopUp-Fenster.)

Hörzitat 1 (3'03") aus:
Funkkolleg "Geschichte", 1. Einführungssendung: "Weshalb ein Funkkolleg Geschichte?" –
Werner Conzes erste Wortmeldung, 1979

DRA Frankfurt KONF.941186
 

 

 

 

Funkkolleg "Geschichte", Studienbegleitbrief 1: Inhaltsverzeichnis und Auszug zum Thema "Mann und Frau", 1979
DRA Frankfurt
(Anklicken öffnet vergrößerte Seiten in einem PopUp-Fenster.)

 
 

 

 


Hörzitat 2 (2'09") aus:
Funkkolleg "Geschichte", 2. Kollegstunde: Mann und Frau – Einführung durch Rolf Sprandel, 11.07.1979

DRA Frankfurt KONF.941280
 

 

Werner Conze war einer der vehementesten Vertreter der Sozialgeschichte, welche er nicht im engen Sinne von "Wirtschafts- und Sozialgeschichte" verstand, sondern als eine Perspektive, die gesamte Geschichte zu sehen. Und so wurde das Funkkolleg "Geschichte" auch aufgebaut. Anstatt Individuen, die Politik und den Staat in den Vordergrund zu stellen und geschichtliche Ereignisse in der herkömmlichen chronologischen Weise abzuhandeln, beschäftigte sich die Sendereihe zunächst mit grundlegenden Situationen aus dem Alltag und dem öffentlichen Leben, wie z. B. mit dem Verhältnis zwischen Mann und Frau oder dem Thema "Geburt und Tod", und zeigte dabei, inwiefern diese elementaren Erfahrungen historisch sind: Sie seien zwar den Menschen zu allen Zeiten vertraut, änderten sich jedoch mit dem Wandel der Gesellschaft (Hörzitat 2). Die wesentlichen Epochen der Weltgeschichte wurden erst in einem zweiten Teil vorgestellt, Geschichte als Wissenschaft stand in einem dritten Teil zur Diskussion. Allgemein beruhte das Funkkolleg auf der Überzeugung, dass aus geschichtlicher Erfahrung ein Nutzen für die Gegenwart und Gegenwartsentscheidungen gezogen werden könne. Werner Conze führte das an einem typischen sozialgeschichtlichen Beispiel, dem der Geschichte der Familie aus (Hörzitat 1). Es ist zu vermuten, dass sein Ansatz von den angemeldeten Hörerinnen und Hörern angenommen wurde, denn nur acht Prozent von ihnen brachen während der Sendereihe ihre Teilnahme ab.

Wie zu Anfangszeiten ist der Hessische Rundfunk seit 1998 alleiniger Veranstalter des Funkkollegs. Die Sendungen wurden zunächst unter dem Namen "Das Neue Funkkolleg" und dann wieder als "Funkkolleg" in hr2-Kultur sowie auch ab 2004 in hr-info ausgestrahlt. Seit 2014 wird das Funkkolleg ausschließlich von hr-info angeboten [funkkolleg-wirtschaft.de/].

 

(Muriel Favre)

 

Literatur

Das Funkkolleg 1966-1998. Ein Modell wissenschaftlicher Weiterbildung im Medienverbund. Erfahrungen – Auswertungen – Dokumentation. Im Auftrag der Planungskommission für das Funkkolleg herausgegeben von Jochen Greven unter Mitarbeit von Walburga Borgert, Weinheim 1998.

Werner Conze: Erwartungen an das Funkkolleg "Geschichte", in: Fernstudium aktuell, 2. Jg. (1980), H. 1, S. 5-6.

Ingeborg Kurbjuhn: Begleituntersuchung zum Funkkolleg "Geschichte" (1979-1980), Tübingen 1981.

 

Stand: 25.04.2016

 

 

 

LETZTE ÄNDERUNG: 03.05.2016
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