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Das aktuelle Ereignis

Bekanntgabe der ersten Todesurteile für das Hören ausländischer Rundfunksender (27.9.1941)

75. Jahrestag am 27. September 2016


Kurzinformationen

Verordnung über außerordentliche Rundfunkmaßnahmen vom 1.9.1939  

Hörzitat 1 (1'46) aus: Dokument
DRA Frankfurt KONF.782405

Hörzitat 2 (1'07) aus: Dokument
DRA Frankfurt KONF.743925

 

 

 

 

Verordnung über außerordentliche Rundfunkmaßnahmen vom 1.9.1939
Reichsgesetzblatt 1939 I, S. 1683
(Anklicken öffnet vergrößertes Bild in einem PopUp-Fenster)

 

Am 1. September 1939, dem Tag des Überfalls auf Polen, wurde durch die "Verordnung über außerordentliche Rundfunkmaßnahmen" das, was bisher wider Willen toleriert worden war, verboten. "Das absichtliche Abhören ausländischer Sender" stellte nunmehr einen Straftatbestand dar. Wer dagegen verstieß, konnte mit Zuchthaus bestraft werden (§ 1). Wer sogar die abgehörten Nachrichten verbreitete, riskierte "in besonders schweren Fällen" die Todesstrafe (§ 2). Die Sondergerichte, welche seit März 1933 dem NS-Regime zur Bekämpfung von Widerstand und oppositionellem Verhalten dienten, waren für die Aburteilung zuständig (§ 4). Um einer möglichen Flut von Denunziationen vorzubeugen, oblag die Anklageerhebung allein der Gestapo (§ 5).

Das Verbot war breit angelegt. Es bezog sich nicht nur auf die sogenannten Feindsender (BBC, die Stimme Amerikas, Radio Moskau), sondern auch auf die Sender des befreundeten und des neutralen Auslands wie Italien und der Schweiz. Der Kreis der betroffenen Personen wurde möglichst groß gehalten. "Niemand ist abhörberechtigt, wer nicht abhörverpflichtet ist", präzisierte Goebbels Ende September 1939. Nur der ausdrückliche Befehl zum Abhören schließe die Genehmigung ein.


Radio-Sende-Spiel: Brettspiel aus den Jahren 1939-1945
"Radio-Sende-Spiel": Brettspiel aus den Jahren 1939-1945 zum Abhör­verbot für auslän­dische Sender
DRA Frankfurt
 

 

Das Verbot gründete auf einem tiefgehenden Misstrauen der eigenen Bevölkerung gegenüber, wie Hans Fritzsche, der Leiter der Rundfunkabteilung im Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda, es im August 1943 in einer seiner internen "Rundfunkarbeitsbesprechungen" unzweideutig zu erkennen gab (Hörzitat 1). Problematisch für die NS-Machthaber war nicht nur die Tatsache, dass ausländische Rundfunksendungen das staatliche Meinungsmonopol angriffen. Groß war auch die Angst vor den Gerüchten, die daraus entstehen und im Volk kursieren mochten. Diese galten einem Regime, das bemüht war, die öffentliche Kommunikationssphäre bis ins kleinste Detail zu lenken, als unkontrollierbar und wurden deswegen als hohes Bedrohungspotential eingeschätzt.

Die nationalsozialistische Propaganda bediente sich mehrerer Mittel, um die Deutschen an das Verbot zu erinnern. Es wurden Anhänger für den Senderwahlkopf ausgeteilt mit dem Vermerk "Denke daran. Das Abhören ausländischer Sender ist ein Verbrechen gegen die nationale Sicherheit unseres Volkes. Es wird auf Befehl des Führers mit schweren Zuchthausstrafen geahndet". Aber auch ein Brettspiel namens "Radio-Sende-Spiel" kam zum Einsatz. Fiel ein Spieler auf einen "Feindsender", musste er eine Geldstrafe zahlen und an die Startposition zurückkehren. Auf Seiten der ausländischen Sender wurde das Verbot ebenfalls ernst genommen. "Bitte Vorsicht beim Abhören" sagte die BBC noch im September 1944 in einer Sendung für Arbeiter durch (Hörzitat 2).
 

Erste Meldung über Todesurteile 'für Rundfunkverbrecher'

Erste Meldung über Todesurteile "für Rundfunk­ver­brecher" (Auszug)
Rundfunkarchiv Jg. 14, H. 10, Oktober 1941, S. 433
(Anklicken öffnet vergrößertes Bild in einem PopUp-Fenster)

Die Strafverfolgung begann bereits in den ersten Kriegs­monaten. Zu Abschreckzwecken sollten die Gerichtsentscheide in der Presse veröffentlicht werden. Die ersten, mehrmonatigen Gefängnisstrafen, waren jedoch nach Goebbels' Meinung zu mild und kaum in der Lage, eine einschüchternde Wirkung mit sich zu bringen. Es folgten deswegen härtere Urteile: Im April 1940 ergingen beispielsweise in Magdeburg und Nürnberg fünf- bis zehnjährige Zuchthausstrafen. Das Nürnberger Sondergericht sprach ein Jahr später, am 7. März 1941, eines der ersten Todesurteile aus. Dem Angeklagten wurde vorgeworfen, er habe "ausländische, meist von jüdischen Emigranten inspirierte Rundfunksendungen" abgehört und daraus Schmähschriften "gegen den Führer und andere führende Persönlichkeiten des Staates sowie gegen die Wehrmacht" verfasst. Erstaunlicherweise wurde das drakonische Strafurteil erst mit halbjähriger Verzögerung am 27. September 1941 bekanntgegeben – die Meldung erschien einen Tag später im "Völkischen Beobachter" und im Oktober 1941 im "Rundfunkarchiv".

In seiner Untersuchung "Rundfunkverbrechen. Das Hören von 'Feindsendern' im Nationalsozialismus" (Berlin 2003) merkt Michael P. Hensle an, dass die Angaben über die wegen "Rundfunkverbrechen" verhängten Todesurteile lückenhaft sind. Einen Hinweis gibt die Zeitschrift "Rundfunkarchiv", in der zwischen 1939 und 1944 neun Todesurteile bekanntgegeben wurden: im Jahr 1941 zwei, 1942 eines, 1943 wiederum zwei und 1944 vier.

 
(Muriel Favre)

 

Tonaufnahmen

  • Rundfunkarbeitsbesprechung unter der Leitung von Hans Fritzsche: Ausführungen zum Abhörverbot von Feindsendern
    Das Abhörverbot gilt selbstverständlich für Ausländer / Quelle der Gerüchte sind jedoch nicht die ausländischen Arbeiter /
    Hörzitat 1 (1'46) Gerüchte werden oft von "Volksgenossen" verbreitet / Möglicherweise experimentieren die bei Deutschen untergebrachten Ausländer mit Radiogeräten
    AD 05.08.1943 / DRA Frankfurt KONF.782405 (3'41)

  • Deutschsprachiges Programm der BBC: Sendung für Arbeiter
    Ansage mit Sendersignal * Tagesnachrichten: Brüssel von englischen Truppen befreit / Deutsche Armee in Auflösung begriffen / Bombardement auf Brest / Abbruch der diplomatischen Beziehungen Finnlands zu Deutschland / Situation in Italien / Vormarsch russischer Truppen in Rumänien / "Seit Freitag keine fliegenden Bomben über Süd-England" /
    Hörzitat 2 (1'07): Zwischenansage: "Bitte Vorsicht beim Abhören" / Hitler will weiterkämpfen bis zum letzten Deutschen / Für Hitler sterben oder für Deutschland leben * Kommentar von Patrick Gordon-Walker: Deutschland ist in die Enge getrieben, räumlich und zeitlich / Aufruf zur "nationalen Kapitulation" / Tausende deutscher Soldaten haben sich ergeben * Arbeiternachrichten * Deutscher Kriegsgefangener: Aufruf an die deutschen Soldaten, nicht mehr weiterzukämpfen / Absage mit weiterer Programmfolge
    AD 04.09.1944 / DRA Frankfurt KONF.743925 (14'25)

 

 

Stand: 25. August 2016

 

 

 

 

LETZTE ÄNDERUNG: 23.05.2017
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