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Das aktuelle Ereignis

Beginn des Buchenwald-Hauptprozesses (11.04.1947)

70. Jahrestag am 11. April 2017



Kurzinformationen

Foto: Die acht Offiziere des US-amerikanischen Militärtribunals 1947
Die acht Offiziere des US-amerikanischen Militärtribunals, 16. April 1947
Foto: John Chambers, U.S. Army Signal Corps / NARA, via Wikimedia Commons
 

Hörzitat 1 (3'13) aus: Dokument
DRA Babelsberg KONF.1888423

Hörzitat 2 (1'52") aus: Dokument
DRA Babelsberg KONF.1888423

 

Der Buchenwald-Hauptprozess fand vom 11. April bis zum 14. August 1947 am Militärgericht in Dachau unter Initiative und Leitung eines US-amerikanischen Militärtribunals statt. Auf der Anklagebank saßen zentrale Verantwortliche des Konzentrationslagers Buchenwald wie der zweite Lagerkommandant Hermann Pister, der KZ-Arzt Hans Eisele, der bereits für seine Vergehen im KZ Dachau verurteilt worden war, und der Höhere SS- und Polizeiführer von Fulda-Werra, Josias zu Waldeck und Pyrmont. Verantworten mussten sich aber auch KZ-Angehörige, die sich Grausamkeiten und Misshandlungen zuschulden hatten kommen lassen, darunter Funktionshäftlinge (so genannte Kapos) und die Witwe des ersten Lager­komman­dan­ten Ilse Koch. Besonders Ilse Koch als einzige weibliche Angeklagte erregte Aufmerksamkeit. Sie wurde beschuldigt, ein sadistisches Verhalten an den Tag gelegt und sich Lampenschirme aus Menschenhaut angefertigt lassen zu haben (Hörzitat 2).

Wie bei allen durch die US-amerikanische Besatzungsmacht durchgeführten Prozessen wurden lediglich Vergehen an Häftlingen internationaler Herkunft zur Anklage gebracht. Vergehen an deutschen Häftlingen sollten durch deutsche Gerichte geahndet werden. Waren seit Bestehen des Lagers 1937 bis zu Beginn des Zweiten Weltkriegs vor allem kriminelle, politische und Minderheiten angehörende Personen in Buchenwald inhaftiert gewesen, so nahm die Anzahl internationaler Häftlinge nach 1939 permanent zu. Bei der Befreiung des KZs am 11. April 1945 waren lediglich fünf Prozent der Inhaftierten deutscher Herkunft.

Alle 31 Angeklagten wurden für schuldig befunden (Hörzitat 1), 22 Todesurteile mit Hängen durch den Strick ausgesprochen. Davon wurde lediglich knapp die Hälfte vollstreckt, alle anderen Todesurteile wurden bis Mitte der 1950er Jahre amnestiert und in Haftstrafen umgewandelt. Dem Buchenwald-Hauptprozess schlossen sich 24 Nebenverfahren gegen weitere 31 Angeklagte an. Verglichen mit dem nachgiebigen Vorgehen der ost- und westdeutschen Justiz gegen NS-Kriegsverbrecher ab den 1950er Jahren muss diese Rechtsprechung als strikt und konsequent beurteilt werden.

Buchenwald war kein Vernichtungslager gewesen. Trotzdem herrschten in vielen Bereichen katastrophale, menschenunwürdige Zustände. Todesfälle durch Unterernährung, Krankheit, Erschöpfung und Misshandlung waren an der Tagesordnung. Im Krankenhaustrakt wurden Häftlinge gezielt durch Giftspritzen getötet oder starben durch medizinische Versuche. Ab 1941 bestand eine Genickschussanlage, an der mehrere Tausend Häftlinge, insbesondere sowjetische Kriegsgefangene, hingerichtet wurden. Als US-amerikanische Truppen das Lager erreichten, stellte sich angesichts der vorgefundenen Zustände und Verbrechen schnell der politische Wille ein, diese im Rahmen des War Crimes Program zu ahnden.

Videozitat (2'00)
aus: Dokument DRA Babelsberg FESAD IDNR 246808

 

 

 

 
 

Interview mit dem Berichterstatter im Buchenwald-Hauptprozess in Dachau, 1967
 

 

In der DDR nutzte man den Buchenwaldprozess, um mit dem Finger auf die westdeutsche Justiz zu zeigen, die ehemalige NS-Anhänger und KZ-Verantwortliche straflos davon­kom­men ließ (Videozitat). Besonders in den vom Kalten Krieg bestimmten 1950er und 1960er Jahren prägte die Lesart, nach der ehemalige Nationalsozialisten in der Bundesrepublik Unterschlupf fanden und unbehelligt ihre Karrieren fortsetzen konnten, den Blick auf den Umgang mit NS-Verbrechern. Dass die bundesdeutsche Justiz nicht wenige im Buchen­wald­prozess ausge­sprochene Urteile abmilderte oder in Amnestien wandelte, kam dieser Darstellung entgegen.

Die Gedenk-Aktivitäten der DDR zu Buchenwald konzentrierten sich dagegen über lange Zeit auf die Hinrichtung des Reichstagsabgeordneten und Vorsitzenden der KPD Ernst Thälmann. Er war in der Nacht vom 17. auf den 18. April 1944 im Vorraum zum Ofenraum des Krematoriums erschossen worden. Den Prozess gegen den Verantwortlichen für seine Ermordung 1988 in Düsseldorf verfolgten die DDR-Medien entsprechend breit.

Der Schwerpunkt des Gedenkens lag darüber hinaus auf dem im Lager organisierten kommunistischen Widerstand und der Selbstbefreiung der Häftlinge, die im Rahmen des antifaschistischen Gründungsmythos der DDR heroisiert wurden. Dass nach Abzug der US-amerikanischen Truppen die sowjetische Besatzungsmacht das Gelände bis 1950 als "Speziallager Nr. 2" nutzte und während dieser Zeit weitere tausende Menschen dort starben, wurde dabei tabuisiert.

 
(Anna Pfitzenmaier)

 

Tondokumente

  • Reportage des Berliner Rundfunks über den Buchenwaldprozess
    Vernehmung des Zeugen Dr. Sitte am 18.04.1947
    Reportage von der Vernehmung des Zeugen (O-Ton engl, darüber dt Übersetzung) Dr. Sitte (Professor der Chemie aus London): Dr. Sitte schildert die Zustände im Konzen­trations­lager Buchenwald, erkennt die Angeklagten Eisele, Roscher, Hackmann wieder, spricht über Tätowierungen von Menschenhaut, über Schrumpfköpfe von Häftlingen, die als Beweis­stücke vorliegen / dazwischen Erläuterungen des Reporters Werner Klein
    AD 18.04.1947 / DRA Babelsberg KONF.1888420 (13'21)

  • Reportage des Berliner Rundfunks über den Buchenwaldprozess
    Ausschnitte aus den Vernehmungen der Angeklagten Dr. Edwin Katzenellenbogen und Friedrich Wilhelm am 21.07.1947
    Bericht von den Vernehmungen des Häftlingsarztes (O-Ton engl, darüber dt Über­set­zung) Dr. Edwin Katzenellenbogen und des SS-Scharführers (O-Ton) Friedrich Wilhelm / (O-Ton) Verteidiger Remmer und (O-Ton) Verteidiger Köpf
    AD 21.07.1947 / DRA Babelsberg KONF.1888421 (13'15)

  • Reportage des Berliner Rundfunks über den Buchenwaldprozess
    Verhör des Angeklagten Dr. Werner Greunuss
    Angeklagter (O-Ton) Greunuss: Zustand der im Außenlager Ohrdruf ankommenden Häftlinge, Einteilung in vier Gruppen / Abgabe der Gruppe 4 (Arbeitsunfähige) zur Erholung in das "Invalidendorf" Buchenwald / Greunus ließ Kurven über Infektions­krank­heiten und den Stand der Verlausung anfertigen / körperlicher Zustand ankommender Transporte, u.a. jüdischer Intellektueller aus Budapest / Kreuzverhör des Angeklagten durch (O-Ton) Staatsanwalt Kunzig (ph)
    AD 23.07.1947 / DRA Babelsberg KONF.1888422 (12'42)

  • Reportage des Berliner Rundfunks über den Buchenwaldprozess
    Nach Abschluss der Vernehmungen: Verlesen der Namen der Angeklagten und Bitte der Angeklagten um mildernde Umstände
    Hörzitat 1 (3'12): Verlesen der Namen der Angeklagten, Schuldspruch (O-Ton) Generalmajor Kiel (Präsident des amerikanischen Militärgerichts) und (O-Ton) Oberstaatsanwalt Denson / die Angeklagten bitten um mildernde Umstände: (O-Ton) Arthur Dietzsch / (O-Ton) Hubert Krautwurst / (O-Ton) Richard Köhler / (O-Ton) Hans Wolf / (O-Ton) Peter Merker / (O-Ton) Dr. Hans Eisele / (O-Ton) Hermann Helbig / (O-Ton engl) Edwin Katzenellenbogen /
    Hörzitat 2 (1'52): (O-Ton) Ilse Koch
    AD 12.08.1947 / DRA Babelsberg KONF.1888423 (15'00)

  • Reportage des Berliner Rundfunks über den Buchenwaldprozess
    Gespräch mit dem bayerischen Innenminister Josef Seifried und dem bayerischen Staatskommissar Dr. Philipp Auerbach
    (O-Ton) Josef Seifried und (O-Ton) Philipp Auerbach zum Ausgang des Prozesses
    AD 14.08.1947 / DRA Babelsberg KONF.1888425 (3'31)

  • Reportage des Berliner Rundfunks über den Buchenwaldprozess
    Letzter Verhandlungstag mit der Urteilsverkündung
    (O-Ton engl, danach dt Übersetzung) Oberstaatsanwalt Denson eröffnet die Urteilsverkündung / der Präsident des amerikanischen Militärgerichts (O-Ton engl, danach dt Übersetzung) Generalmajor Kiel verliest die Urteile
    AD 14.08.1947 / DRA Babelsberg KONF.1888424 (15'56)

  • Mit verbundenen Augen. Eine Dokumentation vom Rundfunk der DDR über die unbewältigte Gegenwart der westdeutschen Justiz
    Hörbild zum Umgang mit Verbrechen während der Zeit des 2. Weltkrieges in BRD und DDR / zwischen den Einspielen Sprecher mit Berichten und Betrachtungen zur unbearbeiteten nationalsozialistischen Vergangenheit von Führungskräften und Angestellten im Justizapparat in Westdeutschland und zu Gerichtsprozessen in der DDR / 00:02:21 - 00:04:57 (O-Ton) N. N., Reporter, meldet sich aus dem Gerichtssaal am 18.04.1947 aus Dachau und beschreibt die Fortsetzung des Buchenwaldprozesses (Atmo Stiefeltritte) / Generalmajor Kiel vereidigt den Zeugen / (O-Ton) Charles Kiel (engl, danach dt Übersetzung), Vorsitzender des Gerichts bei Befragung des Zeugen / (O-Ton) Kurt Sitte, ehemaliger Häftling und Zeuge im Buchenwaldprozess (engl, danach dt Übersetzung), berichtet von Gewaltanwendungen der Angehörigen der Schutzstaffel der National­sozia­listischen Deutschen Arbeiterpartei (SS) gegen Häftlinge / Der Reporter schildert die weiteren Aussagen des Zeugen über das Leben im Konzentrationslager Buchenwald / (O-Ton) Sitte mit Aussage über Tote in Blutteichen am Appellplatz / Zeuge benennt Hermann Hackmann, den Adjutanten des ersten Lagerkommandanten Karl Koch, als Verant­wort­lichen / Zeuge (engl) identifiziert Hackmann / Reporter schildert die Identifikation des Angeklagten durch den Zeugen / 00:04:57 - 00:06:21 Ausschnitt aus Buchenwaldprozess 1947: Kiel ruft Angeklagten Josias Prinz zu Waldeck auf / Reporter schildert den Verlauf der Verhandlung / Kiel im Buchenwaldprozess, bei Urteils­ver­kün­dungen gegen zu Waldeck (lebenslänglich), gegen den Verwaltungsführer im KZ Buchenwald, Otto Barnewald (Todesstrafe)
    ESD 03.02.1965 / DRA Babelsberg KONF.6771494 (29'05)

 

Fernsehdokumente

  • Aktuelle Kamera vom 17.05.1961
    Prozess gegen Kriegsverbrecher Wilhelm Schäfer in Berlin
    Bericht über den Kriegs­ver­brecher­prozess gegen Wilhelm Schäfer (ehemaliger SS-Haupt­scharführer) vor dem Obersten Gericht der DDR in Berlin wegen seiner Beteiligung an der Ermordung sowjetischer Kriegsgefangener im Konzentrationslager Buchenwald.
    ESD 17.05.1961 / DRA Babelsberg IDNR 438307 (3'08)

  • Im Blickpunkt – Auf den Spuren eines Prozesses
    20. Jahrestag der Urteilsverkündung im Prozess gegen die Wachmannschaft vom Konzentrationslager Buchenwald vor einem amerikanischen Militärgericht in Dachau. Die Dokumentation zeigt Fotos vom Prozess und Filmaufnahmen von Häftlingen im KZ Buchenwald, sowie das Leben von Josias zu Waldeck und Pyrmont (General der Waffen-Schutzstaffel, SS). Er war Hauptangeklagter im Buchenwald-Prozess und lebt in der BRD auf freiem Fuß.
    Videozitat (1'59): Interview mit N. N., Berichterstatter im Buchenwald-Hauptprozess in Dachau, zum Prozess gegen die Wachmannschaft des KZ Buchenwald vor dem US-amerikanischen Militärgericht in Dachau und zur Vollstreckung der Urteile bzw. der Begnadigung der Verurteilten / Kamerafahrt durch westdeutsche Stadt, Sprecher zur Begnadigung von Verurteilten
    ESD 14.08.1967 / DRA Babelsberg IDNR 246808 (11'26)

  • Der Mann, der einen Baum fällte
    Reportage über den Mörder von Ernst Thälmann, Wolfgang Otto. Zahlreiche Interviews, unter anderem mit Nachbarn, Einwohnern, seinem ehemaligem Schuldirektor und Emil Carlebach, der Otto im Konzentrationslager Buchenwald begegnete.
    ESD 16.03.1988 / DRA Babelsberg IDNR 026524 (18'30)

 

Stand: 30. März 2017

 

 

LETZTE ÄNDERUNG: 23.05.2017
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