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Das aktuelle Ereignis

Attentat auf Rudi Dutschke (11.04.1968)

50. Jahrestag am 11. April 2018



Foto: Rudi Dutschke
Rudi Dutschke
Foto: Fotoautomat, via Wikimedia Commons

Hörzitat 1 (1'46) aus: Dokument
DRA (Babelsberg) KONF.1864331

Hörzitat 2 (1'41) aus: Dokument
DRA (Babelsberg) KONF.6791510

Hörzitat 3 (1'42) aus: Dokument
DRA (Babelsberg) KONF.6791519


 

Am 11. April 1968, kurz nach 16.30 Uhr, wurde Rudi Dutschke auf dem Kurfürstendamm in Westberlin, in der Nähe der Geschäftsstelle des Sozialistischen Deutschen Studenten­bundes (SDS), von einem Attentäter angesprochen und durch drei Schüsse schwer verletzt. Dutschke war zu diesem Zeitpunkt einer der prominentesten Vertreter der antiautoritären Studenten­bewegung. Wie heute bekannt ist, hatte der Täter Josef Bachmann nicht nur neonazistische Überzeugungen, sondern auch Verbindungen zur rechtsextremen Szene. Er beging später Selbstmord. Dutschke starb 1979 an den Folgen seiner Verletzungen.

Das Attentat löste anhaltende Proteste in bundesdeutschen Großstädten und in Westberlin aus. Der Axel-Springer-Verlag wurde von den Studenten wegen seiner Berichterstattung für mitschuldig an dem Anschlag erklärt. Vertreter des SDS und auch Dutschke forderten schon seit einiger Zeit die Enteignung des Konzerns. In Berlin demonstrierten nach einer Versammlung in der Technischen Universität am Abend des 11. April Studenten am Axel-Springer-Hochhaus. Scheiben wurden eingeschlagen und Autos in Brand gesetzt, um die Auslieferung der Zeitungen zu verhindern. Ein Polizei-Aufgebot verteidigte das Gebäude.

Am 12. April 1968 versammelten sich erneut Studenten in der TU Berlin zu einer Protest­veranstaltung, auf der Redner ihre Forderungen wiederholten. Ein Demonstrationszug führte ab 15 Uhr vom Lehniner Platz zum Rathaus Schöneberg. Vor dem Rathaus kam es zu schweren Auseinandersetzungen mit der Polizei, die mit Wasserwerfern und Schlagstöcken gegen die Demonstranten vorging.

Der Rundfunk der DDR berichtete in einer Sondersendung und in den aktuellen politischen Magazinen zum Thema. Der Anschlag wurde scharf verurteilt. Dabei erwähnten die Journalisten nicht, dass Dutschke in der DDR aufgewachsen und nach dem Bau der Berliner Mauer 1961 in Westberlin geblieben, also ein DDR-Flüchtling war. Zwei Reporter des DDR-Rundfunks waren in Westberlin live vor Ort, um von den Protesten zu berichten. Zur Sondersendung kam der Journalist Peter Neuhof ins Studio in die Nalepastraße. Neuhof war offizieller Korrespondent des Rundfunks der DDR in Westberlin und wohnte auch im Westteil der Stadt. Die Reportagen wurden auf Band nach Ostberlin gebracht und geschnitten. Sie beeindrucken atmosphärisch durch unmittelbare Nähe zu den Ereignissen, mitunter steigert sich die Intonierung der Stimme wie bei Sportreportagen, um die Hörer ins Geschehen mit einzubeziehen (Hörzitat 2). Die bekannten, in die Zeitgeschichte eingegangenen Rufe und Sprechchöre wie "Bild hat mitgeschossen" und "Springer raus aus Westberlin" (Hörzitat 1) sind zu hören. Die Demonstranten skandieren "Rudi Dutschke", die Megaphonstimmen der Studenten- und Polizeisprecher ertönen, es fallen Schüsse.

In den politischen Anmerkungen der Reporter und in Kommentaren wurde der Kampf der Protestbewegung gegen die Notstandsgesetzgebung und den Vietnamkrieg betont. Die Bundesrepublik befand sich demnach auf dem Weg zur offenen "Notstandsdiktatur". Der aktuelle Polizeieinsatz wurde als "Notstandsübung" und "Notstandseinsatz" bezeichnet. Häufig zogen die Berichterstatter Vergleiche zur Zeit des Nationalsozialismus. Ein Reporter kommt bei der Schilderung des Polizeieinsatzes zum Schluss: "Das ist brutaler faschis­tischer Terror auf den Straßen Westberlins." (Hörzitat 2) Zur Untermauerung wurden auch biografische Kontinuitäten festgestellt. So wurde dem Kommandeur der Westberliner Schutzpolizei Hans Ulrich Werner vorgeworfen, ein ehemaliger SS-Offizier zu sein. Auch das Sonntagsgespräch des Deutschland­senders vom 14. April 1968 war dem Anschlag gewidmet. Zu Beginn wünschte Gesprächsleiter Kurt Ehrich (stellvertretender Vorsitzender des staatlichen Rundfunkkomitees der DDR) Dutschke Genesung und beteuerte: "Wir sind bei Rudi." Die wöchentliche Gesprächsrunde richtete sich vornehmlich an Hörer in Westdeutschland und Westberlin und endete häufig mit Aufforderungen an die bundesdeutsche Bevölkerung, etwas gegen die gefährliche, reaktionäre Politik in ihrem Land zu unternehmen. Folgerichtig ruft dann auch Erich Rau (Sekretär beim Zentralrat der FDJ) als Teilnehmer am Gespräch vom Ostersonntag 1968 die westdeutschen Bürger dazu auf, eine "antifaschistische Einheitsfront" zu formieren (Hörzitat 3).

 

(Tilo Köhler)

 

Tondokumente

  • Sondersendung zum Mordanschlag auf Rudi Dutschke
    Interview mit Dieter Ahrens (SED-Westberlin) / Reportagen zur Protestdemonstration vor dem Axel-Springer-Hochhaus in Westberlin / Situation vor dem Hochhaus in der Nacht zum 12.04.1968 / Reporter Peter Neuhof zum Polizeieinsatz in Westberlin mit Verweis auf den ehemaligen SS-Mann Hans Ulrich Werner als Kommandeur der Westberliner Schutzpolizei
    Hörzitat 1 (1'44): Reportage zur Situation vor dem Springer-Hochhaus und zum Verhalten der Polizei, darin Sprechchöre "Springer raus aus Westberlin" und "Rudi Dutschke", Polizeisprecher über Megaphon
    ESD 12.04.1968 / DRA (Babelsberg) KONF.1864331 (14'12)

  • "Pulsschlag der Zeit" vom 12.04.1968
    Nachrichten, u. a. zu den Protesten nach dem Attentat auf Dutschke und den Forderungen der Demonstranten / Protestdemonstration in Westberlin gegen Mordanschlag auf Rudi Dutschke: Zusammenschnitt von Reportagen über den Demonstrationszug zum Rathaus Schöneberg in Westberlin
    Hörzitat 2 (1'41): Reporter schildern den Polizeieinsatz mit Wasserwerfern und Knüppeln bei der Protestdemonstration und sprechen von faschistischem Terror
    Rundfunkmitarbeiterin Helga Borchard berichtet im Studio von ihren Beobachtungen beim Polizeieinsatz in Westberlin, u.a. hörte sie wie Polizei-Offiziere befehlen "Schlagt diese Schweine" / Umfrage unter Demonstranten in Westberlin über ihre Motive für die Teilnahme an der Demonstration
    ESD 12.04.1968, DRA (Babelsberg) KONF.6791510 (21'14)

  • Sonntagsgespräch des Deutschlandsenders
    Thema: Attentat auf Rudi Dutschke und die außerparlamentarische Opposition in der Bundesrepublik
    Gesprächsleiter: Kurt Ehrich, Gesprächsteilnehmer: Herbert Kröger (Direktor Institut für Internationale Beziehungen an der Deutschen Akademie für Staats- und Rechts­wissenschaften der DDR), Harri Czepuck (stellvertretender Chefredakteur "Neues Deutschland") und Erich Rau (Sekretär Zentralrat der FDJ)
    Hörzitat 3 (1'42): (O-Ton) Erich Rau: Westdeutsche Augenzeugen berichteten ihm, wie Westberliner Politiker den Polizeieinsatz vom Rathaus Schöneberg aus beobachteten. Konflikt ist ein Klassenproblem. Aufruf zur Bildung einer antifaschistischen Einheitsfront
    ESD 14.04.1968 / DRA (Babelsberg) KONF.6791519 (30'37)

  • Wie starb Benno Ohnesorg?
    Feature von Peter Neuhof und Peter Burau über die Studenten- und Protestbewegung in der BRD und Westberlin vom Tod Benno Ohnesorgs bis zur Maidemonstration 1968, enthält Nachrichten und Reportage–Ausschnitte zu den Protesten nach dem Attentat auf Dutschke sowie O-Töne von Rudi Dutschke, anderen Studentenvertretern und Politikern
    ESD 02.06.1968 / DRA (Babelsberg) KONF.1733628 (59'11)

 

 

Stand: 27. März 2018

 

 

LETZTE ÄNDERUNG: 29.03.2018
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