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Das aktuelle Ereignis

Übergabe des ersten in der DDR hergestellten Ein-Megabit-Speicherschaltkreises an Erich Honecker (12.09.1988)

30. Jahrestag am 12. September 2018



Kurzinformationen

Foto: Demonstration der geringen Größe des Ein-Megabitschaltkreises auf einem Fingernagel
Demonstration der geringen Größe des Ein-Megabit-Schaltkreises auf einem Fingernagel
Foto: DRA (Babelsberg ) /
Screenshot FESAD IDNR 027604

Ein "hervorragender Beitrag im Wettlauf mit der Zeit", so würdigte Erich Honecker in seiner Dankesrede die Leistung der Wissenschaftler, die am 12.09.1988 dem Staats­rats­vor­sitzenden der DDR das Muster eines Ein-Megabit-Schaltkreises feierlich überreichten. Die Nachrichten des DDR-Fernsehens berichteten ausführlich über diese feierliche Übergabe (Videozitat 1), doch statt die Leistungen der Wissenschaftler zu würdigen, wurde vor allem Erich Honeckers Ansprache über die Überlegenheit des Sozialismus gegenüber dem Kapitalismus zitiert. 14 Monate später fiel die deutsch-deutsche Grenze und die stark subventionierte Mikroelektronik in der DDR verlor ihre volkswirtschaftliche und politische Bedeutung angesichts der kommenden Öffnung des internationalen Marktes.

 

Videozitat 1 (0'59)
aus: Dokument (Babelsberg)
FESAD IDNR 185706

 

 

 

Wolfgang Biermann, Direktor des Kombinats VEB Karl-Zeiss Jena, überreicht gemeinsam mit Wissenschaftlern des VEB Forschungszentrum Mikroelektronik Dresden (ZMD) ein Muster des Ein-Megabit-Schaltkreises

 

War die Mikroelektronik ein großer Bluff? So fragte im März 1990 das neu im DDR-Fernsehen entstandene politische Fernsehmagazin "Klartext" und kam zu dem Schluss, dass der Ein-Megabit-Chip in der DDR viel zu teuer produziert wurde. Die geplante Jahreskapazität für die Produktion betrug 1990 bis zu 100 000 Stück – eine lächerlich geringe Menge im Vergleich zur japanischen Firma Toshiba, die diese Menge in einer einzigen Schicht schaffte. Die serien­mäßige Produktion des Megabitchips hätte im Jahr 1992 in Erfurt beginnen sollen, doch da existierte die DDR mit ihren Betrieben und Kombinaten schon lange nicht mehr.

Die Produktionskosten waren zu hoch, die wissenschaftliche Leistung jedoch beachtlich, denn die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des VEB Forschungszentrum Mikroelektronik Dresden (ZMD), ein Institut des VEB Carl Zeiss Jena, entwickelten den Chip nahezu selbst. Wie Olaf Klenke 2001 in seiner Arbeit "Ist die DDR an der Globalisierung gescheitert?" darstellt, konnten die Wissenschaftler nicht ohne weiteres auf westliche Basistechnologien zurückgreifen, da die DDR als sozialistisches Land auf der CoCom-Liste (Koor­dinie­rungs­ausschuss für multilaterale Ausfuhrkontrollen) stand und somit keine Technologien auf regulärem Wege aus dem westlichen Ausland beziehen konnte.

 

Videozitat 2 (1'57)
aus: Dokument DRA (Babelsberg) FESAD IDNR 027604

 

 

 

 
 

Forschergruppe beim erfolgreichen Test des ersten Ein-Megabit-Schaltkreises am 10.08.1988 im VEB Forschungs­zentrum Mikroelektronik Dresden

 

Die Fernseh-Reportage "Das Mega-Projekt oder die hemmungslosen Optimisten" versuchte diese Arbeit der Forscher sichtbar zu machen und gleichzeitig technologische Details zu vermitteln. Es wurden Menschen in orangefarbenen Schutzanzügen gezeigt, die in Reinräumen mit Kisten, Flüssigkeiten und Geräten hantierten; zahlreiche Programmierer und Entwickler in weißen Kitteln saßen in Großraumbüros hinter Computermonitoren. Leitende Personen, so auch Wolfgang Biermann, der Generaldirektor des VEB Carl Zeiss Jena, kamen zu Wort. Nebenbei wurde über die sozialen Errungenschaften im Institut berichtet: vom Betriebsfest über den kostenlosen Friseur bis hin zur Werkswohnung. Ein echter Höhepunkt der Reportage war jedoch der Blick in die Gesichter der Wissenschaftler nach erfolgreicher Prüfung des Ein-Megabit Schaltkreises am 10.08.1988 (Videozitat 2). Ihre Freude über den erfolgreichen Test verriet, unter welchem Druck sie gestanden haben müssen. Natürlich wussten die Forscher, dass es mit einem Muster allein nicht getan war. So wies Projektleiter Prof. Bernd Junghans darauf hin, dass "das Ende des Wettlaufs" erst erreicht sei, wenn der Industrie große Mengen bereit gestellt werden würden.

Anja Ludewig, Autorin dieser Reportage, sprach im Januar 1990 rückblickend davon, wie viel Spaß ihr die Dreharbeiten bereitet hatten, vor allem wegen des großen Engagements der Menschen im Dresdener Institut. Ihre politische Berichterstattung darüber sah sie Anfang 1990 allerdings kritisch und fühlte sich mitverantwortlich für die Legendenbildung, wonach die DDR in die wirtschaftliche Weltelite aufgestiegen sei (Videozitat 3).

 

Videozitat 3 (1'05)
aus: Dokument (Babelsberg)
FESAD IDNR 033860

 

 

 

 

 

 

Die Journalistin Anja Ludewig

 

Erste kritische Töne über die Effektivität der Mikroelektronik waren im November 1989 im Hörfunk der DDR zu hören. Der DDR-Ökonom Wolfgang Marschall las aus seiner Studie "Die DDR-Mikroelektronik an der Schwelle der 90er Jahre", worin er den Status quo analysierte und Vorschläge für eine effektivere Mikroelektronik unterbreitete. Aus heutiger Sicht eine interes­sante, zugleich aber auch absurd wirkende Lesung, denn zu diesem Zeitpunkt schien die DDR den Wettlauf mit der Zeit schon längst verloren zu haben.

 
(Brigitta Hafiz)

 

Fernsehdokumente

  • Aktuelle Kamera
    Bericht über die feierliche Übergabe des Ein-Megabit-Speicherschaltkreises und dessen Entwicklung. Verweis auf Massenproduktion, die in ein bis zwei Jahren beginnen könne.
    Videozitat 1 (0'59): Wolfgang Biermann, Direktor des Kombinats VEB Karl-Zeiss Jena, überreicht gemeinsam mit Wissenschaftlern des VEB Forschungszentrum Mikroelektronik Dresden (ZMD) ein Muster des Ein-Megabit-Schaltkreises. Erich Honecker bedankt sich dafür. Mit im Bild ist zeitweise der Sekretär des ZK der SED für Wirtschaft, Günter Mittag.
    ESD: 12.09.1988 / DRA (Babelsberg) IDNR185706 (6'00)

  • Wettlauf mit der Zeit F: 60. Das Mega-Projekt oder Die hemmungslosen Optimisten
    Die Reportage begleitet die Forscher ein halbes Jahr bei der Entwicklung des Ein-Megabit-Schaltkreises.
    Videozitat 2 (1'57): Forschergruppe beim erfolgreichen Test des ersten Ein-Megabit-Schaltkreises am 10.08.1988 im VEB Forschungszentrum Mikroelektronik Dresden. Jens Knobloch, Chefkonstrukteur, und Bernd Junghans, Leiter des Mega-Projekts, äußern sich freudig über das positive Ergebnis.
    ESD: 16.09.1988 / DRA (Babelsberg) IDNR027604 (31'00)

  • Klartext. In eigener Sache
    Fernsehjournalisten und -journalistinnen sprechen selbstkritisch über ihre Rolle im DDR-System.
    Videozitat 3 (1'16): Anja Ludewig im Interview mit Horst Mempel über politische Legendenbildung im DDR-Fernsehen.
    ESD: 22.01.1990 / DRA (Babelsberg) IDNR 033860 (30'00)

  • Klartext. Mikroelektronik – der große Bluff?Kritischer Blick auf die Geschichte der Mikroelektronik in der DDR seit den 1970er Jahren und auf die Situation in den DDR-Betrieben Anfang 1990. Abschließend wird die Rolle der Journalisten bei der Berichterstattung über die Mikroelektronik selbstkritisch hinterfragt.
    ESD:30.03.1990 / DRA (Babelsberg) IDNR032916 (30'00)
 

Tondokumente

  • Übergabe des ersten Megabit-Schaltkreises an Erich Honecker
    Redeausschnitte von Wolfgang Biermann (Generaldirektor VEB Carl Zeiss Jena) und Erich Honecker (Staatsratsvorsitzender der DDR) während der Übergabe. Der Journalist Malte Splettstößer interviewt Ulf Gottschling (Direktor des VEB Zentrum für Forschung und Technologie Mikroelektronik) und Bernd Junghans (Projektleiter) zum Ein-Megabit-Speicherschaltkreis.
    ESD: 12.09.1988 / DRA (Babelsberg) KONF.1908200 (14'35)

  • Urania im Funk: Mikroelektronik in der DDR
    Auszug aus der Studie "Die DDR-Mikroelektronik an der Schwelle der 90er Jahre". Autorenlesung. Wolfgang Marschall (Zentralinstitut für Wirtschaftswissenschaften bei der Akademie der Wissenschaften der DDR) analysiert die mangelnde Effektivität der DDR-Mikroelektronik und geht auf aktuelle Rahmenbedingungen ein.
    ESD: 15.11.1989 / DRA (Babelsberg) KONF.1902117 (34'03)

 

Stand: 10. September 2018

 

 

LETZTE ÄNDERUNG: 10.09.2018
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