Das ArchivRadio
präsentiert ausgewählte Tondokumente aus der ARD und dem DRA
25. Todestag von Walther von Seydlitz
Gedenktage zu Politik, Kultur und Gesellschaft: 28. April 2001
Kurzinformationen
Generaloberst Walther von Seydlitz-Kurzbach war 1942-1943 Kommandierender
General an der Front vor Stalingrad; seit Februar 1943 in sowjetischer
Kriegsgefangenschaft und hier Vorsitzender des Bundes deutscher Offiziere
und Vizepräsident des Nationalkomitees 'Freies Deutschland' (1943-1945).
Bild: Walther von Seydlitz
Foto: Deutsches Historisches Museum, Berlin
Aufnahmen
Gründungskonferenz des Bundes Deutscher Offiziere in Lunjowo
Darin u.a. Walther von Seydlitz
11.9.1943 / DRA Ffm 2894955/5; 1'48"
Rundfunkarbeitsbesprechung von Hans Fritzsche in Berlin
Darin u.a. über Walther von Seydlitz: Zur angeblichen Rede von General
Seydlitz über den "bolschewistischen Dienst" in Moskau: hält dies für unwahrscheinlich
/ Hält gar nichts von Generälen, "die in Moskau sprächen"
1.11.1943 / DRA Ffm B 4628919; (23'59)"
Nachrichten des Moskauer Rundfunks in deutscher Sprache
Darin u.a.: Erklärung von Walther von Seydlitz im Namen des 'Bundes
deutscher Offiziere': Verurteilung der deutschen Terrorakte in den besetzten
russischen Gebieten / Über den 'Bund deutscher Offiziere'
29.11.1943 / DRA Ffm 2813841/7; (3'45)"
Sender 'Freies Deutschland':
Verlesung des Briefes von Walther von Seydlitz im
Auftrag des Nationalkomitees 'Freies Deutschland' an den Oberkommandierenden
der 6. Deutschen Armee
Die neue 6. Armee steht einem übermächtigen Gegner gegenüber,
ähnlich wie wir vor einem Jahr in Stalingrad / Was wir damals nicht
wussten, dass wissen Sie heute: nämlich, dass der Krieg verloren
ist / Sie haben kein Recht mehr, diesen Kampf fortzusetzen / Aus ihrer
Lage gibt es keinen rettenden Rückzug mehr / Aufzählung der
Garantien bei einem Aufgeben des Kampfes / 'Stellen Sie den Kampf ein
und treten Sie an die Seite der Bewegung 'Freies Deutschland'"
Sprecher: Helmuth Schlömer, Generalleutnant
1944 / DRA Ffm B3323759; 4'26"
Ansage von Walther von Seydlitz zum Jahrestag der
Kapitulation der 6. Armee bei Stalingrad
"Die 6. Armee ging in Stalingrad zugrunde, weil sie auf Befehl Hitlers
in aussichtsloser Lage einen militärisch sinnlosen Widerstand fortsetzte.
Hunderttausende von Kameraden, die uns lieb und wert waren, wurden geopfert.
Ihre Stimme kann nicht mehr erklingen. Aber wir sprechen für sie
zu dir, deutsches Volk. Stalingrad, das für sie und uns Schicksal
wurde, Stalingrad, das den Wendepunkt in der Geschichte des Krieges
darstellt, muss für uns und für euch an der Front, für
euch in der Heimat, eine zwingende Lehre sein. Ihr müsst Deutschland
retten bevor es zu spät ist. Es ist nicht unehrenhaft, sondern
ein Gebot der Erhaltung unseres Volkes, wenn ihr euch weigert, den Krieg
in aussichtsloser Lage weiterzuführen. Verlasst euch nicht auf
haltlose Versprechungen. Wir erfüllen das Vermächtnis der
toten Kameraden von Stalingrad, wenn wir euch den Weg zu Rettung zu
Leben weisen. Wir Überlebende von Stalingrad sind diesen Weg vorausgegangen,
folgt uns zur Errettung und zur Erhaltung unseres Volkes! Kämpft
mit uns für ein freies und friedliches Deutschland, dem die Gegner
von heute die Hand zum Wideraufbau nicht versagen werden. Nur dieser
Kampf sichert die Zukunft unseres Volkes und bewahrt uns vor dem Schicksal
chaotischer Auflösung"
30.1.1944 / DRA Ffm 2783646/6; (8'00)"
Walther von Seydlitz über die Schlacht von
Stalingrad
Am 24. November kam General Paulus mit Hitlers Einigelungsbefehl zurück
/ "Verbrecherischer Befehl" / "Es galt zu handeln, verantwortlich allein
dem Gewissen und dem deutschen Volk. Die Armee soll durchbrechen"
Febr. 1944 / DRA Ffm 2773475/9; 1'15"
Aufruf von Walther von Seydlitz an die deutschen
Soldaten, die Kampfhandlungen einzustellen und an die Seite des NKFD
zu treten Hörzitat(1'48''): "Wir haben bei Stalingrad Tausenden deutscher
Soldaten durch Waffenstreckung in letzte Stunde das Leben gerettet.
Wir hätten eine 1/4 Millionen-Armee vor dem Untergang bewahren
können, wenn wir Hitler rechtzeitig den Gehorsam verweigert hätten.
Sie, meine Kameraden, tragen die Verantwortung für das Leben Ihrer
Soldaten nicht vor Hitler, sondern vor dem deutschen Volke ... Mit Ihren
Entschlüssen hindern Sie Hitler daran, das deutsche Heer in eine
weitere Kette derartiger schmachtvoller Niederlagen zu stürzen,
... - und deutsche Männer nutzlos zu opfern. Die Ehre des deutschen
Heeres verlangt die sofortige Einstellung der Kampfhandlungen und die
Erhaltung des Lebens der Ihnen anvertrauten deutschen Soldaten-. Stellen
Sie daher die Kampfhandlungen ein und treten sie über auf die Seite
des Nationalkomitees Freies Deutschland. Ich garantiere Ihnen in diesem
Falle mit Zustimmung der russischen Armee folgende: 1. Volle Sicherheit
für das Leben aller Offiziere und Soldaten, 2. Verpflegung, Unterkunft,
Bekleidung sowie Erleichterung des Loses im Rahmen des Menschenmöglichen
durch die russische Armee, 3. Geschlossenes Zusammenbleiben der Truppe
mit ihrem Führer. Entsenden Sie unverzüglich über die
russischen Kommandostellen Ihre Vertreter zu meinem Bevollmächtigten
Oberst Steiglitz, der sich an Ihrem Frontabschnitt befindet. Handelt
entschlossen und bewahrt deutsches Leben für die deutsche Zukunft!
7.2.1944 / DRA Ffm 2783631/9; 2'15"
Aufruf von Walther von Seydlitz
Am 18. Februar hat die große Kesselschlacht westlich Tscherkassy
ihr Ende gefunden / Diese Schlacht wird neben Stalingrad in die Geschichte
eingehen / Ein Verbrechen ohnegleichen ist geschehen / Die Einkesselung
durch die Rote Armee am 4. Februar beendet / Wie in Stalingrad wurde
befohlen auszuharren, und bis zur letzten Patrone zu kämpfen /
Es sind 10.000 deutsche Männer in den Tod getrieben worden / Die
Verluste der deutschen Divisionen sind mit 20.000 noch gering geschätzt
/ "Die Schuld an der Wiederholung dieses ungeheuren Geschehnis trägt
allein Hitler" / Die Rote Armee bot den eingekesselten deutschen Truppen
angesichts ihrer völlig aussichtslosen Lage am 8. Februar die ehrenvolle
Kapitulation an / Die deutsche Führung jedoch lehnte auf ausdrücklichen
Befehl die Übergabe schroff ab / Ein Teil der Generale und Offiziere,
darunter der General der Artillerie Stemmermann und General Lieb waren
in klarer Erkenntnis der total aussichtslosen Lage bereit gewesen, das
Angebot anzunehmen / Stemmermann musste seine Unentschlossenheit und
Unterordnung mit dem Leben bezahlen / "Solch Befehle und Ausführungen
haben nichts mehr mit Soldatentum zu tun, sie sind in militärischer
und moralischer Hinsicht ein Verbrechen, das an Wahnsinn grenzt" / Wir
im Nationalkomitee und vom Bund Deutscher Offiziere haben das Menschenmögliche
getan, den Kameraden im Kessel zu helfen, ihre Leben für die Familie
daheim und für Deutschland zu erhalten / "Es gilt Deutschland zu
retten, das ist der Kampf der Bewegung 'Freies Deutschland'. Wir werden
nicht ruhen und rasten, bis wir dieses Ziel erreicht haben"
22.2.1944 / DRA Ffm 2793660/2; 8'50"
Aufruf von Friedrich Paulus an das deutsche Volk
Darin u.a.: "... Heute wende ich mich zum zweiten Male an meine Kameraden
und das ganze deutsche Volk in tiefer Abscheu über die in diesen
Tagen durch den Rundfunk im Zusammenhang mit der Errichtung des Volkssturms
verbreiteten persönlichen Beschimpfungen eines um unser Volk und
Vaterland hochverdienten Mannes, des Eichenlaubträgers, General
der Artillerie Walther von Seydlitz, der als Kommandierender
General des 41. A.K. zu der von mir geführten 6. Armee gehörte.
Als ehemaliger Oberbefehlshaber stelle ich vor aller Welt fest: Es ist
eine infame Lüge, wenn der Reichssender behauptet, dass General
von Seydlitz vor anderthalb Jahren seine Truppe im Stich gelassen hat
und zum Feinde übergelaufen ist. Die Wahrheit ist vielmehr, dass
er, getreu seinem Fahneneid und der in zwei Weltkriegen immer von neuem
bewiesenen persönlichen Tapferkeit und Einsatzbereitschaft in den
Trümmern der Stadt Stalingrad bis zuletzt seine Pflicht getan hat
und, nachdem seit Tagen weder Munition noch Verpflegung vorhandne war,
ehrenvoll mit den Resten der 6. Armee in Kriegsgefangenschaft geraten
ist. ... Hier in Russland haben sich vaterlandsliebende deutsche Männer
aller Stände in der Bewegung 'Freies Deutschland' zusammengeschlossen,
... Einer der ersten, die sich mutig zu diesem Entschluss durchrangen,
war General von Seydlitz. Das Vertrauen seiner Kameraden hat ihn dann
an die Spitze des bald gegründeten 'Bundes Deutscher Offiziere'
gerufen ... Ein Herr Himmler, der durch seine Handlungen unserem Volke
die Ehre genommen hat, das er jetzt mit seinem Volkssturm gewissenlos
in den Selbstmord treiben will, hat kein Recht, über Ehre zu reden.
Der Bund Deutscher Offiziere aber, mit dem General von Seydlitz an der
Spitze, kämpft in den Reihen der großen Bewegung 'Freies
Deutschland' für die Wiederherstellung der Ehre des deutschen Volkes
..."
29.10.1944 / DRA Ffm 2925427/4; (5'20)"
Erklärungen zum Aufruf der 50 Generale vom 8. Dezember
1944
Darin u.a. Walther von Seydlitz: Es handelt sich um einen Raub-
und Eroberungskrieg Hitlers, wie ihn die Welt noch nie gesehen hat /
Aus diesem Grunde haben wir diesen Aufruf unterschrieben / Dieser Krieg
ist für uns längst verloren / Das deutsche Volk und die deutsche
Wehrmacht sollen sich gegen Hitler zusammenschließen, Hitlers
Regime kann gestürzt werden
Mitte Dez. 1944 / DRA Ffm 2915194/3; 2'00"
Hans Fritzsche, Leiter der Rundfunkabteilung im Reichsministerium
für Volksaufklärung und Propaganda, bei einer Arbeitsbesprechung des Reichsrundfunks
Darin u.a.: Über den Appell des "Verrätergenerals Seydlitz"
10.2.1945 / DRA Ffm 2966042/4; (8'40)"