Das ArchivRadio
präsentiert ausgewählte Tondokumente aus der ARD und dem DRA
40. Jahrestag
Auschwitz-Prozess in Frankfurt am Main eröffnet am
20. Dezember 1963
Gedenktage zu Politik, Kultur und Gesellschaft: 20. Dezember 2003
Kurzinformationen
Oswald Kaduk auf der Anklagebank des Auschwitz-Prozesses
Es beginnt der größte Massenmordprozess der deutschen Rechtsgeschichte.
Angeklagt sind 24 ehemalige Angehörige des Wachpersonals im KZ Auschwitz.
Im Prozess treten 359 Zeugen aus 19 Ländern auf. Am 19. August 1965 werden
die Urteile verkündet. Sechs Angeklagte erhalten lebenslange Freiheitsstrafen
Friedrich Karl Kaul, Nebenkläger
über das unverschämte Auftreten eines Teils der Verteidiger
gegen ausländische Zeugen
1964 / DRA Babelsberg 2013725004; 4'00"
Kurt Goldstein, Chefredakteur des Deutschlandsenders,
über seine Häftlingszeit in Auschwitz und seine Eindrücke
vom Prozess in Frankfurt am Main
Interviewer: Horst Grothe
Jan.1964 / DRA Babelsberg 2013723002; 14'00"
Bericht über den Prozess - Verhandlungen gegen den Angeklagten
Robert Mulka, 1942/43 Adjutant des Lagerkommandanten Rudolf Höß
und verantwortlich für die Vergasungsanlagen und die Beschaffung
des Zyklon B Tadeusz Holuy (O-Ton): SS-Männer und
Ärzte der SS entschieden über Leben und Tod / manchmal ganze
Transporte vergast / Selektion der Arbeitskräfte vor der Rampe
/ Junge, Gesunde und Arbeitsfähige konnten noch einige Wochen oder
Monate überleben / Der Rest zu Fuß ins Krematorium / Goldzähne,
Haare und Knochen der Opfer für Industriezwecke verkauft / Asche
der verbrannten Opfer in Teichen im Wald / Bis heute Überreste
kleiner Knochen in dieser Gegend / Reporter: Schilderung des Anteils
von Mulka an den Verbrechen und seiner Verbindungen zur Industrie, insbesondere
zu Dr. Ambros von den IG Farben / Auszüge aus dem Briefwechsel
zwischen Mulka und Ambros, der sich mit der Bestellung von Frauen als
Versuchsobjekten befasst / Mulka leugnet Wissen um Vernichtung und Gaskammern
/ Einblendung (O-Ton, übersprochen) Eichmann über Besichtigung
der Verbrennung der Opfer in Begleitung von Mulka / Mulka wisse, dass
die Hauptschuldigen beim Prozess fehlten
I nterviewer und Reporter: Unbekannt
10.1.1964 / DRA Babelsberg 2013722001; 7'00"
Originalton-Ausschnitte vom Frankfurter Auschwitz-Prozess
(20.12.1963 - 20.8.1965). Aussagen überlebender Zeugen Dr. Otto Wolken: Sein erster Eindruck vom
KZ Auschwitz Hermann Langbein: Über den Krankenblock
in Auschwitz / Säuglingen wurde die Häftlingsnummer in die
Schenkel eingraviert, die ihre Achseln zu schmal waren / Er fand Kinderleichen
neben Ratten Konrad Morgen: Schildert seinen Besuch in
Auschwitz als Leiter einer Untersuchungskommission: Die Duschräume
waren mit einer Öffnung versehen, in durch die das Gas geführt
wurde / Über das Krematorium, sachliche Atmosphäre / Schilderung
der Wachstuben in Auschwitz-Birkenau, über das Wachpersonal Józef Kral (poln., dt. Übers.):
Über die Verhörmethode durch Boger / Mußte stark gesalzenen
Hering ohne Wasser bis zum Erbrechen essen Walter Petzold : Schilderung der ersten Versuche
mit Gas im Sept./Okt. 1941 / Filip Müller: Schildert das
vergebliche Flehen einer Jüdin, die an die Wand zum Erschießen
gestellt wird 'Herr Kommandant, lassen Sie mich leben' / Alle wurden
erschossen Imre Günczi: Klehr hat Häftlinge
mittels Injektion getötet / Anschließend musste er die Leichen
ins Krematorium bringen Rudolf Vrba : Über seine Arbeit in der
Effektenkammer / Ein Teil der Kleider usw. wurde der Winterhilfswerk-Sammlung
übergeben Karl Lill Hörzitat(1'26"): Hat selbst beobachtet, wie Klehr das Zyklon-B
in einem Betonraum im kleinen Krematorium warf / Kurz danach hörte
man kurze erstickte Schreie durch die Betondecke Dr. Mauritius Berner: Über seine Ankunft in Auschwitz
/ Trennung von seiner Frau und seinen drei Töchtern / Begegnung
mit Dr. Mengele und Dr. Capesius / Hat seine Familie nie wieder gesehen Dov Paisikovics: Musste die Leichen in die
Gräben schleppen, wo sie dann verbrannt wurden Elise Hainisch-Utem: Hat als Zahnärztin
in Auschwitz die riesigen Flammen über dem KZ gesehen / Ein SS-Mann
sagte ihr, dass Juden verbrannt worden seien Joachim Kügler, Staatsanwalt: Plädoyer
/ Auschwitz war "ein Hohlraum völliger Kulturentleerung" / Beantragt
gegen Mulka wegen Mordes lebenslange Haftstrafe / Hans Latemser, Verteidiger (10.6.65): Zur
Selektion an der Rampe in Auschwitz-Birkenau / 'Sie führte zur
Verhinderung der vollständigen Vernichtung' / 'Der Selekteur war
dem einen oder anderen ein Lebensretter Fritz Bauer (FS-Sendung, 1965): Deutschland
und die Welt würde aufatmen, wenn seitens der Verteidigung ein
menschliches Wort gegenüber den Überlebenden fallen würde
- es ist nicht gefallen, und es wird nicht fallen
1963-1965 / DRA Ffm B6613100; 51'10"
Frankfurter Auschwitzprozess.
117. Verhandlungstag
Aussage des Zeugen Rudolf Vrba, ehemaliges Mitglied eines Aufräumkommandos:
Über seine Ankunft in Auschwitz und seine Arbeit im Aufräumungskommando
auf der Rampe bei Ankunft, Selektion und Vergasung von Transporten sowie
sortieren der Gepäckstücke und Wertsachen von vergasten Menschen
/ Über seine Beobachtung der Vergasung von Häftlingen
30.11.1964 / DRA Ffm B7902680; 12'10
Zahlreiche weitere Original-Ton-Aufnahmen vom Prozess auf Anfrage (DRA
Frankfurt am Main)
Stand: 20. Dezember 2003
Hinweis
Das Fritz Bauer Institut in Frankfurt a.M. bereitet z.Zt. ein Ausstellungsprojekt
vor mit dem Titel: Der
Auschwitz-Prozess - 40 Jahre danach
Eine historisch-dokumentarische Ausstellung mit internationaler zeitgenössischer
Kunst
Die Ausstellung wird vom 25. März bis 23. Mai 2004 im Fritz Bauer Institut
zu sehen sein.