Chronik

Anfänge bis 1933 | 1933-1945 | 1945-1949 | 1950-1989 | 1989-1998

- - - 1887
Heinrich Hertz weist die elektromagnetischen Wellen nach und schafft damit die Voraussetzung für die spätere (Rund)Funktechnik.
1897
Hans Bredow
Hans Bredows Rundfunkversuche
an der Westfront, 1917
Foto: DRA


Adolf Slaby und Georg Graf von Arco führen die ersten drahtlosen Experimente in Deutschland vor.
1910
In den USA wird erstmals drahtlos aus der Metropolitan Oper die Stimme eines Sängers übertragen.
1917
Telefunken-Direktor Hans Bredow erprobt während des Ersten Weltkriegs den ersten Röhrensender und unterhält die Soldaten mit Musikdarbietungen.
1919
Die Reichsverfassung der Weimarer Republik tritt in Kraft
1920
Das erste drahtlose Konzert wird vom Sender Königs Wusterhausen verbreitet.
1922
Gründung der erste Rundfunkgesellschaft, der Deutschen Stunde, Gesellschaft für drahtlose Belehrung und Unterhaltung mbH, Berlin Sendebeginn des "Wirtschaftsrundspruchs", einer Art Nachrichtendienst.
In München wird die Deutsche Stunde in Bayern mbH als erste Bezirksgesellschaft gegründet. Die Reichspost hatte Deutschland zuvor aus technischen Gründen in neun etwa gleich große Sendebezirke eingeteilt. Der Londoner Rundfunk beginnt mit der regelmäßigen Ausstrahlung von Sendungen.
1923
Eröffnung des Rundfunks in Deutschland am 29. Oktober durch die Deutsche Stunde mit einem Konzertprogramm von 8.00 Uhr bis 9.00 Uhr abends aus dem Haus der Schallplattenfirma Vox in der Potsdamer Straße, Berlin. Bis Oktober 1924 werden auch in den übrigen Bezirken Sendegesellschaften gegründet: Südwestdeutsche Rundfunkdienst AG, Frankfurt am Main, Radio-Stunde AG, Berlin (Sie löst die Deutsche Stunde, Berlin ab und wird bald in Funk-Stunde AG umbenannt.), Ostmarken-Rundfunk AG, Königsberg i. Pr., Nordische Rundfunk AG, Hamburg, Mitteldeutsche Rundfunk AG, Leipzig, Süddeutsche Rundfunk AG, Stuttgart, Schlesische Funkstunde AG, Breslau und Westdeutsche Funkstunde AG, Münster, später Köln.
Sendegebiete
Sendebezirke in Deutschland, 1928
Quelle: DRA
1924
Die Rundfunkgebühr wird zum Jahresbeginn von 24 auf 60 Mark jährlich angehoben. Um dem Schwarzhören entgegenzutreten und die Verbreitung des neuen Mediums zu fördern, wird die Gebühr aber schon zum 1. April wieder auf monatlich 2 Mark reduziert. Gründung der Deutschen Welle GmbH, Berlin, als zentraler Rundfunkgesellschaft mit einem reichsweiten Bildungsprogramm (Sendebeginn 1926).

Erste große deutsche Funkausstellung in Berlin.
1925
Mädchen mit Rundfunkdetektor
Mädchen mit Rundfunkdetektor und Kopfhörern
Foto: DRA

Gründung der zentralen Reichs-Rundfunk-Gesellschaft mbH, Berlin, zur Wahrnehmung gemeinsamer Interessen der regionalen Sendegesellschaften.
1926
Die Reichsregierung erläßt "Richtlinien über die Regelung des Rundfunks". Es werden Politische Überwachungsausschüsse und Kulturbeiräte eingerichtet, die dem Reich und den Ländern Mitwirkungsrechte bei Programmfragen und - durch Mehrheitsanteile an den einzelnen Sendegesellschaften - auch bei der wirtschaftlichen Entwicklung des Rundfunks sichern. Die Regierungen des Reiches und der Länder dürfen jederzeit "Auflagenachrichten" verbreiten lassen.

Die Drahlose Dienst AG wird zur Nachrichtenstelle des deutschen Rundfunks und damit zur zentralen Nachrichtenredaktion bestimmt.
Hans Bredow
Hans Bredow vor Reisz-Mikrofon, 2. Hälfte der 20er Jahre
Foto: DRA/Hermann Meier

Der bisherige Staatssekretär im Reichspostministerium Hans Bredow wird Rundfunkkommissar des Reichspostministers und Vorsitzender des Verwaltungsrates der Reichs-Rundfunk-Gesellschaft.
1929
Der deutsche Weltrundfunksender geht über Kurzwelle in Betrieb.
1932
Neue "Richtlinien des Rundfunks" treten in Kraft und besiegeln die sich seit längerem anbahnende Verstaatlichung des Rundfunks. Die Geschäftsanteile der Sendegesellschaften gehen in die öffentliche Hand über, die Programmaufsicht wird von Staatskommissaren übernommen.

Anfänge bis 1933 | 1933-1945 | 1945-1949 | 1950-1989 | 1989-1998

- - - 1933
Propagandaplakat
Propagandaplakat für den "Volksempfänger", 1936
Foto: DRA

Als Gemeinschaftsprodukt von 28 Radiofirmen kommt der "Volksempfänger 301" (= 30.1., Tag der nationalsozialistischen Machtübernahme) für 76 Mark auf den Markt.
Hitler wird Reichskanzler, Propagandaminister Joseph Goebbels übernimmt die politische, personelle und programmbezogene, sowie die wirtschaftliche Überwachung des Rundfunks. Der Drahtlose Dienst wird der Presseabteilung seines Ministeriums eingegliedert.
Werbeplakat
Foto: DRA

Gründung der Reichsrundfunkkammer, der alle Beschäftigten des Rundfunks angehören müssen.
1934
Die ehemals selbständigen Rundfunkgesellschaften werden als Reichssender Filialen der Reichs-Rundfunk-Gesellschaft.
1938
Der "Deutsche Kleinempfänger" kommt für 35 Mark auf den Markt; der Volksmund nennt ihn "Goebbels-Schnauze".
1939
Kameradschaftsdienst
Der "Kameradschaftsdienst" verteilt Kleinempfänger, 1942
Foto: DRA
Mit Kriegsbeginn treten "Außerordentliche Rundfunkmaßnahmen" in Kraft, durch die das Abhören von Auslandssendern unter Strafe gestellt wird.
1940
Die Reichssender werden zum Reichsprogramm zusammengeschaltet, Regionalsendungen sind nur noch am Vormittag zugelassen. Ein zweites reichsweites Programm ist über den Deutschlandsender zu empfangen.

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- - - 1945
Die Rote Armee besetzt am 2. Mai das Berliner Funkhaus. Schon am 4. Mai beginnt die britische Militärregierung von Hamburg aus mit dem Sendebetrieb.

Den Deutschen wird nach den alliierten "Bestimmungen über die Nachrichtenkontrolle" zunächst jegliche publizistische Tätigkeit verboten.
Bis März 1946 richten die vier Militärregierungen in ihren jeweiligen Besatzungszonen Rundfunkstationen ein: Radio Hamburg, Radio München, Berliner Rundfunk, Radio Stuttgart, Radio Frankfurt, Sender Leipzig (Mitteldeutscher Rundfunk), Sender Köln (als Filiale des NWDR), Radio Koblenz, Radio Bremen und Radio Saarbrücken. In Berlin gründen die Amerikaner den Drahtfunk im amerikanischen Sektor, weil sie im sowjetisch dominierten Berliner Rundfunk nicht ausreichend berücksichtigt werden.
1947
Nachdem amerikanische Rundfunkoffiziere bereits im Mai 1946 den "Entwurf zu einer Erklärung über Rundfunkfreiheit in Deutschland" beschlossen hatten, befiehlt die amerikanische Militärregierung am 21. November die Einrichtung dezentraler und von Regierungseinfluß freier Rundfunkorganisationen. Ü-Wagen
Der erste Ü-Wagen der Nachkriegszeit, Sommer 1946 bei Radio Stuttgart
Foto: Süddeutscher Rundfunk
1948
Der Nordwestdeutsche Rundfunk wird durch eine britische Verordnung die erste Rundfunkanstalt des öffentlichen Rechts.
Haus des Rundfunks
Haus des Rundfunks an der Berliner Masurenallee nach 1945
Foto: DRA/Herrmann
Bis Juli 1949 verabschieden die Landtage von Bayern, Hessen, Bremen und Württemberg-Baden Gesetze über öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten in ihrem Gebiet. Daraus entstehen der Bayerische Rundfunk, der Hessische Rundfunk, Radio Bremen und der Süddeutsche Rundfunk. Der Südwestfunk erhält seine öffentlich-rechtliche Form durch Verordnung der französischen Militärregierung.
1949
Der NWDR startet in Köln und Hamburg mit jeweils eigenen Programmen auf UKW zusätzlich zum bisherigen Programm auf Mittelwelle.

Aus der sowjetischen Besatzungszone beginnt der Deutschlandsender sein Programm auszustrahlen.

Verabschiedung des Grundgesetzes und Gründung der Bundesrepublik Deutschland.
Die Alliierte Hohe Kommission setzt ein Gesetz in Kraft, das die Freiheit der Presse und des Rundfunks gewährleisten soll. Die Alliierten behalten sich die Funkhoheit vor: Ohne ihre Zustimmung dürfen keine neuen Rundfunk- oder Fernsehsender errichtet werden.

Gründung der DDR.

Die sowjetische Militärverwaltung übergibt letzte Kontrollfunktionen über den Rundfunk an die neue Regierung.

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- - - 1950
Die westdeutschen Rundfunkanstalten schließen sich am 10. Juni zur Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten in der Bundesrepublik Deutschland (ARD) zusammen.

Erste deutsche Funkausstellung nach dem Zweiten Weltkrieg in Düsseldorf.
Plakat
Plakat der Funkausstellung von 1950
Foto: DRA
1952
Hör Zu
Titelbild der Hör Zu von 1952
Foto: DRA
Bildung des Staatlichen Rundfunkkomitees durch den Ministerrat der DDR als Nachfolgebehörde der Generalintendanz für die Ostzone.

Berliner Rundfunk und Mitteldeutscher Rundfunk werden samt der angegliederten Landessender und Regionalprogramme aufgelöst. An ihre Stelle treten drei zentrale Programme: Berlin 1 mit Schwerpunkt Politik, Berlin II (Deutschlandsender) mit den Schwerpunkten Kultur und Bildung und Berlin III mit volkstümlichen Sendungen.
1953
Hörspielproduktion
Hörspielproduktion 1955
Foto: Hessischer Rundfunk/Jäger
Die Deutsche Welle, das Kurzwellenprogramm der Bundesrepublik, beginnt mit ihren deutschsprachigen Sendungen für das außereuropäische Ausland.

In der DDR beginnen die 15 Bezirksstudios mit ihren Zulieferungen zum Zentralprogramm.

Gründung des Senders Freies Berlin
1956
Volksschulklasse
Volksschulklasse beim Abhören des Schulfunks, 50er Jahre
Foto: Hessischer Rundfunk
Der Norddeutsche und der Westdeutsche Rundfunk treten an die Stelle des NWDR.

Sendebeginn des Deutschen Freiheitssenders 904 in der DDR als Sprachrohr für die in der Bundesrepublik verbotene Kommunistische Partei.
1959
Die ARD-Rundfunkanstalten beginnen mit einem Hörfunk-Nachtprogramm als Reaktion auf die nächtlichen Sendungen des DDR-Rundfunks.

Gründung des Saarländischen Rundfunks.
1960
Die Stereophonie wird mit einem Eröffnungskonzert im Haus des Rundfunks in (West)Berlin eingeführt.

Sendebeginn des für Westdeutschland bestimmten Deutschen Soldatensenders 935 in der DDR.
Gründung der Bundesrundfunkanstalten Deutsche Welle, zuständig für die Veranstaltung von Rundfunksendungen für das Ausland, und Deutschlandfunk ("Wiedervereinigungssender"), der Sendungen für Deutschland und das europäische Ausland anbieten soll.
1964
Nach dem Deutschlandtreffen der Freien Deutschen Jugend in (Ost)Berlin wird das "Jugendstudio DT64" ins Leben gerufen und erhält einen werktäglichen festen Sendeplatz im Berliner Rundfunk.
Sendebeginn der gemeinsamen ARD-Hörfunkprogramme für Ausländer.
DT64
1970
Durch Staatsvertrag der Länder werden zum Jahresbeginn die Rundfunkgebühren erstmals seit 1924 angehoben, für den Hörfunk von 2,00 auf 2,50 DM. Servicewelle HR3
Werbebild für die neue Servicewelle HR3
Quelle: DRA
1971
Der Bayerische Rundfunk startet als erster mit einem dritten Hörfunkprogramm, das vor allem als Servicewelle für Autofahrer konzipiert ist.

Das Staatliche Komitee für Rundfunk der DDR beschließt, daß Deutschlandsender und Berliner Welle durch die Stimme der DDR ersetzt werden.
1972
Der Deutsche Soldatensender 935 der DDR stellt nach Abschluß des Viermächteabkommens seinen Betrieb ein. Jugendlicher Radiohörer
Jugendlicher Radiohörer
Foto: DRA/Telefunken
1976
Auf Empfehlung der 1973 von der Bundesregierung berufenen Kommission für den Ausbau des technischen Kommunikationssystems (KtK) beschließen die Ministerpräsidenten der Länder die Einrichtung von Kabelpilotprojekten in Berlin, München, Ludwigshafen-Mannheim und Dortmund.
1980
Beginn des zweiten bundesweiten Hörfunknachtprogramms der ARD-Anstalten mit einem Angebot klassischer Musik von 0.05 Uhr bis 2.00 Uhr. Der Bayerische Rundfunk startet als erste Rundfunkanstalt ein viertes Hörfunkprogramm: "Bayern 4 Klassik".
1984
Start des Kabelpilotprojekts Ludwigshafen unter der Obhut der öffentlich-rechtlichen Anstalt für Kabelkommunikation. Der niedersächsische Landtag verabschiedet als erstes Landesparlament ein Landesrundfunkgesetz zur Zulassung privatwirtschaftlichen Rundfunks.
1985
Start der Kabelpilotprojekte in Dortmund und Berlin

Beginn des dritten ARD-Hörfunknachtprogramms, des ARD-Nachtrock.
Kupfer- und Glasfaserkabel
Kupfer- und Glasfaserkabel im Vergleich
Foto: FTZ Darmstadt
1986
Sendebeginn der DDR-Hörfunkkette über UKW für Jugendradio DT64. Das Bundesverfassungsgericht weist den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten die "Grundversorgung" zu.
1987
Die Bezirkssender des DDR-Rundfunks erhalten mehr Sendezeit und werden stellvertretenden Komiteevorsitzenden unterstellt. Verabschiedung des "Staatsvertrags zur Neuordnung des Rundfunkwesens", in dem Regelungen für den öffentlich-rechtlichen und den privaten Rundfunk in einem "dualen System" enthalten sind.

Anfänge bis 1933 | 1933-1945 | 1945-1949 | 1950-1989 | 1989-1998

- - - 1989
Als letztes Bundesland erhält Bremen ein Landesmediengesetz, das privatwirtschaftlichen Rundfunk zuläßt.

An die Stelle der Staatlichen Komitees für Rundfunk bzw. Fernsehen treten der Rundfunk der DDR und das Fernsehen der DDR jeweils unter einem Generalintendanten.
Im Rahmen eines technischen Betriebsversuchs mit digitalem Satellitenrundfunk beginnt die Deutsche Bundespost mit der Ausstrahlung von Hörfunkprogrammen (darunter elf der ARD-Rundfunkanstalten) über 16 Kanäle
1990
Im Rundfunk der DDR konstituiert sich ein Hörrundfunkrat, dem Vertreter der am runden Tisch beteiligten Parteien und Bürgerbewegungen angehören.

Rundfunk und Fernsehen der DDR werden unabhängige öffentliche Einrichtungen.

Zusammenlegung von Deutschlandsender (Stimme der DDR) und Radio DDR II zu DS-Kultur.
SFB auch für Ost-Berlin zuständig.

Deutschen Vereinigung am 3. Oktober. Laut Artikel 36 des Einigungsvertrages sollen Hörfunk und Fernsehen in den neuen Bundesländern längstens bis zum 31.12.1991 als "gemeinschaftliche, staatsunabhängige, rechtsfähige Einrichtung" weitergeführt werden.
1991
Mit "B5 aktuell" startet der Bayerische Rundfunk den ersten reinen Nachrichtenkanal in Deutschland.

Die neuen Rundfunkanstalten öffentlichen Rechts, der Mitteldeutsche Rundfunk und der Ostdeutsche Rundfunk Brandenburg, treten der ARD bei.

Durch Staatsvertrag wird der Zuständigkeitsbereich des NDR auf Mecklenburg-Vorpommern erweitert.
Sendebezirke
Neue Bundesländer mit den Sendebezirken von NDR, SFB, ORB und MDR
1992
ARD und ZDF führen DS-Kultur weiter.
1993
Deutschlandfunk, RIAS und DS-Kultur fusionieren zu einer bundesweiten Hörfunkanstalt DeutschlandRadio, der von Berlin und Köln aus jeweils ein werbefreies Informations- und Kulturprogramm anbietet. Träger sind ARD und ZDF.
1997
Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz schließen einen Staatsvertrag über die Fusionierung des Süddeutschen Rundfunks und des Südwestfunks zum Südwestrundfunk (SWR)

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