An das
Reichspropagandaamt
z. Hd. v. Ministerialrat Hans Fritsche
Berlin
Wir hörten Ihren Bericht am Freitag, den 16. Juni 1944, 19.30 Uhr.
Kurz darauf hatten wir Gelegenheit im Luftschutzkeller und am nächsten Tag
in der Straßenbahn usw. zu hören, wie die Kölner Bevölkerung
Ihre Ausführung aufgenommen hatte. So sehr wir im Westen uns über
jedes Wort, daß über die Vergeltung gesprochen wird, freuen und mit
ganzem Herzen die Ereignisse verfolgen, so sehr hat es hier befremdet, daß
Sie es so dargestellt haben, als ob die Reichshauptstadt allein furchtbare Schläge
hat aushalten müssen, und sich dabei tapfer bewährt hat. Wir haben
bestimmt mit der Berliner Bevölkerung mitgefühlt, als dort im Herbst
1943 die schweren Angriffe anfingen, weil wir aus jahrelanger eigener Erfahrung
wissen, wie furchtbar Angriffe sind. Wir fanden aber wenig Verständnis dafür,
daß Sie behaupten, daß Berlin die härtesten Schläge
aushalten mußte. Die Städte im Rheinland haben bestimmt ein
Vielfaches an Alarmen und Angriffen über sich ergehen lassen müssen.
Wir sind aufmerksame Hörer Ihrer Berichte und würden uns
freuen, gelegentlich zu hören, daß andere Städte ebenso wie
Berlin mindestens gleich harte Schläge haben hinnehmen müssen und sich
ebenso tapfer bewährten.
Im Namen vieler Kölner.