Schriftsteller im Rundfunk
Autorenauftritte im Rundfunk der Weimarer Republik 1924-1932
Die Zusammenarbeit zwischen Schriftstellern und Rundfunk begann in Deutschland
im Februar 1924, wenige Monate, nachdem am 29. Oktober 1923 die Berliner
Sendegesellschaft als erste von insgesamt zehn Gesellschaften ihren Programmbetrieb
aufgenommen hatte. Bis Ende 1932 gab es mehr als 16.000 Schriftstellerauftritte
in Form von Lesungen, Gesprächen, Berichten, Konzerten mit literarischen
Einlagen u.a.m. Weit über 2.000 Autoren realisierten in den neun Jahren
bis zum Ende der Weimarer Republik diese neue Möglichkeit der Selbstdarstellung
und erschlossen sich so eine zunehmend wichtigere Verdienstquelle.
Wer sind die Autoren, die schon in den 20er Jahren den Rundfunk als ein
Medium zur Verbreitung von Literatur entdeckten oder umgekehrt vom Rundfunk
allererst als Autoren entdeckt wurden? Fast alle damals arrivierten deutschen
Schriftsteller sind mit Sendungen in der Dokumentation vertreten, von Johannes
R. Becher über Werner Beumelburg und Thomas Mann bis hin zu Arnold Zweig.
Auf diesem Feld bewies der Rundfunk der Weimarer Republik seine Überparteilichkeit,
selbst wenn auch der Literaturbereich immer wieder von Zensur betroffen war.
Noch nicht arrivierte Literaten wie etwa Wolfgang Weyrauch oder Günther
Eich konnten im Rundfunk ihre Texte einem größeren Publikum vorstellen,
was ihnen den Weg zu einer Karriere als Schriftsteller und teilweise als
Hörspielautor ebnete.
Die hier zugängliche Dokumentation listet alle diese Sendungen mit
Titel, Sendedatum und -uhrzeit, Sendegesellschaft sowie weiteren inhaltlichen
und technischen Angaben auf, soweit sie den Programmausdrucken der damaligen
Rundfunkzeitschriften zu entnehmen sind. Damit wurde für Untersuchungen
programmgeschichtlicher und literaturwissenschaftlicher Provenienz eine solide
empirische Grundlage geschaffen.
Nicht nur kann die allgemeine Frage nach der Bedeutung des Rundfunks für
die Literatur und der Literatur für den Rundfunk in der Weimarer Republik
auf neuer Basis diskutiert werden, auch spezielle Studien, etwa zur Regionalliteratur
oder zu einzelnen Autoren werden hier Anregungen erhalten. Nicht zuletzt
bildet die Dokumentation eine Fundgrube auch für das Schaffen jener
Schriftsteller, die nach 1933 in Deutschland nicht mehr publizieren durften
und von denen viele ins Exil vertrieben oder in Konzentrationslager verschleppt
wurden.
Während die Online-Fassung dieser Dokumentation es dem Benutzer ermöglicht,
sich dem Gegenstand analytisch zu nähern, d.h. sich über präzise
Fragen einen Ausschnitt zu erschließen, ermöglicht die parallele
Buchpublikation einen Überblick über alle Sendungen, an denen Schriftsteller
live beteiligt waren. Geordnet nach Autorennamen ist die Dokumentation,
die von Theresia Wittenbrink zusammengestellt und bearbeitet wurde unter
dem Titel "Schriftsteller vor dem Mikrophon. Autorenauftritte im Rundfunk der Weimarer Republik 1924 - 1932"
in der Reihe der Veröffentlichungen des Deutschen Rundfunkarchivs als Band 36 erschienen.
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