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Frauentag in der DDR: Neue Videosammlung auf Retro Spezial

Frauen am Arbeitsplatz vor Garnrollen auf Textilmaschinen im VEB Feinstrumpfkombinat ESDA, in Oberlungwitz, Bezirk Karl-Marx Stadt

Frauen am Arbeitsplatz vor Garnrollen auf Textilmaschinen im VEB Feinstrumpfkombinat ESDA, in Oberlungwitz, Bezirk Karl-Marx Stadt

Der Internationale Frauentag ist seit 2019 ein gesetzlicher Feiertag in Berlin. Im Ostteil der Stadt und in der DDR wurde der 8. März bereits seit 1947 – mit Gründung des Demokratischen Frauenbundes Deutschlands - offiziell begangen. Eine neue Videosammlung in der ARD Mediathek Retro Spezial  zeigt das Bild, das die staatlichen Medien von der Situation der Frauen in den frühen 60er Jahren zeichnen.

Ambivalenz der Gleichberechtigung

 

Der Frauentag in der DDR hatte eine erhebliche propagandistische Bedeutung: Die gleichberechtigte und vollzeitbeschäftigte Frau (und Mutter) galt hier als politisches Leitbild. Schon 1960 lag der Anteil an erwerbstätigen Frauen in der DDR bei rund 62 Prozent, und die Quote stieg aufgrund staatlicher Bemühungen und ökonomischer Zwänge kontinuierlich an.

Aber kaum anders als in Westdeutschland arbeiteten Frauen in der DDR mehrheitlich in frauentypischen (und schlechter bezahlten) Berufen – im sozialen und pflegerischen Bereich oder der Textil- und Elektroindustrie. Entgegen der staatlichen Proklamationen bekleideten Frauen nur selten Führungspositionen. Und Hausarbeit, Kinderbetreuung und Pflege von Angehörigen blieben meist weiter in der praktischen Zuständigkeit der Frauen. Sie trugen die Mehrfachbelastung für Erwerbs- und Familienarbeit.

Warum sich die meisten ostdeutschen Frauen dennoch bis heute gern an den DDR-Frauentag erinnern? Weil sie im Mittelpunkt standen und gesellschaftliche Wertschätzung erfuhren, jenseits von Nelken, Sekt und Pralinen.