Magazinraum DDR-Fernsehbestand | Bildquelle: DRA/Sabrina Bernhöft
Bildquelle: DRA/Sabrina Bernhöft

DDR-Fernsehbestand

1952 – 1991

DDR-Fernsehbestand

1952 – 1991

Das DDR-Fernsehen sendete zunächst ein, ab 1969 zwei Programme. Mit Start des zweiten Programms konnten Sendungen in Farbe ausgestrahlt werden. Von der ersten Sendung 1952 bis zum Ende des DDR-Fernsehens am 31.12.1991 sind insgesamt rund 60 Prozent der Fernsehproduktionen bei uns überliefert.

Der Bestand umfasst das gesamte Spektrum an Formaten, die zu DDR-Zeiten im Fernsehen liefen: Spielfilme, Dokumentationen, publizistische Formate, Unterhaltungs- und Ratgebersendungen sowie Formate für Kinder und Jugendliche.

Für die Inhalte des Programms war das Staatliche Fernsehkomitee zuständig. Es unterstand der direkten Kontrolle durch den SED-Parteiapparat.

  • Fiktionale Formate

    Aus dem fiktionalen Bereich sind zahlreiche Literaturverfilmungen überliefert, darunter »Effi Briest« (1970) und »Kleiner Mann – Was nun?« (1967). Damit verwandt sind Historien- und Kostümfilme mit teilweise aufwändigen Ausstattungen wie »Sachsens Glanz und Preußens Gloria« (1985 – 1987) oder »Martin Luther« (1983).

    So genannte antifaschistische Filme wie »Die Verschworenen« (1971 – 1972) und die Gegenwartsdramatik (»Wege übers Land« 1968, »Daniel Druskat« 1976) sollten die Legitimation der sozialistischen Gesellschaft in der DDR untermauern. Damals wie heute wirken einige Gegenwartsfilme sperrig und didaktisch bemüht. Andere Filme wie »Jule, Julia, Juliane« (1972) verfolgten filmkünstlerische Ansprüche.

    Für heitere Stunden sollten Unterhaltungsfilme sorgen. Komödien wie »Schwester Agnes« oder »Mein lieber Mann und ich« (beide 1975) stellten Geschichten zu Alltag und Familie  humorvoll dar. Auch Lustspiele und Schwänke wie »Männerwirtschaft« und andere Formate, die auf Theaterbühnen gespielt wurden, gehörten zum Unterhaltungsprogramm.

    Kriminalfilme und Kriminalreihen hatten bereits in den 1960er Jahren einen festen Programmplatz. Zeitgleich zum bundesdeutschen Fernsehen entstanden große Reihen wie »Der Staatsanwalt hat das Wort«, »Blaulicht« und »Polizeiruf 110«. Verwandte Genres sind der Abenteuerfilm und der Spionagefilm. Ihre Handlung ist häufig im Ost-West-Konflikt angesiedelt, wie in »Das unsichtbare Visier« (1973 – 1979) oder »Das grüne Ungeheuer« (1962).

    Reihen und Fernsehserien finden sich zu verschiedenen Genres und Themen (»Zur See«, »Jockei Monika«). Ein häufig eingesetztes Format im DDR-Fernsehen war der Mehrteiler, er fand Anwendung bei Reihen wie »Ohne Kampf kein Sieg« (1966).

    »Mein lieber Mann und ich« Erstsendung: 5.1.1975 (IDNR 042645). DEFA-Studio für Spielfilme im Auftrag des Fernsehens der DDR
  • Dokumentarische Formate

    Im Bereich Dokumentarfilme und Dokumentationen bildeten sich eigene Genres und Ausprägungen, die sich zwischen ideologischem Anspruch und der Handschrift einzelner Regisseure und Regisseurinnen bewegen.

    Besonders umfangreiche Produktionen stellen die Entstehung und Entwicklung der DDR als Erfolgsgeschichte des Antifaschismus und Sozialismus dar  (»Auferstanden aus Ruinen« 1979, »Unser Zeichen ist die Sonne« 1984). Viele kürzere Dokumentarfilme widmeten sich Alltagsthemen. Zum Ende der DDR entstanden zunehmend kritische Dokumentationen zu Leben und Alltag in der DDR wie »Klartext – Ist Leipzig noch zu retten?«.

  • Publizistische Formate

    Die zentrale Nachrichtensendung im DDR-Fernsehen war die täglich ausgestrahlte »Aktuelle Kamera«. Berichte über politische Großveranstaltungen und Ereignisse wie Parteitage, Staatsbesuche, Paraden und Planerfüllungen nahmen großen Raum ein.

    Die Magazinsendung »Prisma« griff eine große Bandbreite an innenpolitischen und gesellschaftlichen Themen auf. »Objektiv« konzentrierte sich auf die internationale Politik. »Tele-Studio West« sowie »Der Schwarze Kanal« zielten auf eine kritische Auseinandersetzung mit den Verhältnissen in Westdeutschland. Das »Kulturmagazin« widmete sich dem DDR-Kulturleben und gesellschaftlich-kulturellen Themen. Weitere Magazinreihen bedienten Themen wie  Landwirtschaft (»Kreisläufe«), Technik und Wirtschaft (»Wettlauf mit der Zeit«, »Umschau«), Wissenschaft und Forschung (»Aha«) oder Pädagogik (»Von Pädagogen – Für Pädagogen«).

    Sendungen mit Gesprächsrunden waren im Programm vertreten, darunter »Treffpunkt Berlin«, »Sonntagsgespräch des Deutschlandsenders« und »Poträt per Telefon«. Sie spielten aber im Vergleich zu heute eine geringe Rolle.

    Im Bereich Sport bestimmte die Sendereihe »Sport Aktuell« und darin das »Fußball-Panorama« das Sendegeschehen. Berichte über sportliche Ereignisse wie DDR-Meisterschaften, Sportfeste, Europa- und Weltmeisterschaften sowie Olympiaden hatten einen festen Platz im Programm.

    »Aktuelle Kamera - Nachrichtenverlese« Ausgabe vom 16.6.1963 (IDNR 411721)
  • Ratgebersendungen und Schulfernsehen

    Ratgebersendungen bedienten zahlreiche Themen des Alltags: vom Haustier (»Du und dein Haustier«) über den Garten (»Du und dein Garten«), die Gesundheit (»Visite«), den Straßenverkehr (»Verkehrsmagazin«) zu Haushalt und Kochen (»Der Fernsehkoch empfiehlt«, Haps – »Haushalts-Allerlei-Praktisch-Serviert«), Mode (»Vom Scheitel bis zur Sohle«, »Modekiste«) und der Partnerschaft (»Sie und er und 1000 Fragen«).

    Das Schulfernsehen bildet eine eigene Kategorie mit Reihen wie »English For You« oder »Wir sprechen russisch«.

    »Vom Scheitel bis zur Sohle – Kosmetik für Ihn« Erstsendung: 8.3.1988 (IDNR 042262)
  • Unterhaltungsformate

    Die prominenteste Unterhaltungs-Show war »Ein Kessel Buntes«. »Da lacht der Bär« war in den frühen Jahren ein großer Erfolg und lebte von Zuschauerbeteiligung. »Außenseiter – Spitzenreiter« stellte Außergewöhnliches und Kuriositäten vor. »Mit dem Herzen dabei« gilt als erste Talente-Show des deutschen Fernsehens.

    Musikalische Reisen durch Stadt und Land boten »Schlager einer Stadt« und »Auf Schusters Rappen«. Sendereihen wie »Die Notenbude«, »Bong« und »Showkolade« sind Vertreter der Musik-Show im Studio.

    Shows mit Spiel- und Mitmach-Anteil waren »Spielspaß« und »Mach mit, mach's nach, mach's besser«. Die im Studio produzierten Unterhaltungsformate »Willi Schwabes Rumpelkammer« und »Das blaue Fenster« blickten auf die Film- und Fernsehgeschichte zurück.

    »Ein Kessel Buntes, Folge 18 – Sketch der Drei Dialektiker« Erstsendung: 28.6.1975 (IDNR 042305)
  • Kinderfernsehen und Trickfilm

    Produktionen für Kinder und Jugendliche hatten im DDR-Fernsehen einen hohen Stellenwert. So entstanden Märchenverfilmungen wie »Die schwarze Mühle« (1975) oder »Die Regentrude« (1976) und Kinderfilme wie »Spuk unterm Riesenrad« (1979), »Alfons Zitterbacke« (1986) oder »Kai aus der Kiste« (1989).

    Besonderen Stellenwert nehmen die »Sandmann«-Produktionen ein. Sie liefen täglich über einen Zeitraum von drei Jahrzehnten (1959-1989) und waren außerordentlich populär.

    Das DDR-Fernsehen stellte auch darüber hinaus Puppentrickfilme auf handwerklich hohem Niveau her, die besonders in Serien eingesetzt wurden, so bei »Pittiplatsch und Schnatterinchen« oder »Jan und Tini auf Reisen«.

    An Jugendliche richteten sich Sendereihen wie »Rund«, »Mobil« und »Wie wär's«. Zum Ende der DDR spielte das Jugendmagazin »Elf99« eine herausragende Rolle.

    »Jan und Tini auf Reisen – Wie ein Trickfilm entsteht« Erstsendung: 28.11.1986 (IDNR: 015922). DEFA-Studio für Trickfilme im Auftrag des Fernsehens der DDR

Der Archivbestand

Im Produktions- und Sendebetrieb archivierte das DDR-Fernsehen nur gesendetes Material. Daher ist kaum Dreh- oder Rohmaterial überliefert.
Besonders für die ersten Jahrzehnte ist die Überlieferung lückenhaft. Eine breite Archivierung fand erst in den 1980er Jahren statt. Gründe dafür waren Materialengpässe im DDR-Fernsehen, wie auch wenig ausgeprägte Interessen an der Wiederverwertung des Materials und der vorherrschende Live-Charakter des Fernsehens.

Die Produktionen sind sowohl auf Film (16mm, 35mm) als auch auf verschiedenen Magnetbandformaten überliefert und werden seit 2012 sukzessive digitalisiert.
Zum Bestand gehören alle Eigen-, Ko- und Auftragsproduktionen des Deutschen Fernsehfunks (DFF) bzw. des Fernsehens der DDR mit Ausstrahlungsrechten. Ein zentraler Partner für Auftragsproduktionen war die DEFA (Deutsche Film AG). Internationale Kooperationen entstanden häufig mit Partnern im Rahmen der OIRT, dem Dachverband der Hörfunk- und Fernsehsender Mittel- und Osteuropas.
Der Fernsehbestand des DRA ist ein abgeschlossener Bestand. Es gibt weder analoge noch digitale Neuzugänge aus aktuellen Fernsehproduktionen. Die Ausnahmen bildet Bewegtbild aus Vor- und Nachlässen.

Überlieferungslücken konnten wir nachträglich durch sogenannte Ostaufzeichnungen vervollständigen. Sie entstanden, da sich DDR und Bundesrepublik gegenseitig beobachteten (Monitoring) und zu diesen Zwecken Mitschnitte anfertigten.